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Hauptversammlung Trotz Rekordverlust: Lufthansa-Chef Spohr gibt sich zuversichtlich

Lufthansa-Chef Carsten Spohr gab sich auf der Hauptversammlung der Airline trotz riesiger Verluste optimistisch. Quelle: Imago

Die Coronakrise hat der Lufthansa ordentlich zugesetzt. Dennoch versuchte Vorstandschef Carsten Spohr auf der Hauptversammlung Optimismus zu verbreiten. Seine Kapitalpläne sind derweil umstritten.

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Bei der Hauptversammlung der Lufthansa haben Vorstand und Aufsichtsrat versucht, Zuversicht für eine Bewältigung der Corona-Krise zu verbreiten. Gründe zum Optimismus seien schnelle Impf-Fortschritte, der wieder vorhandene Zugang zum Kapitalmarkt sowie die Motivation der Mitarbeiter für einen Neustart, sagte Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley am Dienstag in Frankfurt.

Vorstandschef Carsten Spohr warb bei den Anteilseignern um Zustimmung für einen Vorratsbeschluss, um zu einem noch unbekannten Zeitpunkt bis zu 5,5 Milliarden Euro neues Eigenkapital aufnehmen zu können. Vor allem die stillen Einlagen des Bundesrepublik will die Lufthansa wegen der mittelfristig hohen Kosten eigentlich nicht ziehen. Spohr sagte: „Wenn wir die Wahl haben, finanzieren wir uns lieber beim Kapitalmarkt als beim Steuerzahler.“

Der Vorstoß stößt auf ein geteiltes Echo von Aktionären. Die Fondsgesellschaft der Genossenschaftsbanken Union Investment kündigte bereits vor der Hauptversammlung an, gegen den „völlig überdimensionierten“ Kapitalvorratsbeschluss zu stimmen. „Wegen der schwachen Historie bei der Krisenbewältigung sind wir nicht bereit, dem Management einen Blankoscheck auszustellen“, erklärte Michael Gierse, Fondsmanager bei Union Investment. Die DekaBank dagegen zeigte Verständnis für den Kapitalrahmen. Das sei nicht überraschend, da das Eigenkapital massiv auf nur noch zwei Milliarden Euro geschmolzen sei und die Bilanz deutlich gestärkt werden müsse, erklärte Nachhaltigkeits-Expertin Vanessa Golz.



„Wir wollen kleinere, schrittweise Kapitalmaßnahmen, bei denen die Aktionäre gefragt werden müssen und die Lufthansa mit einem überzeugenden Restrukturierungsplan aufwarten muss“, forderte Union Investment. Das Management stehe vor der Wahl einer kurzfristigen Kapitalerhöhung oder müsse ohne diese die hochverzinsliche stille Beteiligung des Staats in Anspruch nehmen, erklärte die DekaBank. Der Vorstand müsse den Weg wählen, der dem Aktienkurs am wenigsten wehtue.

Spohr versprach, dass der Konzern die Krise gestärkt verlassen werde. „Wir werden diese Krise nicht nur meistern, sondern sie als Chance nutzen, unsere globale Position in unserer in so vieler Hinsicht einzigartigen Branche weiter zu stärken. Die Lufthansa Group wird in Zukunft zunächst kleiner sein – aber auch fokussierter, digitaler, effizienter und nachhaltiger.“ Unter anderem setzt der Konzern auf modernere Flugzeuge mit niedrigerem Verbrauch. 115 alte Jets wurden bislang dauerhaft stillgelegt, der Kauf von zehn neuen Langstreckenjets am Montag beschlossen.

Die Umsätze des MDax-Konzerns waren 2020 wegen des zusammengebrochenen Flugverkehrs um 63 Prozent auf 13,6 Milliarden Euro abgesackt, woraus sich ein Rekordverlust von 6,7 Milliarden Euro ergab. Das Eigenkapital schmolz auf zuletzt noch rund 2 Milliarden Euro. Bis zum Ende des ersten Quartals 2021 haben innerhalb eines Jahres rund 30.000 von einst 140.000 Mitarbeitern den Konzern verlassen. Das Catering-Geschäft in Europa wurde verkauft, die Airlines Germanwings und SunExpress Deutschland wurden geschlossen.

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Der Konzern hatte in der vergangenen Woche bekräftigt, allein in Deutschland weitere 10.000 Vollzeitstellen streichen zu wollen. Ende März gab es noch 93 500 Vollzeitstellen im Konzern, von denen 52 200 auf Deutschland entfielen.

Die Airline-Gruppe wurde im vergangenen Jahr mit Staatshilfen von neun Milliarden Euro von Deutschland, Österreich, Belgien und der Schweiz gestützt. Von den 6,8 Milliarden Euro Deutschlands seien bislang erst 2,3 Milliarden Euro abgerufen, erklärte Spohr. Davon sei ein Kredit der Staatsbank KfW von einer Milliarden Euro wieder getilgt. Der Großteil der Erlöse aus Kapitalerhöhungen solle genutzt werden, um die staatlichen Stabilisierungshilfen zurückzuführen, ergänzte er.

Mehr zum Thema: Flüge in die USA waren bis zur Coronakrise für die Lufthansa der wichtigste Auslandsmarkt. Doch das Geschäft über den Nordatlantik ändert sich radikal – zulasten der deutschen Linie.

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