Hermes-Chef Schneider "Ein Sargnagel für den Wettbewerb"

Der Chef des Paketdienstes Hermes, Hanjo Schneider, kritisiert die politische Untersützung für die Deutsche Post. Für den Herbst kündigt er gemeinsame Paketboxen der Post-Konkurrenten an.

Hermes Logistik Quelle: dapd

WirtschaftsWoche Online: Herr Schneider, laut Stiftung Warentest ist Hermes der langsamste der fünf großen Paketdienste in Deutschland. Was tun Sie dagegen?
Hanjo Schneider: Wir sind zum dritten Mal in Folge Testsieger im Privatpaketbereich geworden, diesmal zusammen mit DHL, aufgrund unseres guten, verlässlichen Services. Neben der Geschwindigkeit ist es den Empfängern enorm wichtig zu wissen, wann und wo ihre Lieferung ankommt. Wir investieren gerade 300 Millionen Euro in eine Systemumstellung, in deren Zuge sich auch für unsere Privatkunden die Geschwindigkeit bei der Zustellung weiter erhöht. Heute betreiben wir 60 Paketdepots bundesweit. In Zukunft werden es nur noch 35 hochmoderne Paketcenter sein.

Zur Person

Sie reduzieren die Zahl ihrer Paketdepots und erhöhen damit die Geschwindigkeit?
Ja, aber auch um neue, innovative Services anbieten zu können. Heute laufen die Pakete von wenigen großen Standorten zu unseren 60 Depots. In Zukunft aber direkt von einem zum anderen Paketcenter. Dadurch verfügen wir über deutlich mehr Einspeisepunkte im Netz. Das erhöht die Effizienz und gibt uns die Möglichkeit, beispielsweise Pakete von Versandhändlern deutlich später anzunehmen. So bieten wir unseren geschäftlichen Auftraggebern einen immer besseren Service, nicht zuletzt weil die Händler ihren Kunden so flexiblere Bestell- und Lieferzeiten offerieren können. 

Und wie wollen Sie das erreichen?
Durch Geschwindigkeit, Präzision und Innovationen bei digitalen Services. Zudem vertikalisieren wir unsere Produktpalette für Privatkunden. Zum Beispiel durch Send&Store. Kunden können uns Kartons oder Boxen mit Inhalten übergeben, die sie zum Beispiel nur saisonal benötigen. Wir holen diese ab, lagern sie kostengünstig ein und liefern auf Bestellung auch wieder nach Hause. Dieses Angebot gibt es erst seit zwei Monaten, aber wir haben schon einige tausend Boxen abgeholt.

Vor einigen Jahren haben Sie das Ziel ausgegeben, dass Hermes die Deutsche Post DHL überholen soll. Bisher hat das nicht funktioniert. Warum?
Wir haben in den vergangenen zehn Jahren immer Marktanteile gewonnen - ergo wachsen wir schneller als der Markt.  Aber ob und wie wir im Paketbereich noch hinter der Post zurückliegen, ist schwer zu sagen, weil diese keine Zahlen für das Privatkundengeschäft veröffentlicht. Das ist aber auch gar nicht so wichtig. Schließlich verstehen wir uns als internationaler Anbieter und liegen in Europa, etwa in England oder Frankreich, deutlich vorne.

Briefpreise in Europa (Standardbrief, 20g, Inland)

Im vergangenen Jahr haben Sie angekündigt, der Post in Deutschland zusammen mit DPD, UPS und GLS der Post mit einer eigenen Paketbox Konkurrenz zu machen. Wann geht es los?
Wir wollen den Prototyp innerhalb des zweiten Quartals testen. Im Herbst sollte die Lösung dann auf dem Markt sein. Das ist das erste Mal, dass zumindest ein Teil der Branche trotz des harten Wettbewerbs eine gemeinsame Lösung gefunden hat.

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