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Hoffnung auf Rekordsumme Wie die Fußball-Liga um TV-Rechte pokert

Mit dem Verkauf der TV-Rechte will die Deutsche Fußball Liga Rekordsummen einnehmen - und verlängert dafür in der kommenden Saison sogar die Spieltage. Der Rechtepoker spiegelt einen Machtwandel im TV-Geschäft wider.

Fernsehrechte in der Bundesliga. Quelle: AP/dpa

Am 26. Dezember feiert ungefähr der halbe Globus den zweiten Weihnachtstag. Die Familie hockt noch mal unter dem Tannenbaum, packt die letzte Runde Geschenke aus, verspeist die nächste Gans. Für die Herren Mertesacker und Özil gilt das indes nicht. Sie gehen auch am zweiten Feiertag ihrem Beruf nach.

Schon kurz nach der Bescherung treten Per Mertesacker und Mesut Özil bei Arsenal London wieder in kurzen Hosen an. Abends um viertel vor acht, zur besten Sendezeit, im St. Mary’s Stadion gegen den Ligakonkurrenten Southampton. Und nur zwei Tage später stehen die beiden Weltmeister-Kicker erneut auf dem Rasen: Es steigt das Heimspiel gegen die Kollegen aus Bournemouth.

Während die deutsche Bundesliga in die Winterpause entschwindet, läuft in Englands Premier League der Betrieb auf Hochtouren – wenn die Fans endlich mal Zeit am Stück haben, rollt am Boxing Day und zwei Tage später erneut in allen Stadien die Kugel. Man kann das unchristlich finden oder übertrieben. Tatsache ist: Die Fans schauen zu, sie strömen in die Stadien und die Bezahlsender freuen sich über ordentliche Zuschauerzahlen. Das lassen sie sich viel Geld kosten; die Preise für die TV-Rechte in England sind in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert.

Der Einnahmenmix der Bundesliga

So wird Englands Eliteliga in der kommenden Spielzeit, wenn die neuen TV-Verträge gültig werden, umgerechnet drei Milliarden Euro von den Sendern kassieren. Zum Vergleich: Die Bundesliga kommt in der nächsten Spielzeit insgesamt auf 835 Millionen Euro. Auch wenn das eine gewaltige Menge Geld ist - im Vergleich zu Arsenal, Manchester und Co. tut sich allerdings eine finanzielle Kluft auf. Die könnte mittelfristig dafür sorgen, dass Bundesliga-Vereine bei internationalen Spielen wie der Champions League oder Europa League ins Hintertreffen geraten: Selbst der Tabellenletzte in England kassiert durch die TV-Rechte mehr als der Bundesliga-Primus Bayern München. Und die Mittelkassel-Klubs von der Insel wedeln fleißig mit ihren Geldbündeln, um die Profi-Kicker in Scharen anzulocken.

Wenn im kommenden Frühjahr die Deutsche Fußball Liga (DFL) die TV-Rechte für die Spielzeiten ab der Saison 2017/18 anbietet, geht es vor allem um eins: Den Abstand zu den Briten so weit wie möglich zu verringern. Mehr als eine Milliarde Euro soll der Rechte-Poker diesmal einbringen, hat Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge schon gefordert. Um dieses Ziel zu erreichen, hat die DFL um ihren cleveren Vorstandschef Christian Seifert das Paket mit den TV-Rechten neu geschnürt.

Was die Fußballklubs durch Trikotwerbung verdienen
SV Darmstadt 98 Quelle: dpa
FC Ingolstadt Quelle: REUTERS
Platz 16: FC Augsburg Quelle: dpa
Hannover 96 Quelle: dpa
FSV Mainz 05 Quelle: dpa
TSG 1899 Hoffenheim Quelle: REUTERS
Platz 12: 1. FC Köln Quelle: dpa

Die Fans werden sich deshalb an einige Änderungen gewöhnen müssen: Ab der Saison 2017/2018 wird der Spieltag enorm in die Länge gedehnt. Denn aller Voraussicht nach kickt die Liga erstmals in ihrer Geschichte auch am Montagabend. Insgesamt zehn von 306 Partien will die DFL vom Samstag auf zwei neue Anstoßzeiten verlegen: Fünf Partien sollen am Sonntag um 13.30 Uhr angepfiffen werden. Und weitere fünf montags um 20.15 Uhr. Fünf von 34 Spieltagen werden also künftig im extrem 96 Stunden lang sein, die Spieltagstabelle erst am Montagabend gegen 22 Uhr aussagekräftig.

Das wird nicht allen Fans schmecken: Wer kann als Berufstätiger schon an einem beliebigen Montagabend bis in die Puppen irgendwo in der Republik auf der Tribüne stehen und am nächsten Tag wieder fit zur Schicht antreten? Folgen hat das Prinzip Kaugummi natürlich auch für „Sportschau“-Zuschauer. Mehr Partien am Sonntag und Montag bedeuten logischerweise weniger Matches zur gewohnten Sendezeit am Samstagabend – dem zudem auch zwei weitere Partien abgeknapst werden. Statt bisher sechs Spielen sollen künftig acht Partien samstags erst um 18.30 Uhr angepfiffen werden.

Ein Spielplan in Häppchen

DFL-Vorstand Seifert bemüht sich damit mit aller Macht, das meiste aus dem engen Markt herauszuholen. Er kann nichts daran ändern, dass es in Deutschland anders als in England im Bezahlfernsehmarkt praktisch keine Konkurrenz zu Sky gibt. Die Münchner sind mit fast 500 Millionen Euro pro Saison derzeit die größten Geldgeber der Liga. Um dem börsennotierten Konzern tatsächlich noch mehr Geld aus den Rippen zu leiern, muss Seifert daher vor allem eins tun: mit allen Mitteln für Konkurrenz sorgen.

Das kann er nur schaffen, wenn er den Spielplan in immer mehr Häppchen filetiert. Entweder Sky macht die Börse weit auf und sammelt die Teile ein. Oder es findet sich tatsächlich ein Free-TV-Sender wie RTL oder ProSiebenSat.1 – oder ein gänzlich neuer Mitspieler – , für den der Kauf eines Bundesliga-Minipaketes einen strategischen Wert darstellt. Völlig ausgeschlossen ist das nicht.

Der mit einem eigenen Film- und Seriengeschäft ins Internet drängende Online-Händler Amazon kann sich das Streamen von Fußball-Weltmeisterschaft und Bundesliga durchaus vorstellen. "Unmöglich wäre das nicht", sagte Firmengründer und Konzernchef Jeff Bezos der "Welt am Sonntag". "Sport ist ein interessanter Bereich."

Die umsatzstärksten Fußballclubs

DFL-Vorstand Seifert selbst verwies gerade im Interview mit der „Zeit“ auf einen Internet-Player: „Yahoo hat vor Kurzem das erste Spiel der NFL live gestreamt. Wir haben in Neuseeland und Japan Liveausstrahlungen via YouTube getestet.“ In Spanien, England und zahlreichen anderen Märkten seien schon jetzt die Telekommunikationsanbieter zum zweiten großen Spieler neben den klassischen Pay-TV-Plattformen geworden. Dieser Trend, behauptet Seifert, „beschleunigt Wertigkeit und Konkurrenzsituation bei der Vergabe von Sportrechten deutlich, auch bei uns.“

Ob das allerdings mehr ist als sein frommer Wunsch, wird sich erst noch zeigen müssen. Yahoo, Google, Amazon und Co. waren auch in der Vergangenheit stets gern genannte Akteure, die die Liga den etablierten Anbietern zur Drohung und Preissteigerung vor die Nase hielt.

Was Bundesliga-Fans für ihren Verein ausgeben
DFL Sky Quelle: dpa
VfL Wolfsburg – 388,45 EuroDie Fans des VfL Wolfsburg haben Grund zur Freude: Nach dem fulminanten 4:1 Sieg gegen den Spitzenreiter FC Bayern scheint es möglich Vizemeister zu werden – hält das Formtief des FC Bayern an, könnte sogar noch mehr drin sein. Meister ist der VfL Wolfsburg in puncto Fanausgaben – bei keinem anderen Klub kommen die Fans so billig davon: Die günstigste Dauerkarte kostet 130 Euro – kein Verein in Deutschland verlangt weniger. Das Kappa-Trikot gibt es für 79,95 Euro, damit liegt der VfL im Durchschnitt. Für einen Liter Veltins blecht der VfL-Fan 7,80 Euro und für die Bratwurst gegen den kleinen Hunger zahlt er 2,70 Euro – hochgerechnet auf 17 Heimspiele macht das 178,50 Euro. Quelle: AP
1. FC Köln – 416,85 EuroDer Kölner Fußball ist endlich wieder erstklassig – der Start in die Rückrunde kann sich mit vier Punkten in zwei Spielen durchaus sehen lassen. Bei den Heimspielen lief es bis jetzt für die Kölner allerdings nicht allzu gut – dafür müssen die Fans für die Dauerkarte auch nicht so tief in die Tasche greifen: 165 Euro kostet die günstigste. Das aktuelle Trikot gehört mit einem Preis von 69,95 Euro zu den preiswerteren. Die Bratwurst kostet 2,90 Euro und liegt damit knapp unter dem Durchschnittspreis. Wer einen Liter Bitburger oder Gaffel Kölsch trinken will, muss dafür noch einmal 7,80 Euro zahlen – die Verpflegung für eine Saison kostet damit im Schnitt 181,90 Euro. Quelle: dpa
1899 Hoffenheim – 417,50 EuroAm zweitgünstigsten in der Bundesliga ist das Fan-Sein in Sinsheim. Die Dauerkarte ist bei einem Preis 150 Euro eine der günstigsten. Auch das Trikot des Sportherstellers Lotto ist mit 74,95 Euro vergleichsweise preiswert. Der Liter Bitburger kostet im Stadion 8,25 Euro; die Bratwurst dazu 3,10 Euro – nur in Stuttgart und München ist sie teurer. Quelle: AP
SC Freiburg – 423,30 EuroDie günstigste Dauerkarte in Freiburg kostet 180 Euro. Dafür gibt es das Nike-Trikot für relativ günstigste 69,96 Euro. Auch die Bratwurst gehört mit 2,70 Euro zu den preiswerteren der Liga. Für den Liter Rothaus zahlen die Fans 7,50 Euro – nirgendwo in der Liga ist das Bier so günstig. Für die Dauer einer Saison kostet die Verpflegung 173,34 Euro. Quelle: dpa
FSV Mainz 05 – 427,85 EuroIn der Bundesliga führt der FSV Mainz 05 aktuell das untere Tabellendrittel an – was die Preise angeht ist er das Schlusslicht des oberen Tabellendrittels. Die Dauerkarte schlägt mit 181 Euro zu Buche. Das Nike-Trikot gehört mit einem Kaufpreis von 64,95 Euro zu den günstigsten Trikots der Liga. Auch die Bratwurst mit einem Preis von 2,90 Euro und der Liter Bitburger für 7,80 Euro sind nicht allzu teuer. Quelle: dpa
Bayer 04 Leverkusen – 431,80 EuroIn der Bundesliga spielt Leverkusen aktuell noch um die Spitzenplätze mit – was die Kosten für die Fans angeht, liegt Leverkusen nur im Mittelfeld. Wer eine Dauerkarte will, zahlt 170 Euro – das Adidas-Trikot dazu schlägt noch einmal mit 79,90 Euro zu Buche. Die Preise für den Verzehr liegen mit 7,80 Euro für den Liter Bitburger oder Gaffel Kölsch und 2,90 Euro für die Bratwurst im Mittelfeld. Quelle: AP

Allerdings hat sich das Verhalten der TV-Zuschauer mittlerweile verändert: Nie zuvor hatten auch in Deutschland so viele Konsumenten Abonnements bei Streamingdiensten wie Amazon Prime oder auch Netflix. Zwar weist etwa Netflix-Boss Reed Hastings die Idee weit von sich, dass Live-Sport interessant sein könnte für sein Projekt vom weltumspannenden TV-Anbieter.

Doch selbst wenn Bayern gegen Dortmund nicht in Hastings Strategie passt: Allein die Tatsache, dass sich Mediennutzer auch hierzulande stärker daran gewöhnen, für TV-Inhalte noch mal extra zu bezahlen, sorgt für einen Bewusstseinswandel. Verhaltensweisen und Gewohnheiten, die jahrzehntelang als in Stein gemeißelt galten, werden aufgebrochen.

War die „Tagesschau“ um 20 Uhr noch vor wenigen Jahren ein absoluter Fixpunkt im TV-Alltag, nutzen längst immer mehr Zuschauer die Freiheit des Netzes, Nachrichten dann anzuschalten, wenn es ihnen und nicht bloß dem Sender passt. Ganz zu schweigen von den heute 15-Jährigen, die sich ihre Sendezeiten schon lange nicht mehr von TV-Sendern vorschreiben lassen – und die sich sicher auch in Zukunft nie mehr in feste Senderaster pressen lassen werden.

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Ob dieser Wandel indes schon so weit fortgeschritten ist, um bereits bei der jetzt anstehenden Rechtevergabe eine entscheidende Rolle zu spielen, ist fraglich. Womöglich ist es dazu noch etwas zu früh; diese Vergabe kann womöglich die symbolische Eine-Milliarde-Euro-Schwelle knacken, dürfte aber dennoch eher eine Art Zwischenschritt markieren. Doch klar ist, dass sich die Verhältnisse im TV-Geschäft wandeln. Die Dinge bewegen sich.

Ob das am Ende gut sein wird für die Liga, ob Fans die weitere Zerstückelung des Spieltags mitmachen werden oder ob nicht gerade die Kompaktheit eines Spieltags zum wesentlichen Markenkern der Bundesliga gehört, das steht auf einem anderen Blatt.

Mit Material von dpa.

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