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Hoffnung für Germania? Insolvenzverwalter startet Gespräche mit Investoren

Eine Germania-Maschine ist auf dem Rollfeld des Flughafen Erfurt-Weimar abgestellt. Quelle: dpa

Für die insolvente Airline Germania könnte es womöglich eine Zukunft geben. Der vorläufige Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg teilte am Freitag mit, dass er Gespräche mit Interessenten über mögliche Konstellationen einer Übernahme führe.

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Die insolvente Fluggesellschaft Germania hat womöglich doch noch Chancen, mit einem neuen Eigentümer weiterzumachen. Es gebe Gespräche mit dem Luftfahrtbundesamt und den Leasinggebern der 27 betroffenen Flugzeuge, um dafür die Voraussetzungen zu schaffen, erklärte der vorläufige Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg am Freitag. „Unser vorrangiges Ziel ist es, die Fluglinien betriebsbereit zu halten, um die Start- und Lande-Slots behalten zu können. Das ist die Grundvoraussetzung für eine Lösung, die den Geschäftsbetrieb als Teil oder als Ganzes erhält.“

Flugzeuge, Crews und Wartung müssten dafür einsatzbereit und die Infrastruktur intakt bleiben. Wienberg steht demnach in Kontakt mit mehreren Interessenten. Nähere Details wurden nicht genannt. Der Investorenprozess sei gestartet worden. Dazu gehört auch die Einrichtung eines Datenraums, in dem die Interessenten genauere Einblicke in Betriebszahlen bekommen.

Weniger Hoffnung besteht für Tausende Reisende, sie bleiben auf den Kosten für ihre gebuchten Tickets sitzen. Betroffen sind etwa 260.000 Reisende in einem Zeitraum bis Ende Mai 2020, die direkt bei Germania gebucht hatten, wie ein Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters am Freitag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur sagte. Nach derzeitiger Rechtslage bekommen den Angaben zufolge Passagiere für Direktbuchungen – anders als etwa Pauschalreisende – keinen Ersatz bei einer Insolvenz einer Airline. Seit Tagen gibt es deshalb immer wieder die Forderung nach einer Insolvenzversicherung für Fluggesellschaften.

Germania war unter dem Druck sinkender Ticketpreise, schwacher Auslastung im Winter und gestiegener Treibstoffkosten das Geld ausgegangen. Anfang der Woche meldete der Charterflieger Insolvenz an. Damit verlor das Unternehmen die Betriebserlaubnis, sodass die 27 betroffenen Flugzeuge der deutschen Gesellschaft sofort am Boden bleiben mussten.

Dadurch gehen die für den Flugbetrieb notwendigen Start- und Landerechte verloren. Von der Insolvenz betroffen sind knapp 1700 Beschäftigte, darunter 400 Piloten und 580 Flugbegleiter. Bisher seien keine Kündigungen ausgesprochen worden, erklärte Wienberg. Ein Teil des fliegenden Personals müsse die Flugzeuge alle zwei Wochen in die Luft bringen, damit deren Betriebsgenehmigung nicht verfällt. Im Besitz der insolventen Airline war zuletzt keines der 27 Flugzeuge, alle waren geleast, wie es weiter auf Nachfrage hieß. Alle Maschinen befinden sich demnach zur Zeit in Deutschland.

Vom vorläufigen Insolvenzverwalter hieß es weiter, dass es in einem ersten Schritt gelungen sei, die Betriebsgenehmigung der Germania Technik Brandenburg GmbH im brandenburgischen Schönefeld aufrecht zu erhalten. Die 178 Mitarbeiter warten die Germania-Flotte, aber auch Flugzeuge anderer Airlines. Dieser Geschäftsbereich ist auch Teil der Insolvenz, genauso wie die Germania Flugdienste GmbH. Das zuständige Bundesamt war auf Nachfrage am Freitag zunächst nicht erreichbar.

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass die Bundespolizei durch die Insolvenz der Fluggesellschaft einen Abschiebeflug kurzfristig umplanen musste. Am Dienstag sei ein Ersatzflug mit der Gesellschaft Sundair organisiert worden, teilte eine Sprecherin der Bundespolizei am Donnerstag mit. Zuvor hatte „Der Spiegel“ darüber berichtet. „Es wurden 31 albanische und 24 kosovarische Staatsangehörige geflogen“, erklärte die Bundespolizei in Potsdam. „Es entstanden keine Mehrkosten.“ Der Airbus A320 sei für den üblichen Marktpreis von 67.584 Euro gechartert worden.

Das Stralsunder Unternehmen Sundair stellte den Airbus am Frankfurter Flughafen zur Verfügung. Das Flugzeug sei allerdings erst von Kassel dorthin gebracht worden, sagte ein Airline-Sprecher. Die Maschine flog von Frankfurt über Tirana nach Pristina und zurück nach Frankfurt. Der Charterpreis richtet sich nach Angaben von Sundair nach der Jahreszeit – im Sommer kostet es mehr – , der Flugstrecke – in diesem Fall mit zwei Flugzielen – und der Größe des Flugzeugs.

Als viertgrößte deutsche Fluggesellschaft brachte Germania viele Touristen an Urlaubsorte im Mittelmeerraum. Vor allem kleinere deutsche Flughäfen wurden durch den eingestellten Flugbetrieb zum Teil hart getroffen. Jährlich beförderte die Airline nach eigenen Angaben mehr als vier Millionen Passagiere.

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