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Identifizierungsmonopol Branchen-Winzling muckt gegen die Post auf

Das Wiesbadener Startup Cybits greift das Post-Monopol an, die Identität von Verbrauchern am Schalter zu überprüfen.

Ein Mann betritt eine Filiale der Deutschen Post Quelle: REUTERS

Stefan Pattberg trainiert sein Stehvermögen. Am Wochenende spielt der Manager Badminton auf Teufel komm raus. Mit schweißdurchnässtem Trainingsanzug läuft der 47-Jährige hinter jedem Ball her und trickst seine Gegner aus, ob mit harten Passierschlägen oder gefühlvollen Stoppbällen.

Pattberg braucht seine Steherqualitäten zurzeit vor allem bei der bisher kaum bekannten Firma Cybits in Wiesbaden. Als deren Chef hat er den Kampf gegen keinen Geringeren als die Deutsche Post aufgenommen. Das Startup-Unternehmen mit 20 Mitarbeitern und einem Umsatz von gerade mal 400.000 Euro will das Quasi-Monopol knacken, das der 53-Milliarden-Euro-Riese sich bis heute bewahrt hat: das Postident-Verfahren. Dabei wird die Identität eines Verbrauchers überprüft, etwa wenn der einen Kreditvertrag unterschrieben an die Bank schickt.

Lange traute der Staat nur den Mitarbeitern am Postschalter zu, die Identität anhand der Ausweispapiere zu bestätigen. Jetzt checkt Cybits als erstes Unternehmen die Identität vollelektronisch im Internet – und untergräbt damit das alte Postident-Monopol der Deutschen Post.

Keine persönliche Ausweiskontrolle mehr

Die Konsequenzen für Unternehmen und Verbraucher sind weitreichend. Wer künftig ein Konto bei einer Direktbank eröffnen will oder sich beim rechtsverbindlichen E-Mail-Service De-Mail anmelden will, hat es leicht: Er oder sie braucht nicht mehr zur Ausweiskontrolle zum Postschalter zu gehen. Mit dem neuen Verfahren von Cybits, das den Namen „verify-U“ trägt, geht dies einfach über das Internet.

Ermöglicht wird dies durch ein mehrstufiges Verfahren, das garantieren soll, dass niemand unter falschen Namen ein Konto eröffnen kann. Selbst mit gestohlenen Papieren soll sich das System nicht überlisten lassen. Behörden wie das Bundesamt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) konnten bisher keine Sicherheitslücken finden und haben die erforderliche Zulassung erteilt.

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