WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Image der Deutschen Bahn Die Bahn ist besser als ihr Ruf

Seite 2/2

Leitmotto des Jahres 2018: Die Bahn soll verlässlicher werden

Doch reicht das, um Privat- und Geschäftskunden dauerhaft von der Reise mit der Bahn zu überzeugen? Zwei weitere Civey-Fragen, die von bis zu 10.000 Kunden beantwortet wurden, geben Aufschluss darüber, wie schwer es dem Staatskonzern fallen wird, die Deutschen von den Vorteilen einer Zugreise zu begeistern. Aber auch, wie groß das Potenzial der Bahn ist.

So geben zunächst 69 Prozent der Befragten an, bei innerdeutschen Reisen vor allem das eigene Auto zu nutzen. Nur 16 Prozent fahren am häufigsten mit dem Fernzug, sieben weitere Prozent mit dem Regionalzug. Unter ferner liefen befinden sich die anderen Verkehrsmittel wie Flugzeug und Fernbus (jeweils zwei Prozent).

Spannend wird es nun bei der Frage, ob denn die Kunden bei einer Strecke, die länger als 100 Kilometer ist, „lieber“ mit dem Zug oder mit dem Auto fahren würden. Die Antwort: Zwar bleiben fast zwei Drittel der Deutschen ihrem Auto treu. Sie von der Mobilität auf der Schiene zu überzeugen, dürfte eine schwierige bis unmögliche Mission für die Deutsche Bahn sein. Doch mehr als jeder Dritte gibt an, „eher“ oder sogar „eindeutig“ den Zug nehmen zu wollen oder sich zumindest nicht festlegen zu wollen. Jeder Zehnte ist nämlich noch „unentschieden“, entscheidet sich also von Fall zu Fall. Hier liegt ein großes Potenzial für die Deutsche Bahn.

Die Bahn hat es daher teilweise auch selbst in der Hand, mehr Fahrgäste in die Züge zu holen. Fahrgastverbände fordern seit jeher, die Pünktlichkeit zu verbessern. Bekanntermaßen ist die Verlässlichkeit die Achillesferse der Deutschen Bahn. 2017 hat der Konzern die eigenen Ziele gerissen. Mehr als jeder fünfte Zug im Fernverkehr war mindestens sechs Minuten zu spät, jeder zehnte Zug sogar mehr als 15 Minuten. Bahnchef Richard Lutz hält dennoch weiterhin an dem 85-Prozent-Ziel fest.

Doch viel wichtiger als die Pünktlichkeit eines Zuges ist den Fahrgästen ohnehin die Garantie, Anschlusszüge zu erreichen. Wenn ein ICE auf der Strecke von Frankfurt nach Berlin zehn Minuten Verspätung hat und Reisende deshalb in Hannover ihren Anschluss-Zug nach Hamburg verpassen, besänftigt sie auch nicht die Tatsache, dass der Zug nach Berlin „nur“ zehn Minuten zu spät war. Der ICE nach Hamburg ist weg, Fahrgäste erreichen ihr Ziel Hamburg dann oft mit sehr viel größerer Verspätung. Doch erst ab 60 Minuten werden Reisende mit einer Fahrpreiserstattung von 25 Prozent entschädigt.

Die Bahn versucht daher, die Verlässlichkeit der Züge zu erhöhen. Bahnchef Lutz hat dies gar zum Leitmotto des Jahres 2018 erklärt.

Sollte der Konzern das Top-Thema wirklich einmal in den Griff bekommen, wäre die Speisekarte möglicherweise sogar der entscheidende Faktor, warum Reisende auch mal in den Zug steigen werden. Sind 3,20 Euro für einen Café Creme viel oder wenig? Bei Starbucks ist er jedenfalls kaum preiswerter. Doch den Blick aus dem Fenster gibt es in dem Zug gratis dazu.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%