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Imagewechsel? Passagiere wütend und enttäuscht über Ryanair

In einer Umfrage zur Kundenzufriedenheit der 100 größten britischen Unternehmen wird Ryanair auf den letzten Platz verwiesen. Kommt jetzt der große Imagewechsel?

Die berühmten Sprüche des Ryanair-Chefs
"Jeder Idiot, der irgendwo rausgeschmissen wird, taucht wieder als Berater auf. Ich habe bislang noch jeden erschossen, der in mein Büro gekommen ist." Quelle: REUTERS
"Das Problem mit den Fluglinien-Managern ist doch, dass sie kein Rückgrat haben und sich an ihre Erzfeinde in der Umweltbewegung ranwanzen, statt sie Lügner zu nennen, wie sie es verdienen." Quelle: REUTERS
"Unsere Umsatzrendite von 25 Prozent ist nicht gut, sondern obszön in dieser Branche. Verglichen mit dem Rest sind wir keine Fluglinie, sondern Drogenhändler." Quelle: REUTERS
„Wenn ich abtrete wird sicher unser Marketing-Etat wachsen, weil wir ohne meine Sprüche weniger Aufmerksamkeit bekommen - aber das sparen wir dann an Gerichtskosten, weil uns dann weniger Leute wegen meiner Sprüche verklagen.“ Quelle: REUTERS
„Heute müssen Unternehmen-Chefs sagen, Unsere Beschäftigten sind unser wichtigstes Asset. Was ein Schwachsinn. Die Beschäftigten sind unser größter Kostenblock und viele sind so faul, dass wir sie ständig in den Hintern treten müssen. Das denkt eigentlich jeder Chef, aber keiner will es zugeben.“ Quelle: dpa
„40 Euro wenn wie eine Bordkarte neu ausdrucken, weil jemand sein vergessen oder verloren hat sind nicht zu viel. Eigentlich müssten wir für so viel Blödheit mindestens 60 Euro verlangen.“ Quelle: dpa
"Umweltschützer ärgern wir wo immer wir können. Eigentlich müsste man die erschießen, denn sie wollen fliegen so teuer machen, dass es wieder ein Privileg für die Reichen wird." Quelle: dpa

Auch das noch: Die irische Fluglinie Ryanair muss sich seit Jahren den Ruf als Abzocker-Airline gefallen lassen, erhebt sie doch für fast jeden Handschlag extra Gebühren. Jetzt verpassten die Briten der Fluggesellschaft in einer Umfrage zur Kundenzufriedenheit der 100 größten britischen Unternehmen auch noch den letzten Platz.Auf die Frage "Are you being served?" des Verbrauchermagazins „Which?“ gaben 3.331 Briten ihre Ansichten kund und bewerteten die hundert größten Unternehmen Großbritanniens in sechs Kategorien – wie etwa "Kenntnisse der Mitarbeiter", "Freundlichkeit" oder auch "Problemlösung" und "Wertschätzung als Kunde".

Beim Billigflieger Ryanair herrsche eine "aggressive und feindlich gesinnte Einstellung gegenüber Kunden", heißt es in den Antworten. "Mitarbeiter sind unhöflich und unangenehm", ist zu lesen. Ein anderer Befragter gibt an: "Mittlerweile zahle ich lieber 50 Pfund mehr für meine Flüge und werde wie ein Mensch behandelt". Ryanair, so berichtet Travel Mole, zieht die Umfrage ins Lächerliche. So basiere "die unnütze Umfrage auf 3.300 Menschen, ihre Hamster, Rennmäuse und Goldfische eingeschlossen".

Das Unternehmen sollte die Häme lieber ernst nehmen, hat es sich doch gerade selbst einen Imagewechsel hin zur kundenfreundlichen, nachsichtigen  Fluggesellschaft verpasst. Erst am Freitag kündigte der irische Konzern auf der Hauptversammlung eine Kehrtwende an. Man wolle von der "brüsken Kultur" wegkommen, sagte Ryanair-Chef Michael O'Leary. "Wir sollten versuchen, Dinge zu verhindern, die Kunden unnötig verärgern."

Die größten Billigflieger Europas
Die von deutschen Flughäfen aus startenden Billigflieger sind nach einer Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) teurer geworden. Je nach Fluglinie lagen die Durchschnittspreise für einen einfachen Flug im vergangenen Herbst zwischen 70 und 140 Euro brutto, wie das Forschungsinstitut berichtete. Im vorangegangenen Sommer hätten sie noch bei 50 bis 130 Euro gelegen. Insgesamt nutzten im ersten Halbjahr 2014 der Studie zufolge knapp 31 Millionen Passagiere Angebote sogenannte Low Cost Carrier. Im Sommerflugplan 2014 bedienten sie insgesamt 722 Strecken in und ab Deutschland - ein Plus von rund 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch verlief die Entwicklung regional sehr unterschiedlich. Die meisten Günstigflieger-Passagiere verzeichneten die Berliner Flughäfen. Auch die Airports Hamburg und Köln/Bonn konnten ihr Passagieraufkommen steigern. Starke Rückgänge gab es dagegen auf Regionalflughäfen wie Weeze oder Hahn, wo sich die gesunkene Präsenz von Ryanair bemerkbar machte. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Platz zehn: Air Baltic mit 25 FlugzeugenDie lettische Fluggesellschaft Air Baltic belegt mit 25 Flugzeugen, darunter fünf Boeing 737–500, acht Boeing 737–300 und zwölf Q-400 NextGen Platz zehn. Quelle: Presse
Platz neun: Aer Lingus mit 50 FlugzeugenMit 50 Flugzeugen liegt Air Lingus auf Rang neun. Zu der Flotte der irischen Fluggesellschaft zählen je drei Boeing 757-200, Airbus A330-200, Airbus A321-200, jeweils vier Airbus A319-100 und Airbus A330-300 und 33 Airbus A320-200. 2015 sollen außerdem neun Flugzeuge vom Typ Airbus A350-900 an die Fluglinie ausgeliefert werden. Quelle: dpa
Platz acht: Wizz Air mit 54 FlugzeugenDie ungarische Fluglinie Wizz Air hat ihr Streckennetz vor allem in Osteuropa. In Deutschland fliegt sie die Flughäfen in Dortmund, Frankfurt-Hahn, Köln/Bonn, Lübeck und Memmingen an. Wizz Air verfügt über eine junge Flotte mit Flugzeugen vom Typ Airbus 320. Alle 54 Flugzeuge werden von V-2500-Motoren von International Aero Engine betrieben. Quelle: dapd
Platz sieben: Jet2 mit 55 FlugzeugenDie britische Billig-Airline Jet2 gibt es erst seit 2002, trotzdem hat sie mit 55 Flugzeugen eine der größten Flotten unter den europäischen Billig-Airlines. Mit den 23 Boeing 737-300, einer Boeing 737-300F, sieben Boeing 737-300QC und jeweils zwölf Boeing 737-800 und Boeing 757-200 fliegt die Airline viele Urlaubsziele im Mittelmeer und außerdem New York City an. Quelle: Presse
Platz sechs: Germanwings mit 57 FlugzeugenGermanwings schafft es mit einer Flotte von 57 eigenen und 23 Eurowings-Flugzeugen auf Platz sechs unter den Top 10 der europäischen Billig-Airlines. Ab Frühjahr 2015 sollen 64 eigene Flugzeuge der Typen A319 und A320 sowie 23 durch Eurowings betriebene Regionalflugzeuge für Germanwings im Einsatz sein. Quelle: dpa/dpaweb
Platz fünf: Flybe mit 62 FlugzeugenDie britische Airline Flybe betreibt mit 45 Maschinen die größte Flotte an Bombadier DashQ8-400 Maschinen weltweit. Hinzu kommen noch elf Maschinen vom Typ Embraer 175 (vier weitere sind bestellt) sowie sechs Jets vom Typ 195. Flybe hat seinen Sitz in Southhampton und fliegt in Deutschland die Flughäfen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Stuttgart an. Quelle: Presse

Deswegen werde Ryanair künftig mehr Nachsicht bei der Inrechnungstellung von Übergepäck walten lassen und die Kommunikationsstrategie mit dem Kunden überarbeiten. Dazu gehöre auch die Verbesserung der Internetseite. O'Leary dürfte nicht nur die öffentliche Kritik, sondern auch die jüngsten Geschäftsprobleme zum Strategiewechsel bewegt haben. Erstmals seit zehn Jahren könnte die Airline ihre Gewinnziele von 570 bis 600 Millionen Euro im Geschäftsjahr zu Ende März verfehlen.

Aktionär: „Ich habe Menschen gesehen, die geweint haben“

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Am Freitag hatten sich mehrere Aktionäre auf der Hauptversammlung über den rüden Umgang des Konzerns mit Passagieren beschwert. "Ich habe Menschen gesehen, die geweint haben", sagte Kleinaktionär Owen O'Reilly. Ryanair hat in den vergangenen Jahren viele Kunden verärgert, indem das Unternehmen versuchte, mit immer weiteren Einsparungen zu punkten. Dies machte den EasyJet -Konkurrenten zwar zu einer der größten Fluggesellschaften weltweit, nun scheint das schlechte Image die Wachstumsaussichten jedoch zu schmälern. Wegen des schlechten Rufs, der beispielsweise auch durch neue Gebühren für das Ausdrucken der Bordpässe durch die Mitarbeiter am Flugschalter untermauert wurde, buchen viele potenzielle Kunden aus Prinzip keine Flüge mit den Iren mehr. Davy Research-Analyst Stephen Furlong sagte: "Sie ändern ihr Geschäftsmodell zwar nicht fundamental, aber trotzdem ist dies wichtig."

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