Immobiliengesellschaft Anlegeranwälte entern Pleite-Unternehmen WGF

Mit einer gewagten Personalrochade versuchen Anlegeranwälte bei der insolventen Immobiliengesellschaft WGF zu retten, was zu retten ist: Sie übernehmen selbst das Kommando bei dem havarierten Unternehmen.

Wohnbauprojekt der WGF AG in Berlin Prenzlauer Berg. Quelle: Presse

Neue Wende im  Fall des insolventen Immobilienunternehmens WGF: Die beiden prominenten Anlegeranwälte Klaus Nieding und Julius Reiter sollen ins Management der Pleitegesellschaft einziehen. Der renommierte Düsseldorfer Jurist Reiter soll künftig als Vorstand der Westfälischen Grundbesitz und Finanzverwaltung AG die Sanierung unterstützen. Nieding, der zugleich Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz ist, soll den Aufsichtsratsvorsitz übernehmen. Auf diesem Weg soll die „bestmögliche Verwertung der Immobilien“ gesichert werden, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der beiden Kanzleien. „Wir sind davon überzeugt, dass das den Anleiheinhabern deutlich mehr Werte bringt, als jede andere Lösung“, so Reiter.

Tatsächlich zählen die Anleihegläubiger – wie in zahlreichen anderen Fällen - zu den Hauptleidtragenden der Insolvenz. Ihnen schuldet das Unternehmen rund 200 Millionen Euro. Sie sollen laut Insolvenzplan, der wiwo.de vorliegt, in einem ersten Schritt bis Ende 2015 42,4 Millionen Euro zurück erhalten, das entspricht einer Quote von 21,2 Prozent. Stimmen sie bei der Gläubigerversammlung dem Insolvenzplan zu, werden zusätzliche Beträge von 25 Millionen Euro bis 2018 über so genannte Besserungsscheine in Aussicht gestellt. Damit würde die Rückzahlungsquote auf 44 Prozent steigen.

Welche Unternehmen den Laden dicht machen
RenaDer Niedergang hatte sich bereits abgezeichnet: Das Unternehmen Rena, das Maschinen für die Solarindustrie fertigt, litt seit längerem unter schwindendem Absatz. Allein im dritten Quartal 2013 vermeldete das Unternehmen einen Verlust in Höhe von 5,5 Millionen Euro. Im Februar dann musste Unternehmenschef Jürgen Gutekunst die Pleite der Tochtergesellschaft SH+E verantworten. Gutekunst will das Unternehmen nun in Eigenregie sanieren. Ob, wann und wie viel ihrer Einlagen Anleihegläubiger jedoch wiedersehen werden, darüber will das Unternehmen derzeit noch keine Angaben machen. Insgesamt stehen 77 Millionen Euro auf dem Spiel, die Anleger dem Unternehmen in den Jahren 2010 und 2013 auf Etappen geliehen hatten. Klaus Nieding, Kapitalanlagerechtler und Vorstand der Nieding+Barth Rechtsanwaltsaktiengesellschaft empfiehlt Anleihegläubigern jetzt, mit einer Stimme zu sprechen: „Die Anleihegläubiger sollten ihre Interessen bündeln, um als große Gläubigergruppe ihre Interessen im Restrukturierungsverfahren durchzusetzen.“ Nieding rechnet damit, dass „die Gesellschaft zügig an die Anleihegläubiger mit einem Restrukturierungsplan herantreten und eine Anleihegläubigerversammlung einberufen wird“. Quelle: dpa
Münchener AbendzeitungSie stand in den 80er Jahren Pate erfolgreiche TV-Serie „Kir Royal - Aus dem Leben eines Klatschreporters
Zamek Der Düsseldorfer Lebensmittelhersteller hat am 25.2.2014 Insolvenz angemeldet. Der 1932 gegründete Familienbetrieb produziert mit rund 520 Beschäftigten in Düsseldorf und Dresden, Tütensuppen, Würzmischungen und Fertiggerichte, die sich - oft auch als Eigenmarken - in den Supermarktregalen wiederfinden. Zwei Sanierungsexperten der auf Konkursverfahren spezialisierten Kanzlei Metzeler von der Fecht sowie zwei weitere Anwälte betreuen Zamek als vorläufige Sachwalter. Die Geschäfte laufen vorerst weiter. Das Unternehmen befindet seit längerem in Turbulenzen. Im Geschäftsjahr 2012/2013 wies Zamek einen Verlust von mehr als 10 Millionen Euro aus. Die Umsätze brachen um acht Prozent auf knapp 74 Millionen Euro ein. Mehrheitsgesellschafter Bernhard Zamek hatte im Oktober 2013 „drastische Einsparmaßnahmen“ und den Abbau von weiteren 85 Stellen angekündigt. Außerdem wollte er Teile der Produktion nach Polen verlagern. An der Spitze sollte der Sanierungsexperte Reiner Wenz für frischen Wind sorgen. Er ersetzte im Februar Geschäftsführerin Petra Zamek. Doch gelang es ihm offenbar nicht mehr schnell genug, das Steuer herumzureißen. Quelle: dpa
Strauss InnovationFür die insolvente Warenhauskette interessieren sich rund ein Dutzend Investoren Außerdem sollen nicht zukunftsfähige Standorte bis zur Mitte des Jahres geschlossen werden. Dies berichtet die
Kaiser GmbHDrei Monate nach dem Insolvenzantrag (12.12.2013) stellt der bayerische Automobilzulieferer die Weichen für die Zukunft. Der Betrieb laufe stabil und man habe neue Aufträge eingeholt, so Insolvenzverwalter Michael Jaffé, bekannt durch die Sanierung des Wohnwagen-Herstellers Knaus Tabbert. Die rund 650 Mitarbeiter im Stammsitz in Aicha vorm Wald und Straßkirchen-Salzweg erhalten seit Februar wieder reguläre Lohn und Gehalt. Die Suche nach Investoren läuft. Jaff´:
Weltbild VerlagDas insolvente Medienunternehmen bekommt einen neuen Investor. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz gab dem Düsseldorfer Familienunternehmen Droege International Group den Zuschlag und brach die Verhandlungen mit dem Münchner Finanzinvestor Paragon Partners ab. Gemeinsam werde man die Sanierung mit dem geplanten Abbau von Stellen und Buchläden fortsetzen:
Das börsennotierte Unternehmen getgoods AG mit Sitz in Frankfurt (Oder) geht in Insolvenz. Vorstandschef Markus Rockstädt-Mies:

Klar ist: Die Verluste werden für die Anleger in jedem Fall schmerzhaft sein. Kernziel des Insolvenzplans ist es, der Gesellschaft mehr Zeit für den Verkauf der Immobilien zu geben. Damit sollen wertvernichtende Notverkäufe wie sie im Zerschlagungsfall drohen, möglichst vermieden werden. Zugleich soll sich die Unternehmensgruppe künftig ausschließlich auf die Projektentwicklung konzentrieren.

Offen ist, ob der bisherige Vorstandschef Sergio Pino dabei auf Dauer noch eine Rolle spielt. Er ist für die Pleite mitverantwortlich, durfte aber weiter an Bord bleiben, da das Verfahren als so genannte Insolvenz in Eigenverwaltung geführt wird. Zur Seite gestellt wurde Pino indes der Sanierer Bernd Depping und als Kontrollorgan der Sachwalter Rolf Rattunde von der Berliner Kanzlei Leonhardt Rechtsanwälte. Offiziell wird die Schieflage des Unternehmens damit begründet, dass der Absatz von Kapitalmarktprodukten infolge „öffentlich vorgetragener Zweifel am Geschäftsmodell“ ab Juli 2011 „abrupt zum Erliegen“ kam, wie es im Insolvenzplan heißt. „Weil nun frisches Kapital ausblieb, konnte die WGF AG nicht mehr am Markt agieren.“   

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