WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Innovation Tesla-Chef plant rasend schnelle Zukunftsbahn

Elon Musk hat wie versprochen die Pläne für sein neuestes Hobby präsentiert. Künftig widmet er sich dem Hyperloop - ein elektrisch angetriebenes, bis zu 1220 Stundenkilometer schnelles Röhren-Fahrzeug.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
So sieht die Kapsel von „Hyperloop“ aus. Quelle: REUTERS

Elon Musk hat Wort gehalten. Am Montag veröffentlichte der 42jährige Multimilliardär wie angekündigt seine Pläne zum sogenannten Hyperloop – einer modernen Schnellbahn. Sie soll die Reisezeit zwischen den kalifornischen Metropolen San Francisco und Los Angeles auf 35 Minuten verkürzen. Der Flieger braucht für die rund sechshundert Kilometer momentan rund eine Stunde und 15 Minuten, wenn sich nicht gerade wieder der Start wegen Nebel in San Francisco oder Überlastung in Los Angeles verzögert.

Auf 57 Seiten hat Musk den Hyperloop skizziert. Er will luftdicht verschlossene Fahrzeugkabinen mit maximal 28 Passagieren mit bis zu 1220 Stundenkilometern über eine Art Luftkissen durch Stahlröhren schleusen. Die Fahrzeuge werden von Elektromotoren angetrieben.

Musks Erfolgsgeschichte

Um Zeit und Geld zu sparen, schlägt Musk vor, die Röhren hauptsächlich auf jeweils maximal 30 Meter voneinander entfernten Pfeilern entlang des Mittelstreifens der Interstate 5 zu installieren – jeweils eine Röhre gen Süden und eine zurück nach Norden. Der nötige Strom soll umweltverträglich via Solarenergie erzeugt werden, die auf den Röhren befestigt werden und ein Netz von Akkus speisen.

Die dreispurige Autobahn verbindet San Francisco und Los Angeles über das landwirtschaftlich geprägte Central Valley. Durch die Mitnutzung der bestehenden Infrastruktur soll die futuristische Schnellbahn nur sechs Milliarden Dollar kosten. Eine erweiterte Version, die auch Güter transportieren kann, prognostiziert er auf 7,5 Milliarden Dollar. Das wäre gnadenlos günstig. Zum Vergleich: Die für das Jahr 2028 geplante Schnellzugtrasse zwischen San Francisco und Los Angeles wird auf 70 bis 100 Milliarden Dollar taxiert. Wegen der hohen Kosten und der Reisezeit von immer noch 2,5 Stunden gilt sie schon jetzt dem Flugzeug als unterlegen und wird ihre Kosten in Jahrzehnten nicht einspielen. „Nicht besonders klug für einen Staat, der kürzlich noch vor der Pleite stand“, stichelte Musk in einer Telefonkonferenz am Montag.

840 Passagiere pro Stunde

Von der Form sieht er aus wie ein ICE. Quelle: AP

Auch für Silicon Valley Maßstäbe ist der Hyperloop ein Schnäppchen. Facebook hat im April 2012 für das 20 Mitarbeiter Startup Instagram 715 Millionen Dollar bezahlt. Der Hyperloop würde als noch nicht einmal das Zehnfache kosten. Auch die Betriebskosten schätzt Musk als gering ein. Er kalkuliert, dass Tickets pro Weg schon ab 20 Dollar angeboten werden könnten. Für den kalifornischen Hochgeschwindigkeitszug gibt es Berechnungen, die Fahrpreise von bis zu 100 Dollar pro Strecke vorsehen.

In Spitzenzeiten soll der Hyperloop 840 Passagiere pro Stunde befördern in jeweils 40 Fahrzeugen. Sechs davon sollen auf den jeweiligen Bahnhöfen für den Schuss vorbereitet werden. Damit das zur Hauptverkehrszeit auch funktioniert, haben die Passagiere maximal fünf Minuten Zeit fürs Ein-und Aussteigen. Sie müssen sich also sputen. Auch Versionen, die Autos aufnehmen, hält Musk für machbar. Er sieht nicht nur die Strecke zwischen San Francisco und Los Angeles wegen dem Fahrgastaufkommen für geeignet, sondern auch Linien zwischen Los Angeles und Las Vegas sowie Los Angeles und San Diego.

Wer denkt, dass Musk größenwahnsinnig geworden ist, irrt. Der Mann versteht was von schnellem Transport. Neben Betriebswirtschaft hat der gebürtige Südafrikaner auch Physik studiert. Er führt nicht nur den Elektroautohersteller Tesla Motors, sondern auch die private Raumfahrttransportfirma Space X. Dort ist Musk nicht nur CEO, sondern auch Chefingenieur. Er hat deren wiederverwendbare Falcon Transportraketen und den Dragon Raumfrachter mitkonstruiert und berechnet.

Bei dem Projekt geht Musk neue Wege. Er hat den Plan nach dem Vorbild von open source ins Internet gestellt, damit jedermann ihn verbessern kann. Mitgearbeitet haben Ingenieure von Tesla und Space X, quasi als Zeitvertreib. Der Unternehmer hofft auf eine rege Diskussion.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Ob der Hyperloop jedoch tatsächlich in Kalifornien gebaut wird, ist mehr als fraglich. Nicht aus technischen, sondern politischen Gründen. Er würde der geplanten Schnellzugtrasse noch mehr Konkurrenz machen und dieses unterminieren. Der Schnellzug ist jedoch ein Steckenpferd  hiesiger Landespolitiker und Gewerkschaften, weil er langfristig Tausende von Konstruktionsjobs finanziert. Aber vielleicht verwirklichen die Chinesen die Idee. Allerdings sieht Musk den Hyperloop nur für überschaubare Strecken als praktikabel. Für Strecken über 1500 Kilometer empfiehlt er Überschallflugzeuge – natürlich eine moderne, schallgedämpfte Version.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%