Insolvente Air-Berlin-Tochter Niki-Verkauf an IAG soll auf Umwegen gelingen

A plane by Lufthansa passes a plane with the Air Berlin - Niki sign at the international airport in Munich, Germany, January 9, 2018. REUTERS/Michaela Rehle Quelle: REUTERS

Ein Beschluss des Landgerichts Berlin bringt den Niki-Verkauf an den Luftfahrtkonzern IAG ins Wanken. Trotzdem treibt der Insolvenzverwalter den Verkauf voran und plant nun zwei Insolvenzverfahren gleichzeitig.

Die Air-Berlin-Tochter Niki kämpft trotz des schwelenden Streits über ihr Insolvenzverfahren um eine neue Heimat beim Luftfahrtkonzern IAG. Der Ferienflieger will den schon ausgehandelten Kaufvertrag über zwei parallele Insolvenzverfahren in Berlin und Wien absichern, wie der vorläufige Insolvenzverwalter Lucas Flöther erklärte. Dazu legte Niki Rechtsbeschwerde am Bundesgerichtshof gegen den überraschenden Beschluss des Landgerichts Berlin für Österreich statt Deutschland als Insolvenzort ein. Bis Ende der Woche werde zudem ein "Sekundär-Insolvenzverfahren" in Österreich beantragt, um den Vertrag mit der spanischen IAG-Billigtochter Vueling abzusichern.

Flöther zufolge herrscht Zeitdruck, da Vueling bereits zum Weiterbetrieb von Niki 16,5 Millionen Euro bereitgestellt hat. "Diese Finanzierung reicht nur für wenige Wochen." Er hatte in einem Notverkauf den Vertrag mit IAG/Vueling Ende Dezember ausgehandelt, nachdem der ursprüngliche Kauf von Niki durch die Lufthansa an Bedenken der EU-Wettbewerbshüter gescheitert war. Die British-Airways-Mutter IAG will wie geplant den Kauf bis Ende Februar für 36,5 Millionen Euro vollziehen.

Die Chronik von Air Berlin

Eine BGH-Sprecherin des BGH sagte, der für Insolvenzrecht zuständige 9. Zivilsenat werde das Verfahren zügig bearbeiten. Angestoßen hatte es der österreichische Fluggast-Dienstleister Fairplane. Er treibt gegen Erfolgsbeteiligung Forderungen von Passagieren an Fluggesellschaften ein und verspricht sich dafür von einem Konkursverfahren in Österreich bessere Chancen. Rund 3000 Kunden aus ganz Europa fordern zusammen mehr als 1,2 Millionen Euro Entschädigung für Flugverspätungen von Niki. Fairplane stellte bereits einen Konkursantrag in Österreich, über den das Bezirksgericht Korneuburg frühestens am Freitag entscheiden will.

Über Berlin oder Wien zum Ziel

Die Gerichte müssen entscheiden, welche Faktoren für den rechtlichen "Mittelpunkt der hauptsächlichen Interessen" schwerer wiegen: Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg sah diesen am Sitz der Niki-Mutter in Berlin, weil der Ferienflieger von dort geführt und ein Großteil des Geschäfts in Deutschland abgewickelt wird. Das dann angerufene Landgericht hält Wien für den richtigen Ort, weil Niki dort gesellschaftsrechtlich seinen Sitz hat, nach Betriebserlaubnis und unter Aufsicht österreichischer Behörden flog und 80 Prozent der Arbeitsverträge nach österreichischem Recht geschlossen sind.

Nach Ansicht von Fairplane müsste der Vertrag mit IAG nicht an einem neuen Konkursverfahren in Österreich scheitern. Der Betriebsrat von Niki hofft, dass sich die Firma unter das Dach der IAG-Tochter Vueling retten kann. "Wir bauen darauf, dass die Beteiligten an dem Deal festhalten", erklärte Betriebsratschef Stefan Tankovits. Man sei optimistisch, dass IAG an Bord bleibe. Der Konzern hatte in Aussicht gestellt, 740 der insgesamt etwa 1000 Arbeitsplätze erhalten zu wollen.

Der Niki-Gründer und frühere Formel-1-Weltmeister Niki Lauda sagte in einem Interview von Oe24 TV, er sei bereit, zusammen mit dem Reisekonzern Thomas Cook und dessen Tochter Condor eine neue Offerte abzugeben, sollte sich die Chance ergeben. "Mich interessiert es nach wie vor. Aber im Moment stellt sich die Frage nicht."

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