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Insolvenz-Markt Expertenbilanz: Zwei Jahre Insolvenzreform

Bessere Sanierungstools, neue Wettbewerber und mehr Spaß an der Arbeit - was die Reform des Insolvenzrechts (ESUG) aus Sicht von renommierten Insolvenzverwaltern gebracht hat.

Welche Unternehmen den Laden dicht machen
RenaDer Niedergang hatte sich bereits abgezeichnet: Das Unternehmen Rena, das Maschinen für die Solarindustrie fertigt, litt seit längerem unter schwindendem Absatz. Allein im dritten Quartal 2013 vermeldete das Unternehmen einen Verlust in Höhe von 5,5 Millionen Euro. Im Februar dann musste Unternehmenschef Jürgen Gutekunst die Pleite der Tochtergesellschaft SH+E verantworten. Gutekunst will das Unternehmen nun in Eigenregie sanieren. Ob, wann und wie viel ihrer Einlagen Anleihegläubiger jedoch wiedersehen werden, darüber will das Unternehmen derzeit noch keine Angaben machen. Insgesamt stehen 77 Millionen Euro auf dem Spiel, die Anleger dem Unternehmen in den Jahren 2010 und 2013 auf Etappen geliehen hatten. Klaus Nieding, Kapitalanlagerechtler und Vorstand der Nieding+Barth Rechtsanwaltsaktiengesellschaft empfiehlt Anleihegläubigern jetzt, mit einer Stimme zu sprechen: „Die Anleihegläubiger sollten ihre Interessen bündeln, um als große Gläubigergruppe ihre Interessen im Restrukturierungsverfahren durchzusetzen.“ Nieding rechnet damit, dass „die Gesellschaft zügig an die Anleihegläubiger mit einem Restrukturierungsplan herantreten und eine Anleihegläubigerversammlung einberufen wird“. Quelle: dpa
Münchener AbendzeitungSie stand in den 80er Jahren Pate erfolgreiche TV-Serie „Kir Royal - Aus dem Leben eines Klatschreporters" - jetzt steht sie vor dem Aus. Die AZ hat am 5. März 2014 einen Insolvenzantrag gestellt. Sinkende Anzeigenerlöse, sinkende Leserzahlen und hohe Druckkosten seien der Grund, sagte Herausgeber Johannes Friedmann. 110 Mitarbeiter sind betroffen, davon rund 50 in der Redaktion. „Es gab kaum jemals ein gutes Jahr in der Abendzeitung“, seitdem er 1986 die Geschäfte übernommen habe, sagte Friedmann. Man hätte den Schritt „schon viel früher gehen müssen - vor zehn Jahren.“ Ein Investor ist nicht in Sicht. Der Süddeutsche Verlag, an dem die Familie Friedmann mit 18,75 Prozent beteiligt, hat kein Interesse an einer Übernahme. Auch von Dirk Ippen, der den „Münchner Merkur“ und die Münchner Boulevardzeitung „tz“ verlegt scheint nicht interessiert. AZ-Herausgeber Friedmann sieht auch im Internet einen Grund für die Probleme der Abendzeitung: „Das, was eine typische Boulevardzeitung ausmacht, ist (...) durch das Internet weitgehend bedeutungslos geworden.“ Quelle: dpa
Zamek Der Düsseldorfer Lebensmittelhersteller hat am 25.2.2014 Insolvenz angemeldet. Der 1932 gegründete Familienbetrieb produziert mit rund 520 Beschäftigten in Düsseldorf und Dresden, Tütensuppen, Würzmischungen und Fertiggerichte, die sich - oft auch als Eigenmarken - in den Supermarktregalen wiederfinden. Zwei Sanierungsexperten der auf Konkursverfahren spezialisierten Kanzlei Metzeler von der Fecht sowie zwei weitere Anwälte betreuen Zamek als vorläufige Sachwalter. Die Geschäfte laufen vorerst weiter. Das Unternehmen befindet seit längerem in Turbulenzen. Im Geschäftsjahr 2012/2013 wies Zamek einen Verlust von mehr als 10 Millionen Euro aus. Die Umsätze brachen um acht Prozent auf knapp 74 Millionen Euro ein. Mehrheitsgesellschafter Bernhard Zamek hatte im Oktober 2013 „drastische Einsparmaßnahmen“ und den Abbau von weiteren 85 Stellen angekündigt. Außerdem wollte er Teile der Produktion nach Polen verlagern. An der Spitze sollte der Sanierungsexperte Reiner Wenz für frischen Wind sorgen. Er ersetzte im Februar Geschäftsführerin Petra Zamek. Doch gelang es ihm offenbar nicht mehr schnell genug, das Steuer herumzureißen. Quelle: dpa
Strauss InnovationFür die insolvente Warenhauskette interessieren sich rund ein Dutzend Investoren Außerdem sollen nicht zukunftsfähige Standorte bis zur Mitte des Jahres geschlossen werden. Dies berichtet die "Rheinische Post". Strauss Innovation hatte am 30. Januar 2014 beim Amtsgericht Düsseldorf einen Antrag auf Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens eingereicht. Betroffen sind 1400 Mitarbeiter in 96 Filialen und 59 deutschen Städten. Das Unternehmen gehört dem US-Investor Sun Capital, dem auch der Versandhändler Neckermann gehörte. Strauss möchte zunächst einen eigenen Insolvenzplan vorlegen, bevor in drei Monaten das eigentliche Insolvenzverfahren eröffnet wird. Schuld an der Misere sollen die Wetterkapriolen im vergangenen Jahr sein. Das Frühjahr war zu kalt - Gartenmöbel & Co. blieben stehen - der Winter zu mild - auch die warmen Socken und Daunenjacken blieben hängen. Quelle: dpa
Kaiser GmbHDrei Monate nach dem Insolvenzantrag (12.12.2013) stellt der bayerische Automobilzulieferer die Weichen für die Zukunft. Der Betrieb laufe stabil und man habe neue Aufträge eingeholt, so Insolvenzverwalter Michael Jaffé, bekannt durch die Sanierung des Wohnwagen-Herstellers Knaus Tabbert. Die rund 650 Mitarbeiter im Stammsitz in Aicha vorm Wald und Straßkirchen-Salzweg erhalten seit Februar wieder reguläre Lohn und Gehalt. Die Suche nach Investoren läuft. Jaff´: "Es gibt mehrere Interessenten, die sich (...) mit einem Einstieg bei Kaiser befassen. Unser Ziel ist es, bis Jahresmitte eine dauerhafte Fortführungslösung zu realisieren." Kaiser erwirtschaftet rund 90 Millionen Euro Umsatz und lieferte 2012 rund 24 Millionen aus - darunter Airbag- und Antriebs-Komponenten, Bremsscheiben und –trommeln, Gehäuse für ABS, Kupplung, Getriebe, Hinterachsen und Zylinderblöcke. Alleiniger Eigentümer und Geschäftsführer ist der Gründer Klaus-Peter Kaiser. Von 2000 bis 2008 wuchs Kaiser rasant und verdreifachte nahezu den Umsatz. Nach dem krisenbedingten Einbruch in 2009 hatte der Zulieferer zuletzt wieder an dieses Wachstumstempo anknüpfen können - das reichte allerdings nicht aus, um die Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. Quelle: Screenshot
Weltbild VerlagDas insolvente Medienunternehmen bekommt einen neuen Investor. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz gab dem Düsseldorfer Familienunternehmen Droege International Group den Zuschlag und brach die Verhandlungen mit dem Münchner Finanzinvestor Paragon Partners ab. Gemeinsam werde man die Sanierung mit dem geplanten Abbau von Stellen und Buchläden fortsetzen: "Die Restrukturierung für sich ist noch nicht abgeschlossen." Droege zeichnet eine Kapitalerhöhung von 20 Millionen Euro und erhält im Gegenzug eine 60-prozentige Beteiligung. Die übrigen 40 Prozent hält Geiwitz für die Gläubiger. Nach den bisherigen Plänen sollen 167 Filialen erhalten bleiben, die Zahl könnte aber weiter schrumpfen. Weltbild hatte am 10. Januar 2014 Insolvenz beantragt. Der Aufsichtsrat sah keine Finanzierungsmöglichkeit für eine Sanierung. Noch sind 2100 Mitarbeiter bei Weltbild beschäftigt. Der Augsburger Verlag war eines der größten Medienhäuser in Europa und gehörte zwölf katholischen Diözesen in Deutschland, dem Verband der Diözesen Deutschlands sowie der katholischen Soldatenseelsorge in Berlin. Weltbild litt zuletzt auch unter der Konkurrenz des US-Giganten Amazon. Konkreter Auslöser für die aktuellen Schwierigkeiten war nach Unternehmensangaben ein Umsatzrückgang in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2013/14. Quelle: dpa
Das börsennotierte Unternehmen getgoods AG mit Sitz in Frankfurt (Oder) geht in Insolvenz. Vorstandschef Markus Rockstädt-Mies: "Am Donnerstag haben wir Insolvenz für unsere Vertriebsgesellschaft angemeldet. Am Freitag erfolgt die Insolvenzanmeldung für die AG. Ob weitere Tochtergesellschaften ebenso den Weg der Insolvenz gehen, wird noch geprüft." Der Geschäftsbetrieb des Online-Händlers mit rund 200 Mitarbeitern werde jedoch weiter gehen. Auf einer Mitarbeiterversammlung wolle der eingesetzte Insolvenzverwalter über das weitere Vorgehen informieren. "Parallel dazu läuft die Investorensuche. Dazu gab und gibt es hoffnungsvolle Gespräche", sagte Rockstädt-Mies. Quelle: Presse

Was taugt die Insolvenzreform? Im März 2012 trat das „Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen“ – kurz: ESUG - in Kraft und brachte die Insolvenzszene gehörig in Aufruhr. Das Ziel der Neuerungen: Das ESUG sollte vor allem dafür sorgen, dass sich die Chefs klammer Unternehmen früher als bisher Hilfe suchen. Dafür wurde ihnen das Eingeständnis akuter Probleme mit zwei neuen Verfahrenstypen schmackhaft gemacht: der Eigenverwaltung mit oder ohne Schutzschirmverfahren. Zwei Jahre nach dem ESUG-Start bewerten renommierte Insolvenzverwalter für die WirtschaftsWoche die Licht- und Schattenseiten der Reform:

Wolfgang Bilgery, Partner der Kanzlei Grub Brugger:
„Die Insolvenzlandschaft hat sich durch die Reform grundlegend verändert – und nicht zum Schlechten. Die Gläubiger werden tendenziell früher beteiligt.  Schutzschirm- und Eigenverwaltungsverfahren haben sich als Sanierungsinstrumente bewährt. In Details mag es zwar Nachbesserungsbedarf geben, aber im Großen und Ganzen ist die Reform gelungen.“    

 

Eberhard Braun, Co-Gründer des Kanzleiverbunds Schultze & Braun:
„ESUG war und ist der richtige Schritt. Das neue Gesetz hat seine Wirkung entfaltet, wenn auch noch nicht unmittelbar bezüglich der Fallzahlen, auch wenn die Anwendungsfälle beachtlich sind. Wir stellen jedoch fest, dass sich Gläubiger wie Schuldner mit den neuen rechtlichen Möglichkeiten, die ihnen das ESUG bietet, auseinander setzen und verstärkt bereit sind, in Verfahren einzugreifen. Gläubiger nehmen mit neuem vom Gesetz gestärktem Selbstbewusstsein Einfluss auf die Wahl des Verwalters; Schuldner versuchen, auch mit und gegen nicht immer „begeisterte" Gläubiger, mit Hilfe der Instrumente des Schutzschirmverfahrens eine echte Eigensanierung zu erreichen.“

Berthold Brinkmann, Seniorpartner und Namensgeber von Brinkmann & Partner:
„Wir sehen das ESUG uneingeschränkt positiv. Die Chancen für Unternehmen eine Krise zu bewältigen sind gestiegen, es gibt jetzt wesentlich mehr Alternativen als die Regelinsolvenz. Für den Insolvenzmarkt hat das natürlich ebenfalls Änderungen nach sich gezogen: Berater haben wesentlich mehr Bedeutung gewonnen, zugleich sind die Anforderungen an die Verwalter gestiegen. Sie müssen zusätzliche Verfahrensoptionen ausloten, mit den Gläubigern und den Beteiligten mehr kommunizieren und teilweise echte Überzeugungsarbeit leisten. Ein Nebenaspekt der Veränderungen: Die Verwalterarbeit macht wieder deutlich mehr Spaß.“

Die Meinungen von M. Frege, T. Hoefer, H-G. Jauch und C.Niering

Baumarktkette Max Bahr wird zerschlagen
Max BahrDie zahlungsunfähige Pratiker-Tochter Max Bahr wird zerschlagen. Die Übernahme von 73 Märkten durch die Dortmunder Hellweg-Gruppe ist am 15. November offiziell gescheitert. Insolvenzverwalter Jens-Sören Schröder sagte, es sei nicht gelungen, sich mit der ebenfalls insolventen Hauptvermieterin Moor Park MB über die Mietverhältnisse zu einigen. Moor Park vermietet 66 der 73 Standorte, die das Konsortium um Hellweg übernehmen wollte. Damit bleibt von dem ehemaligen Praktiker-Konzern nichts übrig. Die Kette umfasste einmal 315 Märkte und beschäftigte rund 15.000 Mitarbeiter. Die meisten Standorte sind bereits geräumt oder im Ausverkauf und sollen einzeln verwertet werden. Auch die Max-Bahr-Märkte werden nun ausverkauft. Quelle: dpa
PraktikerDie Baumarktkette hat am 11. Juli beim Amtsgericht Hamburg offiziell Gläubigerschutz beantragt. Gespräche über die weitere Finanzierung des Sanierungspakets sind am 10. Juli 2013 gescheitert. Damit ist Praktiker nicht nur überschuldet, sondern auch zahlungsunfähig. Praktiker hätte nach eigenen Angaben frisches Geld gebraucht - rund 30 bis 35 Millionen Euro - nachdem der fest eingeplante Verkauf der drei luxemburgischen Batiself-Baumärkte nach einem Rückzieher des Käufers gescheitert war. Fortwährende Rabattaktionen ("20 Prozent auf alles") brachten den Konzern 2011 an den Rande des Ruins. Es folgt die Sanierung, die vorsah, Praktiker-Märkte auf die Schwestermarke Max Bahr umzustellen. 2012 setzte Praktiker mit seinen 430 Märkten rund drei Milliarden Euro um, das reichte jedoch nicht, um die entstandenen Schulden zu tilgen. 18.000 Mitarbeiter bangen nun um ihre Zukunft. Quelle: dpa
Neckermann Es ist der dritte Pflegefall aus dem Arcandor-Nachlass. 2010 kaufte der amerikanische Finanzinvestor Sun Capital den Versandhändler und strukturiert kräftig um. Das Geschäft mit gedruckten Katalogen wurde eingestampft. 1.400 der 2.500 Stellen in Deutschland fallen dem zum Opfer. Die Mitarbeiter fordern Abfindungen; die Konzernspitze beklagt, dazu fehle das Geld. Nun hat sich Verdi und das Management über den weiteren Abbau von 1380 Arbeitsplätze nicht einigen können. Sun Capital werde keine weiteren Mittel für die Finanzierung zur Verfügung stellen, teilte das Unternehmen mit. Damit ist das Unternehmen pleite. Quelle: dpa
Schlecker Ende Februar 2012 meldete der Branchenprimus der Drogeriemärkte Insolvenz an. Bereits im Geschäftsjahr 2010 war der europaweite Umsatz von Schlecker um 650 Millionen Euro auf 6,55 Milliarden Euro gesunken. Auch 2011 wurden sinkende Erlöse erwartet, Zahlen zum Gewinn oder Verlust nannte Schlecker traditionell nicht. Die Mitarbeiterzahl lag Ende 2011 bei über 30.000 in Deutschland und weiteren rund 17.000 im Ausland. Da sich bis Anfang Juni 2012 kein Investor für Schlecker gefunden hatte, musste Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz das endgültige Aus der Drogeriemarkkette verkünden. Die Pleite der Drogeriekette hat nun ein juristisches Nachspiel: Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte eingeleitet. Es geht um den Verdacht der Untreue, Insolvenzverschleppung und des Bankrotts. Quelle: dapd
KarstadtDer Handels- und Touristikkonzern Arcandor - Hauptaktionäre waren die Privatbank Sal. Oppenheim und die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz - rutscht 2009 in die Pleite. Der Geschäftsbereich Warenhaus mit den Karstadt-Häusern geht für fünf Millionen Euro im Juni 2010 an die Holding des deutsch-amerikanischen Investor Nicolas Berggruen und ist damit vorerst gerettet. Bis 2016 - so Pläne von Dezember 2011, die der WirtschaftsWoche vorliegen - soll der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen bis 2016 rund 272 Millionen Euro betragen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2010/11 lag der Umsatz bei 3,228 Milliarden Euro. Karstadt schrieb einen ansehnlichen operativen Gewinn (Ebitda) von 103 Millionen Euro. Am 16. Juli gab Karstadt bekannt, 2000 Stellen streichen zu müssen. Quelle: REUTERS
QuelleDas zweite Opfer der Arcandor-Pleite: Von den 50ern bis in die 1990er Jahre stand Quelle als Synonym für den deutschen Versandhandel. Im Juni 2009 kam das Aus. Kein Investor wollte das Versandhaus, das bereits seit 1999 zum Karstadt-Konzern gehörte. Seit August 2011 können Quelle-Fans unter www.quelle.de bei einer Tochter des Otto-Versands bestellen. Die Marke Quelle lebt nur noch im Internet weiter. Quelle: AP
Ein Mann betritt einen IhrPlatz Drogeriemarkt Quelle: dpa

Michael Frege, Partner der Kanzlei CMS Hasche Sigle:

„Das ESUG hält was es verspricht. Die Sanierung von Unternehmen wird erleichtert. Sie wird zeitlich vorgezogen. Gelingt die Sanierung, unter dem Schutzschirm vor der Insolvenz, ist sie ein Erfolg. Scheitert sie, so bewirkt sie allerdings einen größeren Schaden im Vergleich zu einer frühzeitig angemeldeten Insolvenz".
Tobias Hoefer, Seniorpartner von Hoefer | Schmidt-Thieme:
„Nach ersten Anlaufschwierigkeiten hat das ESUG seinen Zweck erfüllt, nämlich die Sanierung von Betrieben zu erleichtern und so möglichst viel Werte sowie Arbeitsplätze zu erhalten. Erfolgreiche Sanierungen wie  bei centrotherm photovoltaics oder elumatec, wo aus Gläubigern Mit-Unternehmer werden konnten, wären ohne das ESUG nicht möglich gewesen.“

Hans-Gerd Jauch, Gründungspartner von Görg Rechtsanwälte:
„Auch nach Einführung des ESUG kommt es in den weitaus meisten Fällen zu  „klassischen“ Verfahren, bei welchen sowohl im vorläufigen als auch im eröffneten Verfahren ein (vorläufiger) Insolvenzverwalter bestellt wird. Das gilt gerade auch bei Insolvenzverfahren für Großunternehmen. Gleichwohl haben sich die mit der Einführung des ESUG verbundenen Erwartungen – alles in allem – erfüllt. Die Neuregelungen werden durchweg vom Markt angenommen und bei der Bewältigung von Insolvenzlagen genutzt. 

Eine im Antragsverfahren einmal angeordnete vorläufige Eigenverwaltung - mit oder ohne Schutzschirmverfahren -  wird beispielsweise in aller Regel auch mit Verfahrenseröffnung bestätigt. Freilich sind hier in der Praxis noch viele Fragen offen, etwa was die Haftungsrisiken der Organe in der vorläufigen Eigenverwaltung angeht.  Besonders an Bedeutung gewonnen hat das Insolvenzplanverfahren. Maßgeblich hierfür war vor allem, dass es durch das ESUG ermöglich wurde, in die Rechte der Anteilseigner einzugreifen und das Instrument des debt-equity-swaps, der insbesondere im angloamerikanischen Rechtsraum als übliches Sanierungsmittel anerkannt ist, zu nutzen.“

Christoph Niering, Partner von Niering Stock Tömp Insolvenzverwaltungen und Vorsitzender des Insolvenzverwalterverbands VID:
„Gerade bei größeren Verfahren werden die ESUG-Möglichkeiten ausgiebig genutzt. Die neuen Sanierungsverfahren sind Spezialtools, die nicht zur Rettung jedes Unternehmens taugen. Das wird mitunter leider übersehen. So wären zum Beispiel höhere Hürden für die Genehmigung von Eigenverwaltungen sinnvoll. Sind kriminelle Verstrickungen des Managements absehbar, wurden die Bilanzen nicht regelmäßig veröffentlicht oder Sozialabgaben für die Mitarbeiter nicht geleistet, sollte eine Eigenverwaltung Tabu sein.“

Was M. Pluta, R. Rattunde, C. Seagon und R.Wienberg dazu sagen

In diesen Branchen gehen die meisten Firmen pleite
Platz 10: Finanz- und Versicherungsdienstleistungen2011 wurde in dieser Branche 902 Insolvenzen registriert. Quelle: Fotolia
Platz 9: Grundstücks- und WohnungswesenDie Branche hat im vergangenen Jahr 1152 Unternehmenspleiten gezählt. Quelle: Fotolia
Platz 8: Sonstige DienstleistungenBei diesen Dienstleistungen (Verbände, Interessensvertretungen, Reparatur von Gebrauchsgütern, Frisöre & Kosmetiksalons) wurden im Jahr 2011 1166 Insolvenzen registriert. Quelle: dpa
Platz 7: Verkehr und LagereiDie Transportbranche (Güter & Personen) zählte im vergangenen Jahr 2 162 Insolvenzen. Quelle: dpa
Platz 6: Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, Verarbeitendes GewerbeDie Branche musste im Jahr 2011 2 267 Insolvenzen erleiden. Quelle: dpa
Platz 5: Sonstige wirtschaftliche DienstleistungenDas Geschäft mit Videotheken, Verleihung von Gebrauchsgütern sowie von Arbeitskräften lief 2011 nicht gut - 2 558 Insolvenzen wurden hier gemessen. Insgesamt hat die gesamte Dienstleistungsbranche den höchsten Anteil von Firmenpleiten im Jahr 2011 - 34,9 Prozent aller zahlungsunfähigen Unternehmen stammen aus diesem Wirtschaftszweig. Quelle: dpa
Platz 4: Freiberufliche, wissenschaftliche und technische DienstleistungenWirtschaftsprüfer, Kanzleien, Ingenieursbüros, usw. - im Jahr gab es in diesem Bereich bis zu 3 128 Pleiten. Quelle: Fotolia

Michael Pluta, Gründer und Partner der Kanzlei Pluta:    

„Der Gesetzgeber hat die Eigenverwaltung gestärkt und die Zeitachse bei der Beratung von Krisenunternehmen nach vorne geschoben. Bei der Sanierung eines Unternehmens kommt es maßgeblich darauf an, welche handelnden Personen die Sanierung durchführen. Man braucht typische Turnaround-Fähigkeiten, was mit dem ESUG zunächst einmal wenig zu tun hat. Das ESUG hat dazu geführt, dass viele unterschiedliche Interessensgruppen versuchen, die handelnde Person zu beeinflussen. Die Kunst ist es, die unterschiedlichen Interessen der einzelnen Gläubigergruppen zu berücksichtigen, und eine erfolgreiche Sanierung umzusetzen. Zwei Jahre nach dem ESUG gibt es noch keine repräsentative Ergebung, ob durch das ESUG die Zahl der Unternehmen, die fortgeführt wurden, gestiegen ist und die Ergebnisse für die Gläubiger besser ausfallen. Das sind die spannenden Fragen, die es künftig zu beantworten gilt.“

Rolf Rattunde, Partner der Kanzlei Leonhardt Rattunde:
„Die ESUG-Ansätze sind sehr vielversprechend.  Aber die Reform befindet sich noch in der Anfangsphase, viele Praxisfragen müssen noch geklärt werden. So könnten sich z.B. die Gerichte stärker darum bemühen, Missbrauchsmöglichkeiten zu verhindern. Man befindet sich aber auf einem guten Weg.“

Christopher Seagon, Partner von Wellensiek Rechtsanwälte:

„Wir haben in Deutschland seit Langem eine Insolvenzordnung, mit der sich gute Sanierungsergebnisse erzielen lassen. Seit 1. März 2012 haben Krisenunternehmen mit dem Schutzschirmverfahren unter ESUG  eine interessante Gestaltungsmöglichkeit erhalten, vor Eintritt der harten Insolvenzantragspflicht die Sanierung unter Einbeziehung der Insolvenzvorteile zu bewältigen. Die Praxis hat bereits gezeigt, dass durch das ESUG erhebliche Sanierungserfolge zum Vorteil aller Beteiligten erreicht werden können. ‎

In Arbeit
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Allerdings machen vor allem die Gläubiger ihre Akzeptanz für das Verfahren von der insolvenzspezifischen  Sanierungserfahrung der Handelnden abhängig - noch mehr als im Insolvenzregelverfahren. Eine perfekte Vorbereitung und Kommunikation ist daher erfolgsentscheidend."

Rüdiger Wienberg, Namenspartner von hww wienberg wilhelm:
„Um die Reform zu bewerten, muss man die ursprünglichen Ziele betrachten: Unternehmer sollten dazu gebracht werden, sich früher um professionelle Hilfe bei der Sanierung zu bemühen.  Das ist geglückt: Gerade größere Unternehmen gehen vielfach deutlich früher in die Offensive und nutzen die erweiterten Sanierungsinstrumente. Zudem sind die neuen Verfahren meist schneller und die Aussichten für die Gläubiger besser. In der Summe wiegt das die wenigen Missbrauchsmöglichkeiten auf, die es bei fast allen Gesetzesänderungen gibt.“

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