Insolvenz-Studie So wenige Firmenpleiten wie zuletzt in den 90er-Jahren

Überraschend sinken die Unternehmensinsolvenzen in diesem Jahr auf den niedrigsten Stand seit 1996. Dennoch bleiben die Gläubigerschäden hoch: Alleine im ersten Halbjahr verursachten Insolvenzen Forderungsverluste von 12,8 Milliarden Euro.

In diesen Branchen gehen die meisten Firmen pleite
Platz 10: Finanz- und Versicherungsdienstleistungen2011 wurde in dieser Branche 902 Insolvenzen registriert. Quelle: Fotolia
Platz 9: Grundstücks- und WohnungswesenDie Branche hat im vergangenen Jahr 1152 Unternehmenspleiten gezählt. Quelle: Fotolia
Platz 8: Sonstige DienstleistungenBei diesen Dienstleistungen (Verbände, Interessensvertretungen, Reparatur von Gebrauchsgütern, Frisöre & Kosmetiksalons) wurden im Jahr 2011 1166 Insolvenzen registriert. Quelle: dpa
Platz 7: Verkehr und LagereiDie Transportbranche (Güter & Personen) zählte im vergangenen Jahr 2 162 Insolvenzen. Quelle: dpa
Platz 6: Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, Verarbeitendes GewerbeDie Branche musste im Jahr 2011 2 267 Insolvenzen erleiden. Quelle: dpa
Platz 5: Sonstige wirtschaftliche DienstleistungenDas Geschäft mit Videotheken, Verleihung von Gebrauchsgütern sowie von Arbeitskräften lief 2011 nicht gut - 2 558 Insolvenzen wurden hier gemessen. Insgesamt hat die gesamte Dienstleistungsbranche den höchsten Anteil von Firmenpleiten im Jahr 2011 - 34,9 Prozent aller zahlungsunfähigen Unternehmen stammen aus diesem Wirtschaftszweig. Quelle: dpa
Platz 4: Freiberufliche, wissenschaftliche und technische DienstleistungenWirtschaftsprüfer, Kanzleien, Ingenieursbüros, usw. - im Jahr gab es in diesem Bereich bis zu 3 128 Pleiten. Quelle: Fotolia
Platz 3: GastgewerbeBei Hotels und Gaststätten gab es vergangenes Jahr 3 382 Insolvenzen. Quelle: dpa
Platz 2: BaugewerbeDie Baubranche durchlitt 2011 ein schwieriges Jahr - sie zählte 4 776 Insolvenzen. Paradox: Zurzeit boomt wegen der Euro-Schuldenkrise das Geschäft mit Immobilien und Wohnungen. Quelle: dpa
Platz 1: Handel; Instandhaltung und Reparatur von KraftfahrzeugenDie Handelsbranche sowie die Autowerkstätten haben 2011 die höchsten Firmenpleiten erleide müssen: 5 751 Unternehmen gingen bankrott. Quelle: dpa

Die gute Wirtschaftsentwicklung in Deutschland wird die Zahl der Firmenpleiten 2013 nach Verbandsangaben wohl auf den niedrigsten Stand seit eineinhalb Jahrzehnten drücken. Zudem dürfte es deutlich weniger Privat-Insolvenzen geben, teilte der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen am Dienstag nach einer Umfrage unter seinen Mitgliedern mit. Die gute Binnennachfrage, nicht zuletzt gefördert durch die anhaltende Niedrigzinsphase, bringt den positiven Trend. Genau hier sieht der BDIU aber auch kommende Gefahren. "Ein Konsum auf Pump ist eine tickende Zeitbombe, die bei einem Abschwung der Wirtschaft enormen Schaden zufügen kann", warnte Verbandspräsident Wolfgang Spitz. Laut Angaben der Schufa laufen derzeit etwa 17,4 Millionen Ratenkredite für Verbraucher - die Hälfte mehr als noch vor zehn Jahren.

Wofür sich die Deutschen 2013 verschuldeten
Platz zehnDer Besuch beim Zahnarzt kann teuer werden, vor allem wenn ein Implantat nötig ist, das nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen zählt, und keine private Zahnzusatzversicherung vorhanden ist. Laut einer Erhebung des Vergleichsportals Check24 beantragen Kunden für Zahnarztkosten im Schnitt Kredite von 5.767 Euro. Laut Finanztest (12/2008) schätzt die Arbeitsgemeinschaft Zahngesundheit die Kosten für zwei bis vier Implantate auf 3.000 bis 7.500 Euro. Quelle: AP
Silhouette eines frisch vermählten Hochzeitspaares Quelle: dpa
Touristen am Strand Mari Ermi auf der Sinis-Halbinsel an der Westküste der Mittelmeer-Insel Sardinien Quelle: dpa
Platz siebenAuch für Motorräder nehmen die Deutschen Kredite auf. Im Schnitt zahlen sie dafür 5,09 Prozent Zinsen. Quelle: dpa
The four-seater 3200GT coupe Quelle: REUTERS
Bauarbeiter errichten am 16.05.2012 Eigenheime im neuen B-Plan-Gebiet "Mühlenscharm" in Schwerin. Quelle: dpa
Platz vierDer vierthäufigste Verwendungszweck für Kredite ist der Kauf von Einrichtung und Möbeln. Die durchschnittlich abgeschlossene Kreditsumme beträgt 7.916 Euro bei einem durchschnittlichen Zinssatz von 6,34 Prozent. Im Gegensatz zu Elektronik oder Reisen handelt es sich hier zumeist um langlebige Güter, die sich für eine Kreditfinanzierung eignen. Quelle: dpa
Platz dreiDer Ausgleich des Dispokredits nimmt mit knapp elf Prozent den dritten Rang ein. Check24-Kunden erhalten dafür einen durchschnittlichen Zinssatz von 3,91 Prozent - fast 70 Prozent niedriger als die marktüblichen Dispozinsen: Finanztest (11/2012) ermittelte im November 2012 bei 945 Banken und Sparkassen in Deutschland einen durchschnittlichen Zinssatz von 11,76 Prozent für Dispokredite. Quelle: dpa
Platz zweiAm zweithäufigsten nehmen Verbraucher Kredite für eine Umschuldung auf (rund 22 Prozent). Die abgeschlossene Kreditsumme beträgt dafür im Schnitt 19.673 Euro bei einem Zinssatz von 6,19 Prozent. Bei einer Umschuldung verlagern Verbraucher ihre Verbindlichkeiten vom bestehenden auf einen neuen Kreditgeber. Sie wandeln einen oder mehrere Kredite mit hohem Zinssatz in einen neuen Kredit mit niedrigeren Zinsen um. Quelle: dpa
Platz einsDie Finanzierung eines Gebrauchtfahrzeugs ist mit rund 27 Prozent Anteil an allen 2012 über Check24.de abgeschlossenen Krediten der häufigste Verwendungszweck für einen Kredit. Der durchschnittliche Gebrauchtwagenkäufer bezahlt für seinen Kredit 4,87 Prozent Zinsen - bei einem monatlichen Einkommen von 2.179 Euro. Quelle: AP

Insgesamt werde im laufenden Jahr mit einem Rückgang der Firmenpleiten um etwa acht Prozent auf 26.000 gerechnet. Weniger gab es zuletzt 1996. Die Zahl der Bürger, die Privat-Insolvenz anmelden, werde wohl ebenfalls um etwa acht Prozent auf rund 90.000 sinken. Allerdings berichten auch 33 Prozent der BDIU-Mitglieder, dass private Schuldner jetzt schlechter zahlen als noch vor einem halben Jahr. Grund sind Überschuldung (laut 80 Prozent der Inkassounternehmen), ein unkontrolliertes Konsumverhalten (69 Prozent) sowie Arbeitslosigkeit (61 Prozent - Mehrfachantworten waren möglich).

Junge Konsumenten haben keine Finanzkompetenz

Besonders kritisch sehen die Inkassofirmen die Entwicklung der Zahlungsmoral bei jungen Verbrauchern. Diese sind vor allem bei Telekom-Unternehmen und Online-Händlern verschuldet, während Erwachsene ihre Schulden vor allem gegenüber ihrer Bank haben. Unter 25-Jährige stehen durchschnittlich mit 8.200 Euro bei ihren Gläubigern in der Kreide. Zudem zahlen 18- bis 24-Jährige laut 47 Prozent der Umfrageteilnehmer ihre Rechnungen schlechter als über 25-Jährige. Grund, warum diese Konsumschulden eingegangen werden, ist laut Umfrage eine mangelnde Finanzkompetenz. "Wir fordern: Der Umgang mit Geld und das Vermeiden von Schulden müssen Thema in den Schulen werden", so BDIU-Vizepräsidentin Marion Kremer. "Wir unterstützen dabei insbesondere das Projekt Schulschwein, das bereits Grundschulkindern und deren Familien den werteorientierten und verantwortungsvollen Umgang mit dem ihnen zur Verfügung stehenden Geld vermittelt."

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Der Forderungsverlust pro privatem Insolvenzfall liegt laut Verband aktuell bei rund 53.000 Euro. Auch der Schaden durch Firmen-Pleiten ist weiter beträchtlich: So hätten sich allein im ersten Halbjahr 2013 die Forderungsverluste auf 12,8 Milliarden Euro summiert. Ein Sorgenkind bleibt auch die öffentliche Hand, also etwa Bund, Länder und Kommunen. Ihre Außenstände erreichen inzwischen fast 80 Milliarden Euro. Handwerker und Baufirmen klagen häufig über zögerliche Zahlungen öffentlicher Auftraggeber.

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