International Airlines-Chef "Wir werden verarscht"

Willie Walsh, Chef der British-Airways-Mutter International Airlines Group, über die Konsolidierung der europäischen Fluglinien und die Rolle der Politik.

Willie Walsh Quelle: REUTERS

WirtschaftsWoche: Lieber Herr Walsh, Ihr Unternehmen hat gerade einen Passagierzuwachs gemeldet. Dazu sind sie erstaunlich guter Dinge. Ist die Krise bei Ihnen vorbei?

Walsh: Meine gute Laune rührt nicht zuletzt daher, dass wir in diesem Monat noch die ersten unserer insgesamt 42 unserer Dreamliner 787 bekommen und die erste A380 bereits im Juli folgt. Das ist viel Arbeit und das hätten wir gern anders gehabt. Aber wir kommen klar. Vorbei ist die Krise natürlich noch nicht. Aber wir sind auf einem guten Weg. Bei British Airways ist die Lage ganz gut. Und bei Iberia aus Spanien, bin ich zuversichtlich, dass die Dinge auch bald besser werden.

Und wann?

Ich hoffe bald. Aber derzeit laufen noch die Verhandlungen mit den Gewerkschaften. Haben Sie Verständnis, dass ich hier lieber keinen Kommentar abgeben will. 

Und wie steht es um Vueling aus Spanien, an sie bald die Mehrheit übernehmen?

Auch gut. Aber auch hier möchte ich mich bis zum Abschluss aller Verträge erst mal zurück halten. Doch die Sache ist positiv.

Die schönsten Airlines der Welt
Platz 10 - Air Tahiti NuiNicht nur die Flugziele der französisch-polynesischen Airline sind wunderschön. Auch die Flugzeuge schneiden im Ranking gut ab. Ein Blümchen am Heck, und rotweiße Zierlinien sorgen für ein ansprechendes Äußeres. Quelle: The Design Air Quelle: Presse
Platz 9 - Porter AirlinesSo schlicht kann Schönheit sein. Die kanadische Regionalairline setzt bei ihren Bombardier-Maschinen auf das Design von Tyler Brûlé. Einfache Linienführung und einen klarer Fokus auf den Firmennamen sorgen für einen modernen Markenauftritt. Quelle: Presse
Platz 8 - Island AirNein, mit der kalten Insel im Nordatlantik hat die Airline nichts zu tun. Hier steht das Island für die Insel Hawaii. Mit einer stilisierten Blumenkette und dem Blau des Pazifiks wurde das Design 2013 aufgefrischt. Quelle: Presse
Platz 7 - Thai AirwaysEin Zierstreifen aus Violetttönen und die stilisierte Orchideenblüte am Heck verraten die fernöstliche Herkunft der Flugzeuge. Damit gehört der Lufthansa-Partner zu den attraktivsten Airlines. Quelle: Presse
Platz 6 - FastjetDie afrikanische Billigairline des Easyjet-Gründers Stelios Haji-Ioannou setzt auf ein Design mit Papagei und fliegenden Dreiecken. Die Heimat der Ara-Flieger ist Tansania. Quelle: Presse
Platz 5 - StarflyerDer Maßanzug unter den Flugzeug-Designs: Die japanische Billigairline Starflyer setzt auf ein schlichtes, schwarz-weißes Äußeres und die Initialen am Heck runden den edlen Eindruck ab. Quelle: Presse
Platz 4 - AsianaDas Grau-Weiß der Koreaner ist Geschichte. Das neue Design setzt auf bunte Elemente ohne unseriös zu wirken. Damit landet Asiana erneut auf einem Top-Platz. Quelle: Presse

Wegen der Zahlen?

Nicht nur. Ich freue mich, dass die Konsolidierung mal endlich in Gang kommt. Wobei wir in Europa noch sehr zersplittert sind sicher noch länger brauchen und länger Werte zerstören als in den USA. Und leider wird es auch noch länger dauern, bis es wirklich Fusionen zwischen Fluglinien aus Nordamerika und Europa gibt.

Wie lange dauert das?

Ich dachte vor fünf Jahren mal, dass wir das heute erreicht hätten. Also sage ich lieber mal, das dauert noch zehn Jahre. Offenbar ist es für Politiker schwer zu erkennen, dass das am Ende die Fluglinien ihrer Heimatländer schwächt. Aber immerhin sind wir schneller als in Asien und es gibt weltweit einen indirekten Effekt: Alle halten sich zurück beim Wachstum und packen nicht nach Kräften Überkapazitäten auf den Markt.

Die größten Billigflieger Europas
Die von deutschen Flughäfen aus startenden Billigflieger sind nach einer Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) teurer geworden. Je nach Fluglinie lagen die Durchschnittspreise für einen einfachen Flug im vergangenen Herbst zwischen 70 und 140 Euro brutto, wie das Forschungsinstitut berichtete. Im vorangegangenen Sommer hätten sie noch bei 50 bis 130 Euro gelegen. Insgesamt nutzten im ersten Halbjahr 2014 der Studie zufolge knapp 31 Millionen Passagiere Angebote sogenannte Low Cost Carrier. Im Sommerflugplan 2014 bedienten sie insgesamt 722 Strecken in und ab Deutschland - ein Plus von rund 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch verlief die Entwicklung regional sehr unterschiedlich. Die meisten Günstigflieger-Passagiere verzeichneten die Berliner Flughäfen. Auch die Airports Hamburg und Köln/Bonn konnten ihr Passagieraufkommen steigern. Starke Rückgänge gab es dagegen auf Regionalflughäfen wie Weeze oder Hahn, wo sich die gesunkene Präsenz von Ryanair bemerkbar machte. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Platz zehn: Air Baltic mit 25 FlugzeugenDie lettische Fluggesellschaft Air Baltic belegt mit 25 Flugzeugen, darunter fünf Boeing 737–500, acht Boeing 737–300 und zwölf Q-400 NextGen Platz zehn. Quelle: Presse
Platz neun: Aer Lingus mit 50 FlugzeugenMit 50 Flugzeugen liegt Air Lingus auf Rang neun. Zu der Flotte der irischen Fluggesellschaft zählen je drei Boeing 757-200, Airbus A330-200, Airbus A321-200, jeweils vier Airbus A319-100 und Airbus A330-300 und 33 Airbus A320-200. 2015 sollen außerdem neun Flugzeuge vom Typ Airbus A350-900 an die Fluglinie ausgeliefert werden. Quelle: dpa
Platz acht: Wizz Air mit 54 FlugzeugenDie ungarische Fluglinie Wizz Air hat ihr Streckennetz vor allem in Osteuropa. In Deutschland fliegt sie die Flughäfen in Dortmund, Frankfurt-Hahn, Köln/Bonn, Lübeck und Memmingen an. Wizz Air verfügt über eine junge Flotte mit Flugzeugen vom Typ Airbus 320. Alle 54 Flugzeuge werden von V-2500-Motoren von International Aero Engine betrieben. Quelle: dapd
Platz sieben: Jet2 mit 55 FlugzeugenDie britische Billig-Airline Jet2 gibt es erst seit 2002, trotzdem hat sie mit 55 Flugzeugen eine der größten Flotten unter den europäischen Billig-Airlines. Mit den 23 Boeing 737-300, einer Boeing 737-300F, sieben Boeing 737-300QC und jeweils zwölf Boeing 737-800 und Boeing 757-200 fliegt die Airline viele Urlaubsziele im Mittelmeer und außerdem New York City an. Quelle: Presse
Platz sechs: Germanwings mit 57 FlugzeugenGermanwings schafft es mit einer Flotte von 57 eigenen und 23 Eurowings-Flugzeugen auf Platz sechs unter den Top 10 der europäischen Billig-Airlines. Ab Frühjahr 2015 sollen 64 eigene Flugzeuge der Typen A319 und A320 sowie 23 durch Eurowings betriebene Regionalflugzeuge für Germanwings im Einsatz sein. Quelle: dpa/dpaweb
Platz fünf: Flybe mit 62 FlugzeugenDie britische Airline Flybe betreibt mit 45 Maschinen die größte Flotte an Bombadier DashQ8-400 Maschinen weltweit. Hinzu kommen noch elf Maschinen vom Typ Embraer 175 (vier weitere sind bestellt) sowie sechs Jets vom Typ 195. Flybe hat seinen Sitz in Southhampton und fliegt in Deutschland die Flughäfen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Stuttgart an. Quelle: Presse

Liegt das nicht auch an den Billigfliegern, die den etablierten Fluglinien wie British Airways oder der Lufthansa immer näher rücken?

Das sehe ich weniger dramatisch. Alle reden davon dass die Grenzen zwischen Billigfliegern und etablierten Airlines verschwimmen. Das stimmt. aber nicht nur in Teilen des Service, wo bei vielen Linien der Unterschied vor allem darin besteht, dass Low Cost-Gesellschaften eben keine eigene Business Class mit einem Vorhang mehr haben. Aber das ist nur ein Teil der Entwicklung.

Was ist der andere?

Dass sich ein Teil der klassischen Netzwerklinien reformiert hat. Denn inzwischen gibt es eine neue Generation von Konzernführern wie auch Christoph Franz bei Lufthansa. Wir sehen Fluglinien nicht länger als nationale Infrastrukturbetriebe, sondern als rational geführte Unternehmen, die vor allem Gewinne machen sollen. Und wir reden nicht nur. Wir arbeiten daran und halten Wort. Das erkennen inzwischen auch die Investoren und darum steigen die Aktienkurse.

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