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Interne Spitzel Bei Marseille kämpft jeder gegen jeden

Das Klima bei der Marseille Kliniken (MK AG) ist so vergiftet, dass die Parteien meinen, sich mit einem eigenen Sicherheitsdienst vor dem jeweils anderen schützen zu müssen.

Symbol Videoüberwachung Quelle: dapd

Im Sommer 2011 war im Revier der MK AG ein Maulwurf unterwegs. Der soll Informationen an betriebsfremde Personen weitergereicht haben. So stand es in einer Rundmail an die Mitarbeiter. Die Jagd nach dem kleinen Säugetier weitete sich dann zu einer Geschichte aus, die so skurril wie erschreckend ist.

Was war geschehen? Großaktionär Ulrich Marseille hatte nach der vermeintlichen Maulwurf-Attacke den damaligen MK-Chef Stefan Herzberg laut dessen Darstellung gedrängt, einen Vertrag mit der Berliner Sicherheitsfirma Project 360 Grad abzuschließen. Dabei sollten „offensichtlich Mitarbeiter überwacht werden“, erklärt Herzberg gegenüber der WirtschaftsWoche.

Er habe dies strikt abgelehnt und Herrn Marseille mitgeteilt, „dass er hier eindeutig eine Schwelle überschreitet und der Vorstand sich diesem Ansinnen verweigert“. Ulrich Marseille äußert sich hierzu nicht.

Ob die Sicherheitsfirma dennoch aktiv wurde, ist unklar: Die MK AG erklärt, dass weder Vorstand noch Aufsichtsrat eine Vereinbarung mit 360 Grad getroffen hätten. Eigenartig ist, dass der Anwalt der MK AG später dennoch einen früheren Mitarbeiter der Sicherheitsfirma in der Zentrale gesehen hat, worüber er den Vorstand informierte. Das erklärten jedenfalls die Ex-Vorstände Thomas Klaue und Stefan Herzberg gegenüber der WirtschaftsWoche. Der MK-Anwalt äußerte sich nicht

Die Vorstände waren besorgt. Denn der damalige 360-Grad-Mitarbeiter Holger B. (Name v.d. Red. geändert) hat früher für die mittlerweile insolvente Hamburger Sicherheitsfirma Prevent gearbeitet, die in mehrere Skandale der HSH Nordbank verstrickt war. So wurde einem Mitarbeiter der Bank kinderpornografisches Material untergeschoben. Mehrere Staatsanwaltschaften ermitteln in der Sache unter anderem gegen Mitarbeiter von Prevent.

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Herzberg und Klaue engagierten kurzerhand einen eigenen Wachdienst, der außerhalb der Bürozeiten kontrollieren sollte, ob sich „unternehmensfremde Personen“, etwa von 360 Grad, in der Hauptverwaltung „zum Beispiel an den Rechnern“ zu schaffen machten, erklärt Klaue.

Die MK AG wertet das heute offenbar als Spionage-Attacke. Nach ihrer Darstellung hätten die Vorstände unter anderem den Aufsichtsrat, sämtliche Mitarbeiter und Berater observieren lassen. „Weiter wurden heimlich die Mitarbeiter im Empfangsbereich fotografiert“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber der WirtschaftsWoche. Die von Klaue und Herzberg beauftragte Sicherheitsfirma erklärt dagegen in einem Schreiben, dass „personenbezogene Observationsmaßnahmen“ nicht zum Auftrag gehörten.

Die MK AG erklärt dennoch: Das Ganze habe nur den Zweck gehabt, unter anderem den Aufsichtsrat zu bespitzeln. Herzberg dementiert dies. Klaue bezeichnet den Vorwurf als „ungeheuerlich, unwahr und absurd“.

Der Maulwurf aber wurde nie gefasst.

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