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Interne Statistiken der Deutschen Bahn Warum die Züge wirklich zu spät kommen

Exklusiv
Deutsche Bahn: Warum kommen die Züge wirklich zu spät? Quelle: imago images

Die Deutsche Bahn räumt intern ein, dass sie die Verspätungen im Fernverkehr vor allem selbst zu verschulden hat. Pikantes Detail: Jeder ICE geht laut der Dokumente im Schnitt mit 21 Fehlern auf die Strecke.

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Es gab Zeiten, da hat die Deutsche Bahn lieber verschwiegen, wie viele Züge verspätet ihr Ziel erreichten. Die Pünktlichkeitsquote hütete die Bahn damals wie ein Staatsgeheimnis. Erst seit etwa sieben Jahren veröffentlicht der Konzern statistische Zahlen über Verspätungsminuten im Personenverkehr. Seitdem wissen die Reisenden, dass beispielsweise im November 2018 nur 70 Prozent der ICE- und Intercity-Züge pünktlich ihr Ziel erreichten.

Was bislang aber immer noch keiner weiß: Warum kommen die Züge eigentlich zu spät?

Ein internes Dokument der Deutschen Bahn lässt nun erstmals Schlüsse zu. Es weist die Verantwortung dafür vor allem der Fernverkehrssparte zu. Demnach seien insbesondere Fahrzeugprobleme Ursache dafür gewesen, dass die Bahn 2018 nicht die avisierte Pünktlichkeitsquote von 82 Prozent erreicht hat. Tatsächlich kamen nur etwa 75 Prozent der ICEs und Intercitys pünktlich an. Rund die Hälfte der sieben Prozentpunkte Differenz zwischen geplanter und tatsächlicher Pünktlichkeitsquote erklärt die Bahn mit Problemen an den Fahrzeugen. Engpässe in der Kapazität wie dichte Bahnhöfe sowie Probleme in der Infrastruktur wie kaputte Weichen würden die Abweichungen vom Pünktlichkeitsplan zu je knapp 20 Prozent erklären. Sonderereignisse wie Stürme seien für den Rest der Planabweichung verantwortlich.

Die interne Statistik räumt so mit bisherigen Erklärungsversuchen für das Chaos auf der Schiene auf. Verspätungen begründete die Deutsche Bahn oft mit Hinweisen auf externe Faktoren wie Sturm, Hitze oder Streiks. Dabei orientierte sich das Unternehmen an einer Faustformel, die der frühere Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg einst aufstellte. Sie lautete: Für ein Drittel der Verspätungen sind äußere Einflüsse verantwortlich, für ein weiteres Drittel die Engpässe auf dem Schienennetz und für ein letztes Drittel hausgemachte Probleme.

Die streng vertraulichen Zahlen aus dem Unternehmen lassen nun eine andere Lesart zu. Zumindest erkennt die Bahn darin auch eine Hauptverantwortung für die Verspätungen im Fernverkehr an. Im vergangenen Jahr starteten die ICE- und Intercity-Züge der Deutschen Bahn noch vergleichsweise pünktlich. Im Januar 2018 lag die Pünktlichkeitsquote bei 82 Prozent, danach verschlechterte sich die Pünktlichkeit fast jeden Monat ein bisschen mehr. August und November waren die schlechtesten Monate - mit einer Pünktlichkeitsquote von jeweils 70 Prozent.

Eine weitere Aufsichtsratsunterlage zeigt außerdem die Ursachen für die hausgemachten Probleme. Ein ICE- und Intercity-Zug verlässt die Werkstatt im Schnitt mit 21 Fehlern. Zwar würden inzwischen 45 Prozent mehr Defekte repariert als vor zwei Jahren, heißt es in der vertraulichen Unterlage. Zu diesen Schäden zählen etwa kaputte Toiletten, Sitzplatzanzeigen und Kaffeemaschinen. Doch gleichzeitig rolle jeder Zug im Schnitt mit mehr Schäden in die Werkstatt. Die gesteigerte „Abarbeitungsleistung“ werde „vom anwachsenden Schadstandeingang überkompensiert“, heißt es im Bahnjargon. Im dritten Quartal 2018 verließ ein ICE die Werkstatt im Schnitt daher mit 17 Prozent mehr Fehlern als im gleichen Zeitraum 2016.

Als Grund nennt die Bahn technische Störungen, etwa wegen hoher Belastung durch die Hitze im Sommer 2018. Außerdem klagt die Bahn intern, dass die Werkstätten zeitweise nicht voll ausgelastet werden könnten. Es gebe eine „nicht ausreichend robuste Nutzung natürlicher Stilllagen für Instandhaltungstätigkeiten“, heißt es in dem internen Dokument, etwa wegen „hoher Eingangsverspätung aus Betrieb“.

Im Klartext: Werkstattmitarbeiter können nicht reparieren, weil der ICE noch nicht da ist. Ihre Arbeitszeit wird quasi vergeudet.

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