Internet-Videothek über den Wolken Amazon bringt Videostreaming ins Flugzeug

Warum Amazon seinen besten US-Kunden nun auch Streaming in den Flugzeugen des Edel-Billigfliegers Jetblue anbietet. Und wie das die Bordunterhaltung verändert.

Ab Herbst will Amazon seinen Prime-Service nun den Passagieren der amerikanischen Billigfluglinie Jetblue anbieten. Quelle: AP

Ob Lieferdrohnen oder gar einen eignen Postservice – um seine Angebote auf neuen Wegen zu den Kunden zu bringen, scheut Amazon-Chef Jeff Bezos keinen Aufwand. Nun will der Gründer des Online-Händlers auch den Himmel erobern.

Ab Herbst will Amazon seinen Prime-Service nun den Passagieren der amerikanischen Billigfluglinie Jetblue anbieten. Dabei bekommen die Prime-Kunden während des Fluges Zugriff auf die Amazon-Mediathek mit mehreren Zehntausend Filmen in hoher Auflösung, gut eine Million Musiktitel und natürlich auf den Amazon-Online-Shop für alle Bereiche des Lebens.

Das Angebot ist erst mal eine kleine Revolution der Bordunterhaltung. Zudem hilft es auf höchst unterschiedliche Weise den Passagieren, Jetblue und – wenn auch am wenigsten – Amazon selbst.

Die wichtigsten Anbieter im Online-Fernsehen

Am offensichtlichsten ist der Vorteil für Passagiere. Zwar bieten schon heute besonders die Fluglinien vom Golf wie Emirates oder Qatar mehrere hundert Stunden Filme und Musik. Doch das Angebot verblasst neben der Amazon Videothek. "Das ist das größte Angebot aller Airlines weltweit”, sagt Henry Harteveldt, Gründer der auf die Reisebranche spezialisierten Atmosphere Research Group aus San Francisco.

Die Vorteile für Jetblue offenbaren sich erst auf den zweiten Blick. Die Linie mit Sitz in New York will mit dem Amazon-Deal ihren Ruf als High-Tech-orientierter Edel-Billigflieger wiederbeleben. Der hat zuletzt gelitten, weil die Linie aus New York nach Neuerungen wie Live-Fernsehen an Bord auf ihrem Wachstumskurs strauchelte. Andere Airlines wie Virgin America wirken inzwischen moderner.

Die teuersten Amazon-Übernahmen

Zwar bringt der bis Ende des Jahres auf allen gut 200 Maschinen verfügbare Fly-Fi Breitband-Internetservice Jetblue wieder an Spitze. Doch es könnte dauern, bis sich der teure Einbau und die recht hohen Leitungskosten über genug Nutzer tragen. Immerhin werden für das schnelle Internet an Bord neun Dollar an Gebühr fällig.

Da hilft Amazon auf zweierlei Weise. Zum einen dürfte der Konzern laut Insidern zumindest einen Teil der Leitungskosten übernehmen. Dazu, so die Erwartung, wird Amazon Jetblue beteiligen, wenn ein Kunde über den Wolken Bücher, Elektronik oder auch Filme kauft.

Am wenigsten klar ist, wie sich die Sache für Amazon rechnet. „Zwar sitzt manchem in der eher langweiligen Zeit im Flieger der Geldbeutel relativ locker. Doch viel zusätzlichen Umsatz, den sie sonst nicht bekämen, werden die Bordverkäufe wohl nicht bringen“, so ein Insider. Doch auch das passt zum genrellen Geschäftsziel von Amazon, in Fachkreise „Share Of Wallet“ genannt – Anteil am Geldbeutel.

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Am Ende, so die Vermutung angesichts der schwachen Umsatzrendite des Konzerns, geht es Amazon nicht unbedingt um das schnelle Geld. Stattdessen möchte der Online-Händler in allen Bereichen des Lebens seiner Kunden präsent sein. Und natürlich besonders dann, wenn sie irgendwo Geld ausgeben. Weil die Wachstumsmöglichkeiten in den USA auf der Erde allmählich zur Neige gehen, versucht es Amazon eben am Himmel.

Darum könnte sich das Amazon–Modell auch im Rest der Welt durchsetzen. Zwar ist das - für Prime-Videos nötige - schnelle Internet außerhalb der USA noch die Ausnahme. „Doch wenn Amazon einen Teil der Kosten für den Start und die Datenleitungen übernimmt, könnte sich das deutlich schneller durchsetzen“, so ein Airliner

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