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Interview Klaus-Peter Naumann „Wir können die Welt nicht einfrieren“

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Hoffnung durch Ausbau des Beratungsgeschäfts

Wie wirkt sich das auf Unternehmen aus, die nicht von öffentlichem Interesse sind, etwa auf eine mittelständische GmbH?
Diese Regelungen dürfen nicht eins zu eins übertragen werden. Das wäre ein unangemessener Eingriff in den Mittelstand, nicht nur auf Prüfer-, sondern vor allem auf Unternehmensseite. Die Pflichtrotation ist als Reaktion auf die Finanzmarktkrise entstanden und daher speziell für die Unternehmen im öffentlichen Interesse und vor allem die Finanzbranche gemacht. Darum wäre es falsch, sie unreflektiert auf andere Unternehmen zu übertragen.

Für Wirtschaftsprüfer stellt sich damit die Frage, wie sie wegbrechendes Geschäft ersetzen können.
Für betroffene Prüfungsunternehmen ist vor allem wichtig, wie das erforderliche Know-how der Mitarbeiter abgesichert werden kann. Wenn Sie etwa ein Mandat in Hamburg verlieren, aber eines in München hinzugewinnen, müssen Sie kurzfristig die richtigen Leute an die richtige Stelle bekommen. Soll ein Weltkonzern mit vielen Standorten in mehreren Ländern geprüft werden, kann das schwierig werden.

Vor allem die vier großen WP-Gesellschaften setzen auf einen Ausbau des Beratungsgeschäfts. Hier besteht aber die Gefahr, dass Prüfung und Beratung zum Nachteil der Unternehmen vermischt werden. Hat Brüssel das Risiko im Griff?

Ich denke ja. In Deutschland gab es schon immer die Regel, dass niemand prüfen darf, was er vorher als Berater gestaltet hat. Diese hat das neue EU-Recht präzisiert. Und die von Ihnen gesehene Gefahr besteht ja nicht, wenn der Wirtschaftsprüfer Unternehmen berät, die er nicht prüft.

Das klingt eher nach Hoffnung als nach Gewissheit. In der vernetzten Ökonomie von heute ist das Dreiecksverhältnis Prüfer-Berater-Unternehmen doch völlig intransparent. Wie lassen sich Interessenkonflikte vermeiden?

Es gibt zahlreiche Instanzen, die überwachen, dass der Prüfer keine unzulässigen Beratungsleistungen erbringt. Neu im europäischen Recht ist etwa, dass der Vorstand eines Unternehmens dem Abschlussprüfer die Beratung nur dann übertragen darf, wenn Aufsichtsrat das vorher genehmigt haben. Zudem wird der Abschlussprüfer in mehreren Stufen kontrolliert, ob er seine Aufgabe ordentlich erledigt und alle erforderlichen Unabhängigkeitsvorschriften eingehalten hat.

In Arbeit
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Für nahezu alle Unternehmen geht es in den kommenden Jahren vor allem darum, ihre Geschäftsmodelle zu digitalisieren. Was heißt das für die Abschlussprüfer?
Um Risiken und Chancen dieser digitalen Geschäftsmodelle bewerten zu können, eignen sich auch Wirtschaftsprüfer neue Kenntnisse an. Die zunehmende Technologisierung macht zudem auch vor unserer eigenen Branche nicht halt. Auch in der Prüfungsarbeit selbst könnte zukünftig arbeitsteiliger gearbeitet werden, Routinetätigkeiten ließen sich verlagern. Wir diskutieren in unserem Institut etwa darüber, ob sich für Routinearbeiten ein neuer Ausbildungsberuf schaffen ließe. Für die Verlagerung braucht man eine gewisse Größe, das passt nicht für jede Prüfung und für jeden Prüfer. Nur: Die Welt ist nicht starr und wir können sie nicht einfrieren. Anpassungsprozesse sind unumgänglich.

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