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Interview Klaus-Peter Naumann „Wir können die Welt nicht einfrieren“

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Qualität wird durch die Rotation sinken

Können denn die neuen EU-Regeln für Wirtschaftsprüfer eine Krise verhindern?
Die Regeln schreiben vor, dass sich Wirtschaftsprüfer und Aufsichtsrat des geprüften Unternehmens intensiver über die Prüf-Ergebnisse austauschen müssen. Dennoch gilt: Wirtschaftsprüfer können Finanzkrisen weder verursachen noch verhindern. Aber sie können helfen, bei den Verantwortlichen in den Unternehmen wie auch in der Aufsicht das Risikobewusstsein zu schärfen, wenn sich Rahmenbedingungen ändern.

Das war doch schon immer eine Aufgabe der Wirtschaftsprüfer. Was hat sich im Vergleich zu 2008 geändert?
Die Risikosensibilität. Wir machen uns bei Prüfungen viel stärker bewusst, wo Risiken entstehen können – aus dem Geschäftsmodell und durch veränderte Rahmenbedingungen. Heute nehmen wir solche Risiken stärker unter die Lupe und diskutieren sie intensiver mit dem Aufsichtsrat. Prüfer können nicht sagen, ob Prognosen richtig oder falsch sind. Aber sie können sie auf ihre Plausibilität hin überprüfen.

Was halten Sie davon, dass die EU jetzt eine Rotation der Prüfer vorschreibt?
Jedes Unternehmen muss nach individuellen Risikomaßstäben geprüft werden. Dafür muss der Prüfer das Unternehmen und sein Geschäft genau kennen. Wenn jetzt der Prüfer regelmäßig gewechselt werden muss, geht dieses Know-how zunächst schlagartig verloren. Solange dies vom neuen Prüfer nicht wieder aufgebaut werden kann, geht das sicher auf die Qualität.

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    Wer ist von der Zwangsrotation betroffen?
    Sie gilt für Unternehmen von öffentlichem Interesse, also für alle, die mit Kapitalanteilen wie etwa Aktien, aber auch Anleihen an einem organisierten Markt notiert sind. Hinzu kommen Banken und Versicherungen. In Deutschland sind das insgesamt rund 1500 Unternehmen.

    Die müssen aber nicht alle auf einen Schlag und sofort den Prüfer wechseln?
    Bei den betroffenen Unternehmen gibt es viel Bewegung: Allein bei den Dax-30-Unternehmen haben 24 seit mehr als 20 Jahren den gleichen Prüfer, müssen also nach spätestens sechs Jahren rotieren. Die Details stehen aber noch nicht fest. Die EU geht davon aus, dass grundsätzlich nach zehn Jahren rotiert werden muss. Diesen Zeitraum können die Mitgliedsstaaten jedoch beispielsweise bei Gemeinschaftsprüfungen von mindestens zwei Prüfern verlängern, wenn sie die Regelung in nationales Recht umsetzen.

    PwC, KPMG, Deloitte und EY, die sogenannten Big Four der internationalen Wirtschaftsprüferszene, dürften sich schon die Hände reiben…
    Wir können nicht in die Glaskugel blicken. Aber in Ländern wie Italien und der Türkei, wo bereits eine externe Rotationspflicht besteht, hat das zu einem Konzentrationsprozess in der Branche geführt. Selbst bei freiwilligen Wechseln gehen deutlich mehr Unternehmen von einem kleineren Prüfer zu einem größeren als umgekehrt, so eine Studie der Universität Duisburg.

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