Interview Klaus-Peter Naumann „Wir können die Welt nicht einfrieren“

Der Chef des Instituts der Wirtschaftsprüfer warnt vor den Risiken anhaltend niedriger Zinsen und Qualitätsverlusten durch die Rotation.

Diese Firmen schauen Deutschland in die Bilanz
Screenshot www.rbs-partner.de Quelle: Screenshot
screenshot Warth & Klein Grant Thornton Gruppe, Düsseldorf Quelle: Screenshot
screenshot Quelle: Screenshot
pressebild Quelle: Pressebild
Platz 6: Rödl & PartnerIn Deutschland machten die Nürnberger im Geschäftsjahr 2012 einen Umsatz von knapp 154 Millionen Euro. Ein Drittel davon erwirtschaftete die Gesellschaft mit Wirtschaftsprüfungen.* Weltweit setzten Rödl & Partner 281,3 Millionen Euro um - und damit rund 8 Prozent mehr als im Vorjahr. Zum Gewinn macht das Unternehmen keine Angaben. 3.500 Menschen sind bei Rödl & Partner beschäftigt. * Rest der Umsätze: Steuer-, Rechts- und Unternehmensberatung Quelle: Presse
screenshot Quelle: Screenshot
screenshot Quelle: Screenshot
Fang Ai Lian (L), managing partner of Ernst & Young celebrates with Andersen's Singapore managing partner Steven Lim with a toast after announcing the merger of the two accounting firms Quelle: REUTERS
Das Gebaeude der Wirtschaftspruefungsgesellschaft KPMG am Mittwoch, 24. April 2002 in Frankfurt. Quelle: AP
Das Firmenschild einer Frankfurter Niederlassung der Unternehmensberatung "PriceWaterhouseCoopers" (PWC) Quelle: dpa

WirtschaftsWoche: Herr Naumann, die Finanzkrise hat den Ruf Ihrer Zunft kräftig angekratzt. Wofür brauchen wir Wirtschaftsprüfer, wenn sie solche Krisen nicht verhindern und nicht mal davor warnen können?
Naumann: Das ist mir zu pauschal. Bei Schieflagen einzelner Unternehmen helfen wir ständig dabei, Krisen zu verhindern oder davor zu warnen – etwa dann, wenn der Abschlussprüfer mit dem Aufsichtsrat Risiken aus dem Geschäftsmodell erörtert oder gar über Risiken berichtet, die den Fortbestand des Unternehmens gefährden. Aber die letzte Finanz- und Wirtschaftskrise hat uns als Berufsstand dazu veranlasst, auch gesamtwirtschaftliche Verantwortung zu übernehmen.

Was machen Sie konkret?
Im IDW planen wir, regelmäßig gesamtwirtschaftlich relevante Risikoanalysen zu bestimmten Branchenentwicklungen zu veröffentlichen. Mit solchen Trend-Reports hätten wir ein Instrument, um auf Risiken, wie das Entstehen von Blasen in bestimmten Märkten oder die ökonomischen Folgen politischer Entscheidungen hinzuweisen. Wirtschaftsprüfer haben einen Blick für Risikoszenarien, vor denen sie – wenn sie nicht nur einzelne Unternehmensschicksale betreffen – über solche Gesamtschau-Analysen gezielter und offensiver warnen könnten. Unserer gesellschaftlichen Funktion als Frühwarnsystem für Krisen können wir so noch besser Rechnung tragen.

Welche Gefahrenszenarien sehen Sie denn im Moment auf uns zukommen?
Es könnte zum Beispiel sinnvoll sein, in einem solchen Trend-Report der Frage nachzugehen, wie sich das anhaltend niedrige Zinsniveau auf die Versicherungsbranche auswirkt. Schließlich sichern Millionen von deutschen Bürgern traditionell ihre Altersvorsorge über Lebensversicherungen ab. Eine fundierte Analyse wäre auch die Frage wert, mit welchen Risiken es unser Land zu tun bekommt, wenn das niedrige Zinsniveau weiter anhalten sollte und dadurch die Belastungen von Unternehmen durch Pensionszusagen an ihre Mitarbeiter weiter steigen. Die öffentliche Infrastruktur, wie Brücken oder Straßen weisen einen hohen Instandhaltungsrückstand auf. Eine fortentwickelte Rechnungslegung der öffentlichen Hand könnte solche Entwicklungen früher transparent machen.

Der Chefprüfer

Warum hat die Branche der Wirtschaftsprüfer nicht schon längst ihre Stimme bei solchen gesamtwirtschaftlich relevanten Fragen erhoben?
Nach der Finanzkrise haben wir uns schon einmal in eine solche Diskussion eingeschaltet. Damals hatte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble darauf beharrt, dass beim zweiten Rettungspaket für Griechenland auch die privaten Gläubiger einen Sanierungsbeitrag leisten. Zu diesen privaten Gläubigern zählten vor allem Banken und Versicherungen, die in Folge dieser Entscheidung Finanzanlagen in großem Umfang abwerten mussten. Dies wurde von der Bundesregierung jedoch zunächst verneint. Wir vom IDW haben uns in die öffentliche Diskussion eingeschaltet und darauf hingewiesen, dass die Beteiligung der privaten Gläubiger an der Sanierung Griechenlands nicht ohne Effekt auf die wirtschaftliche Lage der betroffenen Unternehmen und deren Anleger von statten gehen könnte. Uns war es wichtig, Analysten und Anleger über die Folgen der politischen Entscheidung rechtzeitig zu warnen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%