Interview mit Norwegian-Chef "Keine Angst vor Emirates"

Björn Kjos, der Norwegian-Chef, glaubt trotz aller Hürden an den Erfolg seiner geplanten Billigflüge auf der Langstrecke und an Bangkok als günstigen Basisflughafen.

Björn Kjos, Chef und größter Anteilseigner von Norwegian, dem drittgrößten europäischen Billigflieger, im Interview mit WirtschaftsWoche. Quelle: Presse

WirtschaftsWoche: Herr Kjos, Sie wollten bald als erste europäische Linie Billigflüge auf der Langstrecke anbieten und künftig von Oslo und Stockholm nach Bangkok und New York fliegen. Nun kommen Ihre dafür vorgesehenen Boeing-787-Maschinen wegen Problemen mit den Batterien deutlich später. Liegt das Projekt jetzt auf Eis?

Kjos: Nein. Natürlich sind wir enttäuscht über die Verzögerung und müssen uns darauf verlassen, dass Boeing die Probleme löst. Doch noch haben wir nicht mal eine schriftliche Mitteilung über neue Liefertermine: weder für die Maschinen, die wir im April erwarten, noch für die, die wir im Juni kriegen sollen. Aber wir werden die Flüge wie geplant aufnehmen und hoffen, dass unsere Kunden es verstehen, wenn wir einen anderen Flugzeugtyp nutzen müssen.

Die größten Billigflieger Europas
Die von deutschen Flughäfen aus startenden Billigflieger sind nach einer Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) teurer geworden. Je nach Fluglinie lagen die Durchschnittspreise für einen einfachen Flug im vergangenen Herbst zwischen 70 und 140 Euro brutto, wie das Forschungsinstitut berichtete. Im vorangegangenen Sommer hätten sie noch bei 50 bis 130 Euro gelegen. Insgesamt nutzten im ersten Halbjahr 2014 der Studie zufolge knapp 31 Millionen Passagiere Angebote sogenannte Low Cost Carrier. Im Sommerflugplan 2014 bedienten sie insgesamt 722 Strecken in und ab Deutschland - ein Plus von rund 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch verlief die Entwicklung regional sehr unterschiedlich. Die meisten Günstigflieger-Passagiere verzeichneten die Berliner Flughäfen. Auch die Airports Hamburg und Köln/Bonn konnten ihr Passagieraufkommen steigern. Starke Rückgänge gab es dagegen auf Regionalflughäfen wie Weeze oder Hahn, wo sich die gesunkene Präsenz von Ryanair bemerkbar machte. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Platz zehn: Air Baltic mit 25 FlugzeugenDie lettische Fluggesellschaft Air Baltic belegt mit 25 Flugzeugen, darunter fünf Boeing 737–500, acht Boeing 737–300 und zwölf Q-400 NextGen Platz zehn. Quelle: Presse
Platz neun: Aer Lingus mit 50 FlugzeugenMit 50 Flugzeugen liegt Air Lingus auf Rang neun. Zu der Flotte der irischen Fluggesellschaft zählen je drei Boeing 757-200, Airbus A330-200, Airbus A321-200, jeweils vier Airbus A319-100 und Airbus A330-300 und 33 Airbus A320-200. 2015 sollen außerdem neun Flugzeuge vom Typ Airbus A350-900 an die Fluglinie ausgeliefert werden. Quelle: dpa
Platz acht: Wizz Air mit 54 FlugzeugenDie ungarische Fluglinie Wizz Air hat ihr Streckennetz vor allem in Osteuropa. In Deutschland fliegt sie die Flughäfen in Dortmund, Frankfurt-Hahn, Köln/Bonn, Lübeck und Memmingen an. Wizz Air verfügt über eine junge Flotte mit Flugzeugen vom Typ Airbus 320. Alle 54 Flugzeuge werden von V-2500-Motoren von International Aero Engine betrieben. Quelle: dapd
Platz sieben: Jet2 mit 55 FlugzeugenDie britische Billig-Airline Jet2 gibt es erst seit 2002, trotzdem hat sie mit 55 Flugzeugen eine der größten Flotten unter den europäischen Billig-Airlines. Mit den 23 Boeing 737-300, einer Boeing 737-300F, sieben Boeing 737-300QC und jeweils zwölf Boeing 737-800 und Boeing 757-200 fliegt die Airline viele Urlaubsziele im Mittelmeer und außerdem New York City an. Quelle: Presse
Platz sechs: Germanwings mit 57 FlugzeugenGermanwings schafft es mit einer Flotte von 57 eigenen und 23 Eurowings-Flugzeugen auf Platz sechs unter den Top 10 der europäischen Billig-Airlines. Ab Frühjahr 2015 sollen 64 eigene Flugzeuge der Typen A319 und A320 sowie 23 durch Eurowings betriebene Regionalflugzeuge für Germanwings im Einsatz sein. Quelle: dpa/dpaweb
Platz fünf: Flybe mit 62 FlugzeugenDie britische Airline Flybe betreibt mit 45 Maschinen die größte Flotte an Bombadier DashQ8-400 Maschinen weltweit. Hinzu kommen noch elf Maschinen vom Typ Embraer 175 (vier weitere sind bestellt) sowie sechs Jets vom Typ 195. Flybe hat seinen Sitz in Southhampton und fliegt in Deutschland die Flughäfen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Stuttgart an. Quelle: Presse

Verstehen die Kunden Ihr Problem, oder haben sie reihenweise Flüge storniert?

Bisher hat die Nachfrage nicht gelitten. Sicher wollten einige Kunden unbedingt mit der 787 fliegen. Doch viele reizt wohl auch, so günstig wie nie nach New York oder Bangkok zu kommen.

Sie sind nicht der Erste, der Billigflüge auf der Langstrecke plant. Doch alle anderen sind gegen etablierte Fluglinien wie Lufthansa oder Emirates gescheitert. Wie wollen Sie das verhindern?

Wir gehen die Sache anders an. Bisher sind alle mit alten Maschinen auf bestehenden Strecken geflogen. Da konnten die etablierten Anbieter Neulinge leicht wegfegen. Wir sind die Ersten, die nicht nur niedrigere Preise, sondern auch niedrigere Kosten haben als die Konkurrenz (lacht). Schließlich haben wir mit der 787 das effizienteste Flugzeug im Markt.

Golflinien wie Emirates haben auch moderne Flugzeuge und niedrige Kosten.

Aber nicht so niedrige wie wir.

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