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Jameda, Ärzte.de, Docinsider Mit diesen neuen Angeboten wollen die Arztportale wachsen

Millionen Deutsche nutzen Portale wie Jameda oder Ärzte.de. Mit neuen Funktionen und Online-Sprechstunden wollen diese noch mehr Nutzer anziehen.

Die Arztsuche via Internet wird immer differenzierter. Mehr als zehn Millionen Nutzer sind jeden Monat auf den führenden Portalen aktiv. Quelle: rawpixel on unsplash

FrankfurtDas Internetportal Jameda erweitert seine Arztsuche: Ab sofort können Nutzer nicht mehr nur nach niedergelassenen Medizinern und Ort filtern, sondern gezielt auch nach Ärzten für bestimmte Erkrankungen oder Behandlungen. Von A wie ADHS bis Z wie Zahnvorsorge reicht die Liste der derzeit rund 200 Suchbegriffe, für die das Münchner Portal Ärzte mit dem entsprechenden Fachwissen ausweist.

„Das Suchverhalten der Internetnutzer hat sich in den letzten Jahren stark verändert und wird auch beim Thema Gesundheit immer spezifischer“, sagt Jameda-Geschäftsführer Florian Weiß. „Das war für uns Beweggrund, unsere Arztsuche in diese Richtung weiterzuentwickeln.“ Mit der erweiterten Suchfunktion will Jameda Patienten und Ärzte noch zielgerichteter zusammen führen und seine Position als Marktführer bei der Arztsuche weiter ausbauen.

Auch beim Konkurrenzangebot Ärzte.de ist Geschäftsführer Patrick Pschorn davon überzeugt, dass die Arztsuche im Netz immer gezielter wird: „Wenn der Nutzer im Internet einen Arzt sucht, ist er schon mitten im Suchprozess. Zuvor hat er sich bereits über Symptome und Krankheitsbilder informiert. Deshalb setzen wir darauf, die Nutzer bei seiner Recherche abzuholen“, sagt Pschorn. Um sich von Marktführer Jameda zu differenzieren, will sich Ärzte.de stärker über Inhalte, etwa Expertenbeiträge und andere Informationsangebote differenzieren.

Arztsuch- und Bewertungsportale gibt es seit rund einem Jahrzehnt. Sie finanzieren sich zum größten Teil darüber, dass sich Ärzte auf ihnen mit ihrem Leistungsangebot präsentieren können und dafür zahlen. In den vergangenen Jahren hat sich der Markt konsolidiert; viele Start-ups von einst sind mittlerweile in der Hand von Verlagen. Das Portal Docinsider etwa wurde Anfang 2017 durch eine mehrheitliche Beteiligung der Schlüterschen Verlagsgesellschaft aus Hannover aus der Insolvenz gerettet.

Ärzte.de wiederum gehört zum mittelständischen Nürnberger Verlag Müller Medien („Gelbe Seiten“) und führt das Angebot des früheren Arztsuchportals imedo.de weiter. Zusammen mit zwei weiteren Portalen (Facharzt 24, Operation Auge) wurde Ärzte.de in der Müller-Tochterfirma Ärzte.de Mediservice zusammengefasst.

Unter dieses Dach soll demnächst auch eine weitere Müller-Beteiligung schlüpfen: Sanego, das neben der Arztsuche im Internet auch viele Informationen zu Medikamenten bietet. Alle vier Portale kommen laut Geschäftsführer Pschorn auf zusammen etwa 2,8 Millionen Nutzer im Monat.

Telemedizin spielt eine immer wichtigere Rolle

Jameda wurde seit Ende 2015 vollständig vom Medienkonzern Burda übernommen und ist heute Teil des Unternehmensbereichs Digital. Das 2007 gegründete Unternehmen Jameda gilt als Marktführer unter den Arztbewertungsportalen und kommt auf mehr als sechs Millionen Nutzer pro Monat, wie die Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Online Forschung zeigen.

Jameda erzielt laut CEO Weiß einen Jahresumsatz im zweistelligen Millionenbereich und trägt positiv zum Ergebnis von Burda bei. Anfang vergangenen Jahres kaufte Jameda den Anbieter von Online-Sprechstunden Patientus und stieg damit in den Markt der Telemedizin ein.

Dieser Bereich dürfte für die Arztsuchportale künftig eine wachsende Rolle spielen. Denn diese Woche entscheidet der Deutsche Ärztetag darüber, ob das Fernbehandlungsverbot weiter gelockert werden soll. Ärzte könnten dann mehr Spielraum bekommen, Video-Konsultationen abzuhalten.

„Wir sehen in der Online-Sprechstunde großes Potenzial. Insbesondere um die Versorgung auf dem Lande sicherzustellen. Viele Ärzte dort haben ein großes Interesse an diesem Angebot“, sagt Patrick Pschorn von Ärzte.de. „Fällt das Fernbehandlungsverbot, könnten wir uns vorstellen, ein solches Angebot in Kooperation mit einem Partner zu realisieren."

Konkurrent Jameda sieht beim Thema Videosprechstunde vor allem längerfristig Potenzial. „Wir haben uns mit dem Erwerb von Patientus in diesem Markt etabliert und das Angebot wächst. Klar ist aber auch: Die Videosprechstunde muss sich beim Arzt und bei den Patienten in der Breite noch stärker durchsetzen“, sagt CEO Weiß.

Die Münchner setzten deshalb zunächst darauf, die Online-Terminbuchung als zweites Standbein auszubauen. Jameda hat eine Software entwickelt, die den Ärzten mittlerweile über die reine Online-Terminbuchung auch eine Lösung für das gesamte Terminmanagement anbietet. „Solche Lösungen werden in wenigen Jahren in jeder Praxis Standard sein“, ist Jameda-Chef Weiß überzeugt.

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