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Joko Winterscheidt „Ich dachte ernsthaft, Go Butler wird das neue Facebook“

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Jeder kann mit 10 Millionen viel erreichen

Die Zusammenarbeit mit Ihnen ist nicht immer ein Erfolgsgarant. Ihre prominenteste Investition war die in die App Go Butler – Kunden sollten per SMS ihre Wünsche äußern und der Service erledigt sie. Selbst Hollywood-Berühmtheit Ashton Kutcher hat investiert. Das Projekt ist gescheitert. Wie enttäuscht sind Sie darüber?
Das war eine amtliche Enttäuschung. Ich dachte: Da geht sogar Ashton Kutcher mit rein, das kann nicht schiefgehen. Aber selbst die größte Aufmerksamkeit bringt nichts, wenn es an der Idee hakt. Ganz wichtig ist natürlich das Team hinter dem Projekt, obgleich ich hier niemanden angreifen möchte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass in zwei-drei Jahren nochmal jemand kommt und mit derselben Idee durch die Decke geht. Bei Go Butler war das eine Timing-Frage. Jede Anfrage musste von einem Menschen, also einem Angestellten, bearbeitet werden. Dieser Zustand war auf Dauer einfach nicht skalierbar.

Also war es die richtige Idee, aber der falsche Zeitpunkt?
Genau. Ich glaube, dass die Vision auf einmal eine Größenordnung bekam – verursacht durch sehr viel Fremdkapital – die dann aber so schnell nicht funktioniert hat. Ich bin seitdem kein großer Fan mehr von Investments, bei denen riesige Fonds mit einsteigen. Bei Go Butler waren es acht Millionen Euro. Das ist eine absurde Summe Geld. Außerdem haben solche Fonds ganz andere Interessen. Die schmeißen nach guter Art Geld an die Wand und das, was hängen bleibt und sich vermehrt, ist gut. Ich mag diese Art von wirtschaftlichem Denken nicht.

Wie ist Ihr wirtschaftliches Denken denn?
Wenn ich investiere – und meine Beträge sind mit diesen Riesensummen nicht vergleichbar – dann ist es mein verdientes Geld, wofür ich hart gearbeitet habe. Investments sind für mich auch eine Art Absicherung meiner Zukunft und ein Zeichen an den Gründer: „Ich glaube an Dich!“ Das will ich wertgeschätzt wissen. Fremder Leute Geld ist leichter ausgegeben, das musste ich schon mehrfach feststellen. Ich bin wirklich vorsichtig, wenn Leute erst Mal Millionenbeträge einsammeln wollen. Jeder kann schließlich mit 10 Millionen Euro viel erreichen. Für mich persönlich hat ein Unternehmen viel mehr Substanz, wenn das Team stimmt und wenn mit wenig Startkapital aus eigener Kraft eine Vision umgesetzt wird. Das ist meine Sicht der Dinge. Vielleicht funktioniert so nicht der Markt, aber so funktioniert er für mich.

Also ist Reichweite doch nicht die halbe Miete?
Ich dachte ernsthaft, Go Butler wird das neue Facebook. Einerseits lief das Werben fast von selbst. Und andererseits habe ich festgestellt, wie irrelevant das ist, wenn es letztlich im Unternehmen nicht funktioniert. Das ist viel wichtiger als jegliche Außenkommunikation und jegliche PR.

Zusammengefasst: Die wichtigsten Kriterien sind, dass die Vision stimmt, dass die Leute stimmen und dass Sie vor allem etwas mit den Produkten anfangen können?
Zu 100 Prozent. Ich bin bei meinen Investments mittlerweile auch ein Fan von haptischen Dingen. Wenn ich zum Beispiel die Socken „von Jungfeld“ nehme – da muss man mir nicht viel erklären. Ich verstehe eine Socke, wenn ich sie in der Hand halte. Das ist auch eine wichtige Erkenntnis meinerseits: Selbst, wenn es das irrste Geschäft der Welt wäre, würde ich nicht in ein Tech-Start-Up investieren, das ich nicht verstehe. Auch, wenn es das nächste Billion-Dollar-Baby wäre. Ich habe einfach keine Ahnung, also lasse ich lieber die Finger davon.

Wie gehen Sie denn bei der Wahl Ihrer Investments vor?
Die meisten Unternehmensgründer erreichen mich über soziale Medien. Ich melde mich bei denjenigen zurück, die ich interessant finde. Da ist kein Team, das für mich den Markt aussondiert. Ich bin nicht proaktiv, sondern eher reaktiv. Ich suche nicht konkret nach Projekten, in die ich investieren muss.

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