WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Junge Hotel-Ketten Motel One und 25hours erobern die Innenstädte

Junge deutsche Hotelketten erobern die Stadtzentren und provozieren die Luxusplatzhirsche. Was macht Motel One und 25hours so erfolgreich?

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Das sind die besten Hotels in Deutschland
Platz 10: Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten (Hamburg) Quelle: dpa Picture-Alliance
Platz 9: Bülow Palais (Dresden)In Blau-, Silber- und Goldtönen ist dieses Hotel in der Königsstraße in Dresden gehalten. Vielen Reisenden gefällt das Design, eine Mischung aus Barock und Moderne, was für eine besondere Wohlfühlatmosphäre in den Zimmern sorgt. „Ein wunderbares, gediegenes Haus. Von der ersten bis zur letzten Minute genießt man die unaufdringliche Aufmerksamkeit.“ Mittlere Hotelrate: 145 Euro/Nacht, Günstigster Monat: Februar (129 Euro) Quelle: Buelow-Palais
Platz 8: Hotel Villa Hügel (Trier)Die weiße Jugendstilvilla in Trier an der Mosel wurde als Haus einer Weinhändlerfamilie gebaut und ist heute ein familiengeführtes Hotel. Abgesehen von der romantischen Landschaft können Gäste im Wellnessbereich entspannen, mit Finnischer Sauna, Aromadampfbad, Sanarium und Eisbrunnen. „Ein kleines, ausgesprochen feines Hotel mit sensationellem Blick vom Hügel auf und über die Mosel.“ Mittlere Hotelrate: 133 Euro/Nacht, Günstigster Monat: Februar (118 Euro) Quelle: Hotel Villa Huegel
Platz 7: Das Stue (Berlin)In dem neoklassizistischen Berliner Bau war einst eine Botschaft untergebracht. Heute steht hier ein luxuriöses Boutique-Hotel in zurückhaltendem Design, in dessen Zimmern, Bar und Restaurant die Besucher die Hektik des Alltags vergessen sollen. Eine Besonderheit: Das Hotel bietet einen Exklusivzugang zum Berliner Zoo und hat dort ein Patenkind: Stuy, das am 2. März 2016 geborene Rote Riesenkänguru. Mittlere Hotelrate: 314 Euro/Nacht, Günstigster Monat: Januar (227 Euro) Quelle: Das Stue
Platz 6: The Charles Hotel (München)Mit Blick auf den alten Botanischen Garten, liegt dieses Luxus-Hotel, in dessen Präsidentensuite Mariah Carey kürzlich eine Filmpremiere feierte. Rund 150 teils individuell gestaltete Zimmer und Suiten beherbergt das Bauwerk im Stil des Art Déco. Der Künstler Franz von Lenbach lebte nur wenige Schritte vom Hotel entfernt, woran heute eine große Kollektion des Malers im Hotel erinnert. „Es fehlt an nichts. Das ist gehobenes Niveau in München!“ Mittlere Hotelrate: 421 Euro/Nacht, Günstigster Monat: Februar (306 Euro) Quelle: Roccofortehotels
Platz 5: Schlosshotel KronbergIn diesem geschichtsträchtigen Anwesen mit weitläufigem Park und Golfplatz fühlt man sich beinahe wie im Märchen: Einst lebte hier Victoria Kaiserin Friedrich, die Mutter von Wilhelm II., die das Schloss in englischer Tudor-Architektur einrichtete. Der Schlosspark wird auch für Hochzeiten genutzt, besonders idyllisch an der Grotte und dem Wasserfall hinter der Höhle. „Ein Bett, in dem der Zar übernachtet hat, der Schreibtisch von Kaiser Wilhelm II. Für Geschichtsbegeisterte ein tolles Erlebnis.“ Mittlere Hotelrate: 246 Euro/Nacht, Günstigster Monat: August (229 Euro) Quelle: dpa
Platz 4: Forsthaus Auerhahn (Baiersbronn)Ein Hotel am Waldesrand – idyllisch liegt dieses familiengeführte 4-Sterne-Haus in Baiersbronn inmitten des Naturparks im Schwarzwald. Einst lebten in diesem Haus Förster, heute werden Besucher nach einer Wanderung mit Ayurveda, Massagen und Spezialbehandlungen verwöhnt. „Sehr netter Service, toller Spa-Bereich, ideal sowohl als Paar als auch als Familie, extrem leckeres Essen, nicht günstig, aber absolut seinen Preis wert, wir werden immer wieder kommen.“ Keine Preisangaben vorhanden. Quelle: Forsthaus Auerhahn

Andreas Jacobs checkt ein im 25hours Bikini am Breitscheidplatz in Berlin, er wohnt „gern in Hotels, die innovativ und unkompliziert sind, gleichzeitig Stil und Klasse haben“. An Alternativen mangelt es dem Vorstand der Jacobs Holding nicht. Ausgerechnet der alte Westen der Hauptstadt, das Areal zwischen Gedächtniskirche und Ku’damm, ist das Zentrum der neuen deutschen Hotelrevolution: In Rufweite des 25hours (Eröffnung 2014) ragt im 118 Meter hohen „Zoofenster“ das ein Jahr ältere Waldorf Astoria in den Himmel.

Und gleich gegenüber, gleichsam auf Augenhöhe mit dem teuren Luxus in Toplage, eröffnet in dieser Woche das Motel One Upper West, das bisher größte Haus der Kette, mit 582 Zimmern.

Die drei Hotels könnten unterschiedlicher kaum sein. Das Waldorf Astoria ist eine klassische Fünf-Sterne-Herberge. Das 25hours steht für Boutique-Schick. Und das Motel One wendet sich an Gäste, die junges Design zum günstigen Preis schätzen und dabei gerne auf den Concierge verzichten.

Wo die Welt Urlaub macht

Jedes der drei Häuser verfolgt eine andere Strategie, um schwarze Zahlen zu schreiben. Luxushotels bauen auf hohe Margen beim Zimmerpreis, 25hours zählt auf eine hohe Auslastung (Berlin: 92 Prozent). Und Motel One optimiert seine Flächen: Die Zimmer bieten knapp 17 Quadratmeter, für Restaurants ist kein Platz. Kurzum, man könnte annehmen, jedes der drei Häuser habe eine eigene, treue Klientel. Aber das ist „ein Irrtum“, sagt Dieter Müller, der Gründer und Chef von Motel One: „Der gleiche Gast, der bei uns für 69 Euro wohnt, geht vielleicht für 300 Euro in ein Sterne-Restaurant oder wohnt beim nächsten Berlin-Besuch im Adlon.“

Offenbar haben sich Distinktionsbedürfnisse und Standesgefühle von Hotelbewohnern weitgehend in Luft aufgelöst. Der moderne Reisende entscheidet situativ, nach Tageslust und Reiselaune, er optiert manchmal für teuer, groß und klare Linie, dann wieder für klein, preiswert und mit etwas Plüsch. Der aus der wohlhabenden Kaffee-Dynastie stammende Andreas Jacobs könnte sich das Waldorf Astoria problemlos leisten, ein modern gestaltetes Großstadthotel in kühlem Art-déco-Stil. Aber hier in Berlin fehlt Jacobs (und dem Hotel) der Spaßfaktor. Gibt es eine Bar im Waldorf? Jedenfalls keine, über die man spricht.

Die Monkey Bar in der zehnten Etage des 25hours Bikini mit ihrer Sicht in den Zoo hingegen brummt schon am frühen Nachmittag – ein Plus für viele Hotelgäste, ebenso wie die Lobby mit Wohnzimmerambiente, eine „Mini“-Flotte und kostenlose Leihfahrräder. Das 25hours will mit diesem Service keinen höheren Rang in der Hotelklassifizierung erreichen, im Gegenteil: Das 146-Zimmer-Haus, ab 140 Euro aufwärts, pfeift auf Sterne und folgt stattdessen nur „eigenen Vorstellungen darüber, was die Gäste brauchen“, sagt Hoteldirektor Dirk Dreyer: Lifestyle und Unverwechselbarkeit. Keines der acht Häuser der 2005 gegründeten 25hours-Gruppe gleicht einem anderen. Man habe früh wahrgenommen, dass es „in der Hotellerie zunehmend standardisierte Produkte“ gebe, sagt Christoph Hoffmann, Mitbegründer und Geschäftsführer von 25hours, „daher unser Motto: ‚Kennst du eins, kennst du keins‘“.

Vintage-Kiosk und Lounge-Bereich

Im Idealfall schaffen Lifestylehotels nicht nur einen Ort, an dem man sich gern aufhält, sondern sie reüssieren selbst als Hotspot, der auch von Einheimischen frequentiert wird. Darauf spekuliert 25hours in Zürich mit seiner Neueröffnung in der Langstrasse, einem Quartier für Nachtschwärmer, in das sich das Hotel mit Vintage-Kiosk und Lounge-Bereich einfügen wird.

Lage gut, alles gut?

Lage gut, alles gut? Dieter Müller hat die Rolle des Standorts zunächst unterschätzt: „Unsere ersten Häuser standen zu sehr am Stadtrand“, sagt er, aber „das haben wir korrigiert, weil wir begriffen haben, dass unsere Hotels ins Zentrum gehören.“ Seine im Jahr 2000 gegründete Hotelgruppe Motel One richtet sich an Menschen, für die das Überflüssige verzichtbar ist: Es gibt keine Minibars und auch keinen Fitnessraum. Stattdessen tolle Bars. Um sich zu profilieren, setzte Motel One auf die Trendspirituose Gin: 40 Sorten sind auf den Getränkekarten verzeichnet. Auch an der Ausstattung wird nicht gespart: Die Handtücher sind mit 600 Gramm so schwer wie in einem Luxushotel.

Das Konzept funktioniert: Motel One zählt, Stand Ende 2016, exakt 55 Hotels mit 14 583 Zimmern in acht europäischen Ländern und verzeichnet bei einer Auslastung von 79,1 Prozent einen Umsatz von 357 Millionen Euro (11 Prozent mehr als 2015). Die jüngsten Hotels baute Motel One in München, Stuttgart, Basel und Newcastle, 28 weitere sind fest geplant. Kein Wunder, dass Investoren Schlange stehen bei Dieter Müller, zu dessen Gesellschafterkreis ein Fonds von Morgan Stanley und die Familie des SAP-Gründers Dietmar Hopp gehören.

25hours hat Ende 2016 einen 30-prozentigen Anteil der Gruppe an AccorHotels verkauft; an der Seite des global agierenden Partners soll die weltweite Expansion gelingen. Die erste Eröffnung außerhalb des deutschsprachigen Markts ist für 2018 in Paris geplant. Melbourne oder Mumbai könnten folgen. Zunächst steht aber die begehrteste deutsche Destination auf dem Programm: Im Spätsommer wird mit dem The Royal Bavarian das erste 25hours in München eröffnen. „Wir haben das Hotel mit ein paar leicht ironischen Anspielungen auf das königliche Erbe der Bayern versehen“, sagt CEO Hoffmann, der vor allem das Gebäude als „großen Glücksfall“ bezeichnet: „Endlich haben wir eine Immobilie mit Historie und Grandezza.“

Tummelplätze der Lifestylehotellerie

Tatsächlich zieht das Royal Bavarian in einen Palast am Bahnhofsplatz ein. Hotels gibt es dort eigentlich genug, München ist ein Tummelplatz der Lifestylehotellerie, mit Rudolf Kull und Albert Weinzierl und ihren Hotels Louis und Cortiina, aber auch mit den minimalistisch-cool gestalteten Häusern von H’Otello oder dem brandneuen Ruby, das zur gleichnamigen Gruppe gehört.

Ob 25hours der Einstieg gelingt? Entscheidend ist, die passende Nische zu finden. In München, aber vor allem in Berlin, das mit bislang neun Häusern auch die Hauptstadt im Motel-One-Reich von Dieter Müller ist. Von den acht Neueröffnungen, die für dieses Jahr geplant sind, finden zwei in Berlin statt. Besonders spannend ist das strahlend weiße Upper West, direkt neben dem Waldorf Astoria, was für eine Provokation – noch dazu, weil das Motel One in Sachen Architektur eindeutig die Nase vorn hat! Er stehe „sehr gerne“ im Umfeld eines Luxushotels“, sagt Müller: „Der Preisvergleich drängt sich auf, ohne dass wir darüber reden müssen.“

Müller hat sich mit dem Upper West besonders viel Mühe gegeben. Die Zimmer sind stärker differenziert als sonst üblich: Marmortische, Ledersessel und Samtvorhänge wirken edel und wohnlich. „Die Lobby haben wir als Hommage an die Filmstadt Berlin gestaltet“, erzählt Ursula Schelle-Müller, Leiterin Marketing & Design. Goldene Bären schmücken die Wand hinter der Rezeption, eine alte Kamera und großformatige Schwarz-Weiß-Bilder deutscher Schauspieler, die Jim Rakete eigens für das Hotel fotografiert hat, zieren die Wände. Als Highlight gilt die Terrasse in der zehnten Etage. Von dort kann man zwar nicht auf das Nachbarhotel hinunterschauen. Aber die Gewissheit, dass man sich hier mit fünf Sternen auf Augenhöhe befindet, die hat man schon.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%