Kampf um die Kultur Streit um Frankreichs Super-Kunsttempel

Die Museen von Paris sorgen dank neuer Ausstellungshallen und der Kooperation mit dem Öl-Emirat Abu Dhabi für Aufregung. Der Vorwurf: Die neuen Mäzene haben zwar Geld - aber keine Ahnung von Kunst.

Ein Blick auf den Stadtkern von Pompidou-Metz aus einem französischen Museum. Quelle: dpa

Früher waren es Kirche und Könige, die mit Kunst ihre Macht demonstrierten. Heute ist es der Geldadel. Mit seinen Budgets setzt er die staatlichen Museen unter Druck. Zu beobachten ist das derzeit kaum irgendwo besser als in Paris.

Ende Oktober hat dort der Chef des weltgrößten Luxuskonzerns LVMH, Bernard Arnault, mit „einer verbissenen Machtgeste, einer Geld- und Materialschlacht“, wie es die FAZ treffend beschrieb, einen Kunsttempel der Superlative eröffnet. Die Fondation Louis Vuitton. Auf einem Terrain, das die Stadt großzügig abgetreten hat, und für das sie sogar das Bauverbot im Naherholungsgebiet des Bois de Boulogne aushebelte.

Die Herberge für Arnaults Privatsammlung hat kein anderer als US-Stararchitekt Frank O. Gehry entworfen. Die Baukosten betrugen geschätzte 100 Millionen Euro, von denen Arnault allerdings 60 Prozent von der Steuer absetzen kann. Angesichts der Kosten für den Steuerzahler - der zusätzlich 14 Euro Eintritt bezahlt, Familien 32 Euro - war es vermutlich nur folgerichtig, dass Francois Hollands als „Präsident aller Franzosen“ den Glaspalast im feinen 16. Arrondissement von Paris bei der Eröffnung als „Wunder der Intelligenz“ bejubelte.

In 50 Jahren, wenn die Stiftung mit den Eintrittsgeldern von jährlich erwarteten 700.000 Besuchern ein Mehrfaches der gesamten Baukosten eingespielt hat, soll das Gebäude (und nur das, nicht sein Inhalt) der Stadt überschrieben werden. "Diese Aktion ist für Arnault sehr profitabel und keinesfalls so großzügig, wie die Politik uns nun glauben machen will", kritisiert der Kunsthistoriker Didier Rykner. Rykner betreibt die äußerst erfolgreiche Website La Tribune de l'Art. Zeitgleich gab das staatliche Museum Centre Pompidou dem französischen Baukonzern Vinci als Bauleiter den Publicity-Raum, die Eröffnung der Arnault-Fondation mit einer Gehry-Retrospektive zu begleiten.

Die Museen mit den meisten Besuchern weltweit (in Millionen)

Im Musée d’Orsay am Seine-Ufer wird derweil bei laufendem Betrieb und vor Publikum Gustave Courbets „Das Atelier des Künstlers“ restauriert. Die Hälfte der Kosten von 600.000 Euro soll durch Spenden von Unternehmen und von Privatleuten zusammenkommen. Dafür sei es nötig gewesen, räumt der für das Mäzenatentum des Museums verantwortliche Direktor Olivier Simmat ein, „der Öffentlichkeit ein Projekt zu präsentieren, das zugleich sexy und populär ist“. Ab Januar werden die Namen der edlen Spender neben dem Werk auf einer Tafel ausgestellt. Weniger bekannte, aber durchaus wertvolle Gemälde in zahlreichen französischen Kirchen werden dagegen dem Vergessen preis gegeben.

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Und im größten Museum der Welt, dem Pariser Louvre, werden derzeit 160 Werke ausgestellt, die von Ende 2015 im dann fertig gestellten Universalmuseum in Abu Dhabi ausgestellt werden sollen. Es sind Werke, die französische Kulturbeamte im Auftrag der Scheichs gekauft haben. Sie haben in Konkurrenz zu den Interessen der französischen Museen gearbeitet, zum Beispiel beim Erwerb von Francis Cotes' "Portrait of William Welby and his wife Penepole Playing Chess". Das Werk würde gut die Pariser Sammlung ergänzen, eignet sich aber kaum als Aushängeschild englischer Portraitmalerei. Genau zu diesem Zweck wurde es aber für das "Universalmuseum" in Abu Dhabi eingekauft.

Als "Skandal" bezeichnet Kunsthistoriker Rykner den Erwerb von Laurent de la Hyres "Thésée retrouvant les armes de son père". "Es sollte im Louvre hängen", ärgert er sich. Wenngleich es in Paris an Werken de la Hyres nicht mangelt, sei das Werk doch im Auftrag Ludwig XIII. entstanden und deshalb bedeutend für Frankreich.

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