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Kampfansage an Flixbus So aggressiv startet der BlaBlaBus auf dem deutschen Markt

BlaBlaBus Quelle: Dominik Reintjes für WirtschaftsWoche

Mit dem BlaBlaBus betritt ein neuer Anbieter den deutschen Fernbusmarkt, der Flixbus Konkurrenz machen will: Etwa mit geräumigen Bussen und wahnsinnig niedrigen Preisen – zumindest vorerst. Kann das funktionieren?

Es gibt einen neuen Wettbewerber auf dem deutschen Markt für Fernbusreisen: Am Montagmorgen rollte in Düsseldorf der erste sogenannte BlaBlaBus mit dem Fahrtziel Berlin los. Während der Bus noch unterwegs war, hatte das Unternehmen BlaBlaCar, das hinter dem fast gleichnamigen Busangebot steht, zur Launch-Veranstaltung geladen. Stilecht fand diese in einem anderen BlaBlaBus statt, der am Rand der Berliner Kurfürstenstraße parkte. Der Deutschland-Chef von BlaBlaCar, Christian Rahn, präsentierte unter anderem das aktuelle und zukünftige Verkehrsnetz sowie die Vorzüge eines Busses von seinem Unternehmen.

Der BlaBlaBus fährt fünf Strecken mit 19 Stationen ab. Darunter sind neben den deutschen Millionenstädten auch Ingolstadt, Osnabrück oder Magdeburg. Ab Juli sollen zehn weitere hinzukommen. Bis Ende des Jahres soll der Bus dann 40 deutsche Städte und sogar 400 in ganz Europa anfahren. In Frankreich oder Spanien ist das Unternehmen bereits seit längerem aktiv.

Doch nun betritt BlaBlaCar mit seinem Bus einen Markt, der auf den ersten Blick weitestgehend konsolidiert ist: Denn Branchenprimus Flixbus lässt hierzulande Wettbewerbern seit Jahren kaum Luft zum Atmen. Anbieter wie MeinFernbus oder der Postbus haben den Betrieb bereits eingestellt. Und obwohl Rahn das vermeintlich böse Wort „Flixbus“ selbst nicht in den Mund nehmen wollte, war von vorneherein klar, dass der BlaBlaBus in Deutschland dem grünen Konkurrenten Paroli bieten muss und will. Und das auf ziemlich aggressive Weise, für die BlaBlaCar einen hohen Preis bezahlt.

Sofern es das Angebot zulässt, können Kunden bis Ende September zum Beispiel von Berlin nach München und wieder zurück fahren. Und das für nur 99 Cent pro Fahrt. Quelle: Screenshot

In den ersten Monaten fährt das Unternehmen nämlich eine drastische Preisstrategie, die nicht so ganz zu der freundlichen Darstellung passt, die BlaBlaCar gerne verkaufen würde: So soll zu den Serviceleistungen etwa das Lächeln des Buskapitäns gehören, das steht zumindest auf der Webseite des Unternehmens. Für Fahrten innerhalb Deutschlands verlangt das Unternehmen – sofern es die Verfügbarkeit zulässt – nur 99 Cent. Diese Aktion gilt bis Ende September. So sollen die Kunden „uns für kleines Geld kennenlernen“, sagte Deutschlandchef Rahn in seinem Bus in Berlin.

Für 99 Cent quer durch Deutschland? Tatsächlich können Kunden zurzeit Fahrten zu diesen Preisen buchen. Wer eine Deutschlandreise geplant habe, könne theoretisch 20 Fahrten zu einem Preis von jeweils 99 Cent buchen, bestätigte Deutschland-Chef Christian Rahn auf Nachfrage der WirtschaftsWoche. Der Preis gelte nicht etwa einmalig für die erste Fahrt.

Für eine fast zehnstündige Fahrt von Berlin nach München über Leipzig, Nürnberg, Ingolstadt und den Münchner Flughafen können Kunden Plätze für 99 Cent pro Fahrt buchen. Etwa hin am 08. Juli und zurück einen Tag später (Stand: 24. Juni, 15:40 Uhr). Wirtschaftlich kann ein Preis von weniger als zwei Euro für zusammen etwa 1350 Kilometer Busfahrt selbstredend nicht sein. Doch um Aufmerksamkeit zu erzeugen, ist BlaBlaCar das offenbar recht. Immerhin ist das 2006 gegründete Unternehmen laut eigener Aussage mittlerweile profitabel und kann sich das daher wohl leisten.

Wer sich auf der Webseite nach einer Fahrt umschaut, erkennt schnell, dass die 99 Cent nicht uneingeschränkt gelten und stark von der Verfügbarkeit abhängen: So findet sich an den Wochenenden in den Monaten Juni und Juli auf der Strecke Berlin-München keine Fahrt zu dem Kampfpreis. Stattdessen kostet die Fahrt am kommenden Sonntag 15 Euro (ebenfalls Stand 15:40 Uhr) und an manch anderen Tagen 12 oder häufig auch 10 Euro. Doch auch langfristig werde BlaBlaCar versuchen, „sehr sehr wettbewerbsfähige Preise anzubieten“, versicherte Deutschland-Chef Rahn.

Flixbus zeigt sich auf Anfrage der WirtschaftsWoche indes wenig beeindruckt von der Preisansage des neuen Konkurrenten: „Wir sind harten Wettbewerb gewohnt und es wird sich noch zeigen, inwieweit BlablaCar – bisweilen vornehmlich als Mitfahrgelegenheit aktiv – anpassungsfähig genug ist, um auf diesen sich schnell wandelnden Markt zu reagieren und für den Fahrgast ein flächendeckendes und innovatives Angebot zu bauen“, so ein Statement vom Gründer und CEO André Schwämmlein, das Flixbus der WirtschaftsWoche zukommen ließ. Letztendlich entscheide der Kunde, wie er seine Reise tätigt.

Die aggressiven Preise sollen nicht auf Kosten der Busfahrer angeboten werden, versicherte Deutschland-Statthalter Rahn. BlaBlaCar stellt die Fahrer nicht bei sich an und besitzt auch keine Busse, sondern arbeitet wie in der Branche üblich mit lokalen Busunternehmen zusammen. Diese will das Unternehmen ganz gewissenhaft auswählen und beschäftigt dafür im Unternehmen ein „internes Expertenteam“: Die Partnerunternehmen müssen mindestens zehn Busse in ihrer Flotte haben und „wirtschaftlich gut aufgestellt sein“, erklärte Christian Rahn. Die BlaBlaBusse sollen neben kostenlosem Wlan, Steckdosen und USB-Ports auch XL-Sitze für höheren Komfort bieten. Tatsächlich wirkt der Bus bei der Launch-Veranstaltung in Berlin recht geräumig. Während des Vortrags von Deutschland-Chef Rahn ist im Hintergrund eine Präsentation auf einem großen Flachbildfernseher zu sehen, den das Unternehmen kurzerhand in den Bus geladen hat.

Deutschlandchef Christian Rahn präsentierte das neue Angebot samt Flachbildfernseher in einem der BlaBlaBusse in Berlin. Quelle: Dominik Reintjes für WirtschaftsWoche

Neben dem Komfort soll auch die Sicherheit überzeugen: Die Busse sollen über neueste Sicherheitsinstrumente wie Müdigkeitserkennung oder Spurhalteassistenzen verfügen. Außerdem sorge eine „Alkohol-Zündschlosssperre“ dafür, dass der Busfahrer den Bus nur mit 0,0 Promille im Blut starten könne. Abseits von aggressiven Preise läge auch in den Bereichen Komfort und Sicherheit für BlaBlaBus ein interessantes Geschäftsfeld. Wer sich über die anstrengende und enge Fahrt im Flixbus beschwert, würde sich womöglich über ein deutlich bequemeres und etwas exklusiveres Busangebot freuen, auch wenn es etwas teuer wäre.

Als Alleinstellungsmerkmal im Fernbusmarkt soll dem neuen Anbieter die bereits erfolgreiche Mitfahrgelegenheits-App BlaBlaCar dienen. Allein in Deutschland habe der Dienst 6,5 Millionen sogenannte Member - wie BlaBlaCar seine Kunden nennt. Die Mitfahrgelegenheit soll nun durch das Busangebot erweitert werden, wodurch ein noch umfassenderes Verkehrsnetz entstehen soll. In Zukunft droht also nicht mehr der Kampf Bus gegen Bus, sondern Mobilitätsplattform gegen Mobilitätsplattform. Immerhin hat Flixbus sein Angebot mit Flixtrain auch von der Straße auf die Schiene erweitert.

Auf die eigene Mitfahrgelegenheit oder den Zug hätte übrigens auch BlaBlaCar Mitgründer und CEO Nicolas Brusson setzen können: Sein Flug von Brüssel nach Berlin hatte so viel Verspätung, dass er nicht an dem Launch-Event in der deutschen Hauptstadt teilnehmen konnte. Und ein Bus seines Unternehmens fährt auf der Strecke Brüssel-Berlin ja auch noch nicht.

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