Kanzleifusion Hww wird zur Großmacht im Krisengeschäft

Die Konsolidierung des Insolvenz-Markts beginnt: Die Sanierungsspezialisten von Hermann Rechtsanwälte und hww schließen sich zusammen.

Insolvenzverwalter

Großfusion im Krisen-Geschäft: Die auf Insolvenzverfahren und Sanierungsberatungen spezialisierte Wirtschaftskanzlei hww schließt sich zum 1. Januar 2015 mit der Frankfurter Kanzleigruppe Hermann zusammen. In der neuen Formation arbeiten rund 400 Mitarbeiter, davon 120 Berufsträger, in 24 deutschen Städten.

Die fusionierte Kanzleigruppe soll unter dem Namen hww - hermann wienberg wilhelm in drei Geschäftsbereichen antreten: der Unternehmensberatung in Sanierungsfällen, der Rechtsberatung sowie der Insolvenzverwaltung. Gerade für letztere Disziplin dürften die Auswirkungen auf den Markt gravierend sein.

Die Namenspartner Ottmar Hermann und Rüdiger Wienberg zählen zu den bekanntesten Insolvenzverwaltern Deutschlands. So steuerte Hermann einst den Baukonzern Holzmann und die Kaufhauskette Woolworth durch die Pleite. Wienberg wiederum war bei den Insolvenzen der Solarfirma Solon und des Online-Händlers Getgoods im Einsatz. Auch quantitativ spielt die fusionierte hww im Insolvenzgeschäft weit vorn mit.

Insolvenzkanzleien: Plätze 31 bis 21 im Überblick

Nach Zahlen des Datendienstleisters STP haben die beiden Kanzleien im ersten Halbjahr 2014 rund 77 vorläufige Unternehmensinsolvenzen betreut. Damit würden Hermann und hww im Verbund auf Platz vier des WirtschaftsWoche-Insolvenzverwalter-Rankings rangieren - vor Wettbewerbern wie White & Case und Görg, aber hinter Schultze & Braun, Brinkmann und Pluta.

Die Fusion sei vor allem eine Reaktion auf die Marktveränderungen nach der Reform des Insolvenzrechts im Frühjahr 2012, betonten Wienberg und Hermann bei der Vorstellung ihrer Pläne in Frankfurt.

Durch das sogenannte Gesetz zur Erleichterung der Sanierung von Unternehmen – kurz ESUG – waren damals neue Verfahrensformen geschaffen worden, die stärker auf die Sanierung von Krisenunternehmen abzielen. Doch der Gesetzgeber sortierte nicht nur den Instrumentenkasten zur Rettung maroder Unternehmen neu.

Insolvenzkanzleien: Plätze 20 bis 11 im Überblick

Auch für die Verwalter-Gilde selbst wurden die Karten neu gemischt. Denn der Auswahlprozess für Sanierer, Sachwalter und Insolvenzverwalter hat sich bei großen Verfahren grundlegend gewandelt. Berater von Schuldnern, aber auch Gläubiger erhielten tendenziell mehr Einfluss, die Gerichte verloren dagegen an Macht. „Seit Einführung des Esug haben sich die Spielregeln verändert", sagt Hermann. Die Folgen werden jetzt sichtbar.

Insolvenzkanzleien: Die Plätze 10 bis 1 im Überblick

So erwartet Wienberg, dass Fusionen und Übernahmen, aber auch Geschäftsaufgaben die Branche in den nächsten Jahren  "neu aufrollen" wird. "Es wird zu einer Konzentration kommen." Am Ende der Entwicklung könnten „fünf oder sechs große Player“ übrig bleiben, so Wienberg. Die Situation wäre dann fast vergleichbar mit dem Wirtschaftsprüfer-Markt, der von vier Gesellschaften dominiert wird.

Schon in der Vergangenheit hat Wienberg Gespür für Marktentwicklungen bewiesen. 2011 hatte sich die Kanzlei mit der Unternehmensberatung CMS zusammen getan. Die damals durchaus umstrittene Liaison hat sich inzwischen zum Modell für andere Insolvenzkanzleien entwickelt.

Welche Unternehmen den Laden dicht machen
RenaDer Niedergang hatte sich bereits abgezeichnet: Das Unternehmen Rena, das Maschinen für die Solarindustrie fertigt, litt seit längerem unter schwindendem Absatz. Allein im dritten Quartal 2013 vermeldete das Unternehmen einen Verlust in Höhe von 5,5 Millionen Euro. Im Februar dann musste Unternehmenschef Jürgen Gutekunst die Pleite der Tochtergesellschaft SH+E verantworten. Gutekunst will das Unternehmen nun in Eigenregie sanieren. Ob, wann und wie viel ihrer Einlagen Anleihegläubiger jedoch wiedersehen werden, darüber will das Unternehmen derzeit noch keine Angaben machen. Insgesamt stehen 77 Millionen Euro auf dem Spiel, die Anleger dem Unternehmen in den Jahren 2010 und 2013 auf Etappen geliehen hatten. Klaus Nieding, Kapitalanlagerechtler und Vorstand der Nieding+Barth Rechtsanwaltsaktiengesellschaft empfiehlt Anleihegläubigern jetzt, mit einer Stimme zu sprechen: „Die Anleihegläubiger sollten ihre Interessen bündeln, um als große Gläubigergruppe ihre Interessen im Restrukturierungsverfahren durchzusetzen.“ Nieding rechnet damit, dass „die Gesellschaft zügig an die Anleihegläubiger mit einem Restrukturierungsplan herantreten und eine Anleihegläubigerversammlung einberufen wird“. Quelle: dpa
Münchener AbendzeitungSie stand in den 80er Jahren Pate erfolgreiche TV-Serie „Kir Royal - Aus dem Leben eines Klatschreporters" - jetzt steht sie vor dem Aus. Die AZ hat am 5. März 2014 einen Insolvenzantrag gestellt. Sinkende Anzeigenerlöse, sinkende Leserzahlen und hohe Druckkosten seien der Grund, sagte Herausgeber Johannes Friedmann. 110 Mitarbeiter sind betroffen, davon rund 50 in der Redaktion. „Es gab kaum jemals ein gutes Jahr in der Abendzeitung“, seitdem er 1986 die Geschäfte übernommen habe, sagte Friedmann. Man hätte den Schritt „schon viel früher gehen müssen - vor zehn Jahren.“ Ein Investor ist nicht in Sicht. Der Süddeutsche Verlag, an dem die Familie Friedmann mit 18,75 Prozent beteiligt, hat kein Interesse an einer Übernahme. Auch von Dirk Ippen, der den „Münchner Merkur“ und die Münchner Boulevardzeitung „tz“ verlegt scheint nicht interessiert. AZ-Herausgeber Friedmann sieht auch im Internet einen Grund für die Probleme der Abendzeitung: „Das, was eine typische Boulevardzeitung ausmacht, ist (...) durch das Internet weitgehend bedeutungslos geworden.“ Quelle: dpa
Zamek Der Düsseldorfer Lebensmittelhersteller hat am 25.2.2014 Insolvenz angemeldet. Der 1932 gegründete Familienbetrieb produziert mit rund 520 Beschäftigten in Düsseldorf und Dresden, Tütensuppen, Würzmischungen und Fertiggerichte, die sich - oft auch als Eigenmarken - in den Supermarktregalen wiederfinden. Zwei Sanierungsexperten der auf Konkursverfahren spezialisierten Kanzlei Metzeler von der Fecht sowie zwei weitere Anwälte betreuen Zamek als vorläufige Sachwalter. Die Geschäfte laufen vorerst weiter. Das Unternehmen befindet seit längerem in Turbulenzen. Im Geschäftsjahr 2012/2013 wies Zamek einen Verlust von mehr als 10 Millionen Euro aus. Die Umsätze brachen um acht Prozent auf knapp 74 Millionen Euro ein. Mehrheitsgesellschafter Bernhard Zamek hatte im Oktober 2013 „drastische Einsparmaßnahmen“ und den Abbau von weiteren 85 Stellen angekündigt. Außerdem wollte er Teile der Produktion nach Polen verlagern. An der Spitze sollte der Sanierungsexperte Reiner Wenz für frischen Wind sorgen. Er ersetzte im Februar Geschäftsführerin Petra Zamek. Doch gelang es ihm offenbar nicht mehr schnell genug, das Steuer herumzureißen. Quelle: dpa
Strauss InnovationFür die insolvente Warenhauskette interessieren sich rund ein Dutzend Investoren Außerdem sollen nicht zukunftsfähige Standorte bis zur Mitte des Jahres geschlossen werden. Dies berichtet die "Rheinische Post". Strauss Innovation hatte am 30. Januar 2014 beim Amtsgericht Düsseldorf einen Antrag auf Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens eingereicht. Betroffen sind 1400 Mitarbeiter in 96 Filialen und 59 deutschen Städten. Das Unternehmen gehört dem US-Investor Sun Capital, dem auch der Versandhändler Neckermann gehörte. Strauss möchte zunächst einen eigenen Insolvenzplan vorlegen, bevor in drei Monaten das eigentliche Insolvenzverfahren eröffnet wird. Schuld an der Misere sollen die Wetterkapriolen im vergangenen Jahr sein. Das Frühjahr war zu kalt - Gartenmöbel & Co. blieben stehen - der Winter zu mild - auch die warmen Socken und Daunenjacken blieben hängen. Quelle: dpa
Kaiser GmbHDrei Monate nach dem Insolvenzantrag (12.12.2013) stellt der bayerische Automobilzulieferer die Weichen für die Zukunft. Der Betrieb laufe stabil und man habe neue Aufträge eingeholt, so Insolvenzverwalter Michael Jaffé, bekannt durch die Sanierung des Wohnwagen-Herstellers Knaus Tabbert. Die rund 650 Mitarbeiter im Stammsitz in Aicha vorm Wald und Straßkirchen-Salzweg erhalten seit Februar wieder reguläre Lohn und Gehalt. Die Suche nach Investoren läuft. Jaff´: "Es gibt mehrere Interessenten, die sich (...) mit einem Einstieg bei Kaiser befassen. Unser Ziel ist es, bis Jahresmitte eine dauerhafte Fortführungslösung zu realisieren." Kaiser erwirtschaftet rund 90 Millionen Euro Umsatz und lieferte 2012 rund 24 Millionen aus - darunter Airbag- und Antriebs-Komponenten, Bremsscheiben und –trommeln, Gehäuse für ABS, Kupplung, Getriebe, Hinterachsen und Zylinderblöcke. Alleiniger Eigentümer und Geschäftsführer ist der Gründer Klaus-Peter Kaiser. Von 2000 bis 2008 wuchs Kaiser rasant und verdreifachte nahezu den Umsatz. Nach dem krisenbedingten Einbruch in 2009 hatte der Zulieferer zuletzt wieder an dieses Wachstumstempo anknüpfen können - das reichte allerdings nicht aus, um die Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. Quelle: Screenshot
Weltbild VerlagDas insolvente Medienunternehmen bekommt einen neuen Investor. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz gab dem Düsseldorfer Familienunternehmen Droege International Group den Zuschlag und brach die Verhandlungen mit dem Münchner Finanzinvestor Paragon Partners ab. Gemeinsam werde man die Sanierung mit dem geplanten Abbau von Stellen und Buchläden fortsetzen: "Die Restrukturierung für sich ist noch nicht abgeschlossen." Droege zeichnet eine Kapitalerhöhung von 20 Millionen Euro und erhält im Gegenzug eine 60-prozentige Beteiligung. Die übrigen 40 Prozent hält Geiwitz für die Gläubiger. Nach den bisherigen Plänen sollen 167 Filialen erhalten bleiben, die Zahl könnte aber weiter schrumpfen. Weltbild hatte am 10. Januar 2014 Insolvenz beantragt. Der Aufsichtsrat sah keine Finanzierungsmöglichkeit für eine Sanierung. Noch sind 2100 Mitarbeiter bei Weltbild beschäftigt. Der Augsburger Verlag war eines der größten Medienhäuser in Europa und gehörte zwölf katholischen Diözesen in Deutschland, dem Verband der Diözesen Deutschlands sowie der katholischen Soldatenseelsorge in Berlin. Weltbild litt zuletzt auch unter der Konkurrenz des US-Giganten Amazon. Konkreter Auslöser für die aktuellen Schwierigkeiten war nach Unternehmensangaben ein Umsatzrückgang in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2013/14. Quelle: dpa
Das börsennotierte Unternehmen getgoods AG mit Sitz in Frankfurt (Oder) geht in Insolvenz. Vorstandschef Markus Rockstädt-Mies: "Am Donnerstag haben wir Insolvenz für unsere Vertriebsgesellschaft angemeldet. Am Freitag erfolgt die Insolvenzanmeldung für die AG. Ob weitere Tochtergesellschaften ebenso den Weg der Insolvenz gehen, wird noch geprüft." Der Geschäftsbetrieb des Online-Händlers mit rund 200 Mitarbeitern werde jedoch weiter gehen. Auf einer Mitarbeiterversammlung wolle der eingesetzte Insolvenzverwalter über das weitere Vorgehen informieren. "Parallel dazu läuft die Investorensuche. Dazu gab und gibt es hoffnungsvolle Gespräche", sagte Rockstädt-Mies. Quelle: Presse

Denn das Beratungs- und Sanierungsgeschäft wird in ESUG-Zeiten auch als Türöffner immer wichtiger. Fast alle großen Wettbewerber haben ebenfalls ihr Beratungsgeschäft auf- oder ausgebaut. Burkhard Jung, Geschäftsführer der hww-Beratertruppe, geht davon aus, dass von dem Zusammenschluss mit Herman auch die Restrukturierer profitieren werden: „Wir vergrößern deutlich unser Netzwerk, werden noch präsenter und sichtbarer am Markt“, sagt Jung. Zugleich biete die Aufteilung auf drei unterschiedliche Säulen die Chance, Schwankungen in einzelnen Geschäftsbereichen auszugleichen.

So leidet das klassische Insolvenz-Geschäft seit geraumer Zeit unter einem erheblichen Rückgang der Pleite-Zahlen. Nur rund 23.800 Unternehmensinsolvenzen erwarten die Experten der Wirtschaftsauskunftei Creditreform etwa für 2014, 8,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Damit erreicht die Zahl der Firmenpleiten den niedrigsten Stand seit fünfzehn Jahren.

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Der bisherige Hermann- und neue hww-Partner Rainer Bähr erwartet indes, dass der Insolvenzmarkt 2015 wieder anzieht. Neben Branchen wie dem Maschinenbau und dem Automotive-Bereich, die besonders unter den Wirtschafts- und Währungsverwerfungen in Russland leiden, sieht Insolvenzexperte Bähr vor allem im „kommunalen Bereich“ Pleitekandidaten. So dürften  Insolvenzen öffentlicher Unternehmen von Krankenhäusern bis zu Verkehrsbetrieben im nächsten Jahr zunehmen. 2014 hatte bereits die Insolvenz der Stadtwerke Gera für Aufsehen gesorgt.

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