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Klagen gegen Verkauf Nürburging vor Jahren der Ungewissheit

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Eine Finanzierungsbestätigung, die keine war

Zur Klärung der zahlreichen Fragen und Kritikpunkte spielen die unterlegenen Bieter den Ball nun zu den europäischen Gerichten. Dabei dürfte auch die Rolle von KPMG noch zum Thema werden. Quellen bei Capricorn wie auch bei Getspeed bestätigen der WirtschaftsWoche, dass KPMG-Berater Alexander Bischoff sich direkt in die Finanzierungsverhandlungen mit der Deutschen Bank eingeschaltet und persönlich an Besprechungen des Bietergespanns mit den zuständigen Bankvertretern teilgenommen habe. Das sind Informationen von einiger Brisanz. Denn in einem transparenten und diskriminierungsfreien Verfahren muss sich ein Verkäufer absolut neutral gegenüber allen Bietern verhalten. Keinesfalls dürfte er einen einzelnen Bieter bevorzugen oder gar in dessen Bemühungen um eine Finanzierungszusage unterstützen.

KPMG bestätigte auf Anfrage die Teilnahme an Gesprächen von Bietern mit deren Finanzierungspartnern, will aber nicht an Finanzierungsverhandlungen zwischen Bietern und deren Finanzierungspartnern beteiligt gewesen sein. In Veräußerungsprozessen wie für den Nürburgring sei es üblich, schreibt KPMG in einer Stellungnahme, dass der Verkäufer beziehungsweise dessen Berater Gespräche mit Bietern, deren Beratern und auch deren Finanzierungspartnern führen, um offene Fragen zu klären. Man habe sich strikt an das Gebot der Neutralität gehalten. „In dem EU-konform durchgeführten Veräußerungsprozess des Nürburgrings hat KPMG solche Gespräche mit vielen Bietern und auch mit deren Beratern und Finanzierungspartnern geführt“, schreibt KPMG.

Was machte KPMG bei den Gesprächen mit Finanzierungspartnern?

Die Aussage, dass KPMG mit vielen Bietern und deren Finanzierungspartnern gesprochen habe, sorgt bei unterlegenen Bietern für Unverständnis. Bei Nexovation heißt es auf Anfrage, KPMG habe nicht an Gesprächen des Unternehmens mit möglichen Finanzierungspartnern teilgenommen. Auch Ja zum Nürburgring zweifelt daran, dass KPMG sich korrekt verhalten hat. „Wir werden das auf den Tisch bringen“, sagt Rechtsanwalt Dieter Frey von der Kölner Sozietät Frey Rechtsanwälte, der den Verein vertritt. „Die Kommission hat sich mit diesem Punkt noch gar nicht befasst, er muss aber detailliert aufgeklärt werden.“ Wenn es eine verdeckte Unterstützung des Verkäufers für einen einzelnen Bieter bei der Finanzierungssuche hinter dem Rücken aller anderen Interessenten gab, könne man das Verfahren "kaum als transparent und diskriminierungsfrei“ bezeichnen.

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Unabhängig davon, ob die Klagen am Ende zum Erfolg führen werden, schlittert der Nürburgring nun zunächst in eine jahrelange juristische Hängepartie. Vereinschef Flimm betont allerdings, mit der Klage nicht dem derzeitigen Betreiber und dessen Haupteigentümer Charitonin Knüppel in die Beine werfen zu wollen. Wegen der rechtlichen Unsicherheit wird der Kauf noch nicht vollzogen, sondern der Ring zunächst an den ausgewählten Käufer verpachtet. „Nach meiner Einschätzung ist das russische Konsortium selbst von den Verkäufern mit überzogenen Versprechungen hinters Licht geführt worden“, sagt Flimm. Einen Boykott der Veranstalter ADAC und AvD, die auch im Verein vertreten sind, gebe es nicht. „Die Motorsportveranstaltungen finden weiter statt“, sagt Flimm. „Verantwortlich für die jetzt eintretende Situation sind alleine die Insolvenzverwalter und ihre Berater, die den Verkauf fehlerhaft und unprofessionell durchgeführt haben.“

Charitonin dürfte dennoch nicht besonders erfreut über die Klagen sein. Er ist das Gesicht der Holding, hinter der mehrere internationale Investoren stecken, die jedoch bislang nicht bekannt sind. Sie müssen nun mit der Ungewissheit leben, dass erst nach Jahren feststehen wird, ob sie den Ring auf Dauer behalten können. Ihre Bereitschaft, am Ring zu investieren und die erforderlichen Millionensummen bereitzustellen, dürfte das nicht gerade befördern.

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