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Koch des Jahres Der Osten blüht kulinarisch auf

91 Restaurants in den neuen Bundesländern wurden vom Restaurantführer Gault Millau neu aufgenommen. Als Koch des Jahres zeichnete die Jury Christian Jürgens aus. 19 Punkte verliehen ihm die Kritiker.

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Christian Jürgens (recht im Bild) wurde von den Kritikern des Restaurantführers Gault Millau zum

Die Sensation, zumindest die bemerkenswerte Notiz steht am Schluss der Information des Gault Millau: In den neuen Bundesländern sind 91 Restaurants neu aufgenommen worden, angeführt vom Facil in Leipzig, aber auch in Aue oder Weimar gibt es hervorragende Restaurants. Der Osten blüht bescheiden, aber doch sichtbar kulinarisch auf. 

Weitere Titel, die der Gault Millau verliehen hat

So urteilen die Restaurantkritiker vom Gault Millau, die am Montag in München den Koch des Jahres kürten. Er arbeitet allerdings in den alten Bundesländern: Christian Jürgens vom Restaurant Überfahrt im gleichnamigen Hotel, das zur Hotelgruppe Althoff gehört. Thomas Althoff, der von Köln aus die Geschicke seiner Gruppe führt, darf sich freuen. Nicht allein, weil mit Jürgens ein weiterer Koch seines Reichs, das von London bis Südfrankreich und von Celle bis an den Starnberger See reicht, Koch des Jahres war, sondern, weil die Leistungsträger wie Joachim Wissler aus dem Vendome in Bergisch Gladbach (19,5/20 Punkten) bestätig wurden.

Jürgens hat sich den Titel verdient, weil er "mit Intelligenz und Ironie dem Produkt huldigt und vorlebt, wie man das Flair der Landschaft in einen Küchenstil auf der Höhe der Zeit umsetzen kann, fern jeder Volkstümelei". Er tut dies unter anderem mit "auf einem Stück Rinde servierter „Schweinerei“, eine mit Blutwurstmousse gefüllte Zucchiniblüte und eine mit geräuchertem Schweinebauch gefüllte Kartoffel, akzentuiert von süß-säuerlichen Zwiebelaromen". 

Ähnlich wie der vergangene Woche erschienene Guide Michelin bewertet der Gault Millau in der Summe die Leistung der deutschen Küche noch besser als im Vorjahr, grantelt in der liebevoll bis gefürchteten Art ein wenig rum.

Der Guide Michelin - und seine Köche

Die derzeit weltweit gefeierte Küche der Regionalität mit ihrer Speerspitze Rene Redzepi vom Noma in Kopenhagen schmeckt ihnen nicht unbedingt in der Aufbereitung der hiesigen Szene. Sie monieren

"die Hinwendung zu Kraut und Gemüse im Dessert" und  „dass bei dieser von der nordischen Küche inspirierten und hierzulande in deutscher Gründlichkeit nachvollzogenen Huldigung der Rohkost übersehen wird: Wenn das Hirn bereits deutliche Sättigungssignale sendet und der Gaumen durch das Wechselspiel unterschiedlicher Aromen ermattet ist, hat nur eine Geschmacksrichtung noch eine echte Chance, weil sie ganz anders ist: das Süße.“

Einfallslose Köche durchstöberten das Internet, um anderer Köche Ideen weniger kreativ auf die Karte zu setzen, schimpfen die Autoren in der 30. Ausgabe weiter.

Zu viel "Wow-Effekt"

Deutschlands Top-Restaurants
Amador Quelle: Presse
Platz 11: TantrisTantris – Tempel der Tafelfreuden Getrieben von der Liebe zur französischen Küche und der Idee, etwas gänzlich Neues zu erfinden, schuf der Münchner Bauunternehmer Fritz Eichbauer einen "Tempel der Genüsse": Tantris. Mit zwei Michelin-Sterne ausgezeichnet zählt das Restaurant in Schwabing zu den besten Adressen Deutschlands.
Victor's Gourmet-Restaurant Quelle: Victor's
Gästehaus Erfort Quelle: Presse
La Vie
Auqa Quelle: Presse
Restaurant Bareiss Quelle: Presse

Wer zu modisch ist, ist vor der Schelte jedoch auch nicht sicher. Sven Elverfeld vom Aqua in Wolfsburg muss sich gefallen lassen, aus der absoluten, absoluten Spitze mit einem halben Punkt Abzug verstoßen zu werden. Der kleinen Schar an Köchen, die 19,5 von 20, die in Deutschland noch nie ein Koch bekommen hat, gehört er nun nicht mehr an, dort verbleiben Harald Wohlfahrt, Joachim Wissler, Klaus Erfort und Helmut Thieltges unter sich.

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Elverfeld wurde abgemahnt, weil er „zu viele Gerichte kreiert, die mehr auf den Wow-Effekt als auf die langanhaltende Genussbefriedigung ausgerichtet sind und mehr Ideenreichtum als Geschmacksfülle bieten“. Der Gault Millau, bekannt für seine bissigen Formulierungen, bietet also auch in dieser Ausgabe reichlich Stoff für Diskussionen.

Seinen Frieden macht der Führer hingegen mit Claus-Peter Lumpp vom Restaurant Bareiss, im gleichnamigen Hotel in Baiersbronn, der, nach langen Jahren der Mäkelei, nun in den Kreis der Weltspitze aufgenommen wird. Er erhält 19 Punkte, weil er „mit neu erwachtem Selbstbewusstsein deutliche Ansätze zu eigener Interpretation seines nach wie vor französisch-mediterran inspirierten Küchenstils zeigt. Die dekorative, tellerüberfüllende Verspieltheit scheint passé, seine für unseren Geschmack immer noch zu große Leistungsschau ist nun aber stimmig auf das Hauptprodukt bezogen“. 

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