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Koenzens Netzauge

Das Geschäft mit der Privatsphäre

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Ein Modell für Deutschland?

Denn selbst übliche Privatsphäre-Mechanismen greifen nicht, wenn man sich nicht auf den Deal einlässt. Anonymes Surfen über den Browser? Zwecklos. Cookie-Löschung? Vergebens. Wer Privatheit will, muss zahlen. Privatsphäre als kostenloses, natürliches Grundrecht war also einmal.

Wenn das Modell Schule macht, könnten bald nicht nur die superschnellen Gigabit-Anschlüsse solch fragwürdigen Konditionen unterliegen, sondern auch die einfachen Internet-Zugänge.

Das Zehn-Punkte-Programm der Telekom zur Cyber-Sicherheit

In diesem Punkt gibt es durchaus Parallelen zum hierzulande derzeit noch erlaubten Routerzwang, den einige Provider praktizieren. Möchte der Kunde nicht gezwungen werden, einen vom Provider vorgeschriebenen (und oft funktional „kastrierten“) Router zu nutzen, kann er zumindest den Provider wechseln. Was aber, wenn sich der Routerzwang immer weiter durchsetzt und irgendwann alle Provider das Zwangsrouter-Modell nutzen?

Der Kunde muss zahlen - mit Daten oder Geld

Oder, auf Amerika übertragen, wenn alle Provider den Goldesel Privatsphäre für sich entdecken und es einfach keine Anschlüsse mehr gibt, die fairen Geschäftsbedingungen unterliegen? Dann hat der Kunde keine Wahl. Er muss zahlen. So oder so. Mit Daten oder eben mit Geld.

Im Fall des Routerzwangs in Deutschland ist die Politik jetzt eingeschritten und hat einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, der den Providern entsprechende Verträge untersagt. Zum Schutz der User – und zum Schutz ihrer Privatsphäre.

Die US-amerikanische Regierung sollte dies auch tun. Bevor privatwirtschaftliche Unternehmen Bürgerinnen und Bürger schamlos für ihre Grundrechte zur Kasse bitten. Immerhin betrifft das potentiell mehr als 250 Millionen Internet-Nutzer. Ein gigantischer Goldesel, den man da entdeckt hat.

In Arbeit
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Dass das Geschäftsmodell „Privatsphäre gegen Geld“ auch in Deutschland Schule macht, müssen wir übrigens nicht befürchten. Anders als in den USA reklamiert die deutsche Politik Themen wie den Datenschutz und den Schutz der Privatsphäre im digitalen Raum sehr gerne für sich.

Mehr noch: sie sieht darin eine explizite Stärke unseres Landes und würde einem solch massiven Zuwiderhandeln entsprechend entschlossen entgegentreten. Ganz ähnlich wie im Fall des leidigen Routerzwangs, der dank der Initiative des Wirtschaftsministeriums bald der Vergangenheit angehören dürfte.

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