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Kommunikation zum Flugzeugabsturz "Spohr agiert oft extrem marionettenhaft"

Wie gut bewältigt Lufthansa-Chef Spohr den Absturz des Germanwings-Fliegers medial? Vier Fragen an den Management-Berater Reinhard Sprenger.

Management-Berater Reinhard Sprenger Quelle: Presse

Spohr erlebt derzeit mit dem Absturz der Germanwings-Maschine den Albtraum jedes Unternehmenschefs. 150 Menschen starben, womöglich weil es der Co-Pilot so wollte. Und Spohr soll nun Journalisten aus aller Welt erklären, wie es dazu kommen konnte – ohne das schwer angeschlagene Ansehen der Lufthansa noch weiter zu beschädigen.

Zur Person

Herr Sprenger, wie gut ist das Krisenmanagement des Lufthansa-Chefs?

Sprenger: Vergleichen Sie sein Auftreten und seine Informationspolitik rund um den Flugzeugabsturz mal damit, wie der Baukonzern Bilfinger und Berger beim Einsturz des Kölner Stadtarchives reagierte. Dann erkennen Sie den Unterschied sofort. Der Lufthansa-Chef scheint nach besten Kräften versucht zu haben, erstens zeitnah und zweitens umfassend zu informieren. Und er hat sich nicht wie andere in solchen Stresssituationen hinter seinem Pressesprecher verschanzt.

Chronologie der Germanwings-Ermittlungen

Was können andere Chefs von Spohr für den Ernstfall lernen?

Der Konzern hatte einen klar strukturierten Verhaltens- und Kommunikationsplan für den Fall eines Flugzeugabsturzes in der Schublade. Der war durchdacht und wurde sauber abgearbeitet.

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Aber dieser Schubladenplan ist in die Öffentlichkeit gelangt. Jedermann konnte nachlesen, wie Spohr welche Frage beantworten sollte. Plötzlich wirkte er unglaubwürdig, als sage er nur auswendig gelernte PR-Texte auf.

Ja, das stimmt. Obwohl man sieht, dass es ihm wirklich nahe geht, agiert er oft extrem marionettenhaft. Das fällt vor allem im Kontrast zu dem sehr nahbar und warmherzig wirkenden Bürgermeister aus Haltern auf, der 16 Jugendliche und zwei Lehrerinnen aus dem Ort betrauert. Aber Spohrs Starre hat ja einen Grund: Er will und darf nichts sagen, was Juristen später falsch interpretieren könnten. Deshalb hält er sich minutiös an die Vorgaben seines Krisenkommunikationsplans.

Ist das sinnvoll, wenn es ihn zugleich seiner Menschlichkeit beraubt?

Leider ja, denn eine skandalorientierte Presse lauert nur auf seinen Fehler. Die suchen ja geradezu verzweifelt danach.

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