WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Konflikt beim Burgerriesen McDonald's lässt Mitarbeiter festnehmen

Das Geschäft schwächelt, das Image leidet - McDonald's steckt bereits in der Krise. Jetzt gehen auch noch die Mitarbeiter in den USA auf die Straße - und werden prompt verhaftet.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
15 Dollar Stundenlohn wollen die McDonald's-Mitarbeiter. Ihre Proteste breiten sich auf die ganze Branche aus. Quelle: REUTERS

"No Big Macs, No Fries, make our Wage Supersize", steht auf dem Plakat. Hohe Gehälter, statt XXL-Pommes und -Burger. Das verlangen die Mitarbeiter vom Fast-Food-Riesen McDonald's. Und sie fordern es laut und öffentlichkeitswirksam.
Knapp 2000 Demonstranten zogen am Mittwoch vor die Zentrale des Fast-Food-Konzerns bei Chicago, um eine Anhebung des Stundenlohns von derzeit rund neun Dollar auf 15 Dollar, also knapp 11 Euro, zu fordern.

Weltweite Proteste

Seit 18 Monaten ziehen die amerikanischen Burger-Brater gegen McDonald's in Feld. Ihr Protest hat sich auf andere Fast-Food-Ketten ausgeweitet. In rund 30 Ländern demonstrierten zuletzt tausende Angestellte gegen Niedriglöhne und schlechte Arbeitsbedingungen. Für die Burger-Brater geht es um viel. Vor allem um Geld.

Kein Wunder, dass die Stimmung aufgeheizt ist. Allein bei den Protesten am Mittwoch wurden laut US-Medien mehr als 100 Demonstranten verhaftet.

Unter acht Euro in Deutschland
In Deutschland bleiben die Mc-Donald's-Mitarbeiter bislang ruhig. Ein Grund: Sie werden nach Tarif bezahlt. Auch der ist allerdings nicht besonders üppig. 7,71 Euro beträgt das Einstiegsgehalt. Laut Unternehmen liegt der durchschnittliche Stundenlohn bei 10,34 Euro.

Dass es in der Burger-Branche auch hierzulande brodelt, beweist der jüngste Skandal um Burger King. Ein Reporter-Team von RTL hatte mit versteckter Kamera über die miserablen Hygiene-Zustände und schlechte Arbeitsbedingungen bei der Nummer Zwei der Branche berichtet.

Weniger Vertrauen, weniger Gewinn

Was steckt in unserem Essen?
Gestreckter KaffeeUm mehr Geld zu verdienen kommt es immer wieder vor, dass Hersteller ihren Kaffee strecken. Dafür mischen sie laut einer NDR-Reportage den gemahlenen Bohnen zu etwa zehn Prozent den Stoff Maltodextrin bei. Dabei handelt es sich um eine Zuckerart, die in der Lebensmittelindustrie als günstiger Füllstoff eingesetzt wird. Auch Karamell wird zum Strecken verwendet. Kunden sollten im Supermarkt bei der Aufschrift "Melange" hellhörig werden. Auch im Kleingedruckten geben die Hersteller an, ob sie das Produkt gestreckt haben. Damit gibt es keine rechtlichen Konsequenzen. Quelle: dpa
Ewig frisches FleischSeit Tagen liegt das Hackfleisch im Kühlschrank und noch immer sieht es frisch aus. Die Lebensmittelindustrie macht es möglich, indem sie einfach ein Gasgemisch mit viel Sauerstoff in die Verpackung pumpt. Dadurch bleibt das Fleisch optisch frisch. Am Geschmack lässt sich das Alter dann aber doch erkennen. Das Max-Rubner-Institut hat herausgefunden, dass derartig behandelte Ware ranzig schmeckt. Außerdem soll das Gasgemisch das Wachstum bestimmter Bakterien fördern. Quelle: dpa
Gefärbte OlivenIm Handel werden sowohl schwarze als auch grüne Oliven vertrieben. Schwarze Oliven gelten dabei als besondere Delikatesse, da sie schon reif und damit vollmundiger im Geschmack sind. Die grünen Oliven sind noch sehr jung und damit eher herb und säuerlich im Geschmack. Weil sich die schwarzen Exemplare besser verkaufen lassen, sind findige Hersteller auf die Idee gekommen, grüne Oliven einfach schwarz zu färben. Rein optisch ist es sehr schwer die echten von den gefälschten schwarzen Oliven im Glas unterscheiden zu können. Wer wissen will, welche Oliven er kauft, muss einen Blick auf die Zutatenliste werfen. Sind die Stabilisatoren Eisen-2-Gluconat oder Eisen-2-Lactat aufgelistet, handelt es sich um Trickserei. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Natürliche AromenVielen Verbrauchern ist es wichtig, dass in Produkten keine oder zumindest wenig Chemie enthalten ist. Wer aber darauf vertraut, dass in einer Erdbeermarmelade mit "natürlichen Aromen" nur Erdbeeren und Zucker enthalten sind, der kann sich täuschen. Natürliche Aromen können nämlich auch pflanzliche Öle sein, die dem Obstgeschmack nahe kommen. Quelle: dpa
PestoSo beklagt die Verbraucherorganisation Foodwatch, dass beispielsweise im Pesto Verde der Marke Bertolli (Unilever) Cashewnüsse, Pflanzenöl, Aroma und Säuerungsmittel enthalten sind. Dabei wirbt Unilever mit "original italienischer Rezeptur", "nur die besten Zutaten", "feinstes Bertolli Olivenöl" und Pinienkernen. Mehr als ein Fingerhut voll Olivenöl muss aber gar nicht drin sein und auch die teuren Pinienkernen müssen nur zu einem geringen Teil enthalten sein. Quelle: Fotolia
PuddingAuch im Pudding muss nicht drin sein, was draufsteht: So reicht es beispielsweise, wenn im Schokoladenpudding ein Prozent echtes Kakaopulver enthalten ist. Der Rest darf eine bunte Mischung aus Aromen, Zucker, Fett und Gelatine sein. Nur wenn weniger als ein Prozent Kakao - also Schokolade - im Schokopudding ist, muss das entsprechend deklariert werden. Quelle: dpa/dpaweb
FruchtsaftgetränkeAuch bei Fruchtsäften müssen Verbraucher aufmerksam sein. Nur, wenn auf der Packung "Fruchtsaft aus 100 Prozent Frucht" steht, ist tatsächlich nichts anderes drin. Die deutsche Fruchtsaftverordnung erlaubt allerdings auch die Verwendung von Fruchtsaftkonzentrat und 15 Gramm zusätzlichem Zucker pro Liter Saft. Saft aus Zitronen, Limetten, Bergamotten und schwarzen, roten oder weißen Johannisbeeren darf mehr Zucker zugesetzt werden. Beim Fruchtnektar handelt es sich dagegen um eine Mischung aus Fruchtsaft und/oder Fruchtmark, Wasser und Zucker. Der Fruchtanteil beträgt 25 bis 50 Prozent. Noch niedriger ist der Fruchtanteil bei Fruchtsaftgetränken: Bei Orangensaft liegt dieser bei sechs Prozent, bei Traubensaft und Apfelsaft bei 30 Prozent. Bei Eistees reicht es, wenn Obst auf der Packung abgebildet ist, enthalten sein muss keins. So beanstandet Foodwatch den Pfanner-Eistee "Zitrone-Physalis", in dem die Menge an Physalis ist so gering ist, dass sie nicht einmal deklariert werden muss. Im zwei-Liter-Karton sind außerdem enthalten: 44 Stück Würfelzucker, 15 Prozent gelber Tee, Aromen und E330 (Zitronensäure). Quelle: dapd

Die Missstände waren schon länger bekannt, aber erst unter dem Druck der Öffentlichkeit knickte Burger King ein. Das Unternehmen trennte sich von Yi-Ko-Geschäftsführer Ergün Yildiz, den verantwortlichen Franchisenehmer. Um das ramponierte Image aufzubessern, wirbt der Konzern nun mit einer großen TV-Kampagne.

Doch längst ist das Vertrauen in die ganze Fast-Food-Branche erschüttert. Laut den Meinungsforschern von YouGov brach nicht nur die Beliebtheit von Burger King, sondern auch die von McDonald's deutlich ein.

Das befeuert einen Trend, der sich schon länger abzeichnet und der für McDonald's zum echten Problem wird: Die Kunden wenden sich auch vom Marktführer ab. Im amerikanischen Kernmarkt hat der Konzern seit Jahren mit sinkenden Gewinnen zu kämpfen. In Deutschland sanken die Einnahmen 2013 - laut Schätzungen - um fast fünf Prozent, obwohl McDonald's 28 weitere Läden eröffnete.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Ein Grund: Immer mehr Burger-Fans machen mittlerweile einen Bogen um die Billig-Produkte. Sie wollen auch bei Buletten im Brötchen Qualität. Better-Burger-Restaurants erfüllen diesen Wunsch - und profitieren.

Riesen-Gehalt für den Chef

Mit diesen Problemen muss sich die McDonald's-Spitze heute der Kritik auf der Aktionärsversammlung stellen. Wieder wollen hunderte Demonstranten protestieren, wieder werden sie Schilder in die Luft strecken und mehr Gehalt fordern.

Zumindest McDonald's-Chef Donald Thompson kann sich finanziell nicht beschweren. Trotz der schwachen Zahlen soll er für das vergangene Geschäftsjahr 9,5 Millionen US-Dollar erhalten.

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%