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Kooperation mit Entwicklungsministerium DHL wird Entwicklungshelfer

Afrika ist für die Deutsche Post DHL ein potenzieller Wachstumstreiber. Schon heute beschäftigt der Konzern dort 20.000 Mitarbeiter – etwa in Accra, Ghana. Quelle: imago images

Entwicklungsminister Müller will den Onlinehandel in Afrika fördern – mit Unterstützung der Deutschen Post DHL. Der Konzern will afrikanischen Unternehmen dabei helfen, ihre Produkte billiger zu transportieren.

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Frank Appel steht neben Entwicklungsminister Gerd Müller – zumindest fast. Wegen des Coronavirus findet die Pressekonferenz anders statt als geplant. Statt neben der Person steht der Vorstandschef der Deutschen Post DHL neben einem Fernsehbildschirm, über den der Entwicklungsminister zugeschaltet ist. Was soll's, die Botschaft kommt auch so herüber: Die Deutsche Post DHL wird zum Entwicklungshelfer.

Gemeinsam verkünden der Minister und der Vorstandschef der Deutschen Post DHL dazu heute ein neues Programm: Sie wollen den Onlinehandel in Afrika fördern. In Workshops sollen die afrikanische Unternehmer dazu lernen, wie sie ihre Waren billiger und effektiver grenzüberschreitend verschicken können und welche Zollregeln oder Gesetze sie beachten müssen. So sollen afrikanische Kleinunternehmer und Mittelständler auch international erfolgreich werden.

„GoTrade“ nennt DHL das Programm. Dazu will der Konzern in den kommenden zehn Jahren etwa 20 Millionen Euro investieren, weitere 10 Millionen Euro soll das Entwicklungsministerium beisteuern. So steht es in der Absichtserklärung, die Müller und Appel beide vor laufender Kamera unterschreiben und dann strahlend hochhalten.

20 Millionen Euro – das klingt nicht gerade nach viel für den Konzern, der in diesem Jahr über vier Milliarden Euro Gewinn erwartet. Afrika ist für die Deutsche Post DHL dabei ein potenzieller Wachstumstreiber. Schon heute hat der Konzern dort 20.000 Mitarbeiter.

Doch die fahren und verschiffen bisher vor allem Waren von Großkonzernen über den Kontinent. Den kleineren afrikanischen Unternehmen fehle ein Zugang zum Weltmarkt, sagt Appel. Ein Grund: Die Kosten. Während in Industrienationen wie Deutschland die Logistik ungefähr zehn Prozent der Kosten ausmache, seien es in vielen afrikanischen Ländern eher zwanzig Prozent. Schlechte Straßen, marode Autos, langwierige und bürokratische Zollprozesse oder auch Korruption verteuere den Transport. „Diese Kosten müssen von jemandem getragen werden“, sagt Appel. „Das ist entweder der Unternehmer oder der Verbraucher.“ Die Deutsche Post DHL wolle dabei helfen, Logistikprozesse transparenter zu machen und so auch die Kosten zu senken. Dafür wollen DHL und das Entwicklungsministerium auch mit Zollbehörden vor Ort zusammenarbeiten.

Es ist nicht das Entwicklungshilfeprojekt, das DHL einführt. Der Konzern kooperiert bereits mit den Vereinten Nationen in der Katastrophenhilfe: Mit dem Programm „GoHelp“ hilft DHL zum Beispiel Flughäfen dabei, sich auf Naturkatastrophen vorzubereiten. Im Ernstfall helfen DHL-Mitarbeiter vor Ort die Logistik auf Provinzflughäfen zu koordinieren, damit die Hilfsgüter dort nicht versacken und auch dort ankommen, wo sie benötigt werden. Und über das Programm GoTeach unterstützt DHL Bildungsinitiativen und schickt auch eigene Mitarbeiter in Schulen.


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Entwicklungsminister Müller scheint das nicht zu genügen. Er appelliert an den Konzernchef, auch beim Klimaschutz nachzubessern. „Ich habe einen Wunsch für die Zukunft, Herr Appel“, sagt er. Er wünsche sich, dass die Konzernzentrale in Bonn möglichst schnell klimaneutral werde.

Das hört Appel nicht gerne. Er ist stolz auf die Klimaziele des Unternehmens, das bis 2050 klimaneutral werden will. Der Post-Tower in Bonn, sagt er, sei doppelverglast und werde mit Hilfe von Rheinwasser gekühlt. „Da haben wir heute schon einen sehr geringen Energiebedarf und eine sehr geringe Energiebilanz“, sagt Appel. Dass die Post es ernst meine mit dem Klimaschutz und der Entwicklungshilfe, daran will er keine Zweifel aufkommen lassen.

Mehr zum Thema: Die Post hat über 200 Flugzeuge in ihrer Flotte - und will trotzdem klimaneutral werden. Wie soll das funktionieren?

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