Krankenhäuser Gewinn bei Rhön-Kliniken sinkt, Berater verdienen gut

Der Medizinkonzern Fresenius übernimmt von der Klinikkette Rhön 43 Krankenhäuser und Versorgungszentren. Der Kaufpreis liegt bei rund drei Milliarden Euro. Die ersten Gewinner des Deals stehen bereits fest: Juristen und Berater.

Die größten Gesundheits-Arbeitgeber Deutschlands
Platz 15 - Techniker KrankenkasseDas Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) hat die größten Arbeitgeber im Gesundheitswesen zusammengestellt. Die Techniker Krankenkasse (TK) findet sich auf Platz 15 des Rankings. Im Jahr 2010 beschäftigte die zweitgrößte Krankenkasse Deutschlands 9900 Vollzeitbeschäftigte. Die Mitarbeiterzahl blieb im Vorjahresvergleich unverändert. Bei den tatsächlichen Mitarbeitern (inklusive Teilzeitbeschäftigten) blieb die Zahl mit 11.428 ebenfalls so gut wie unverändert. Quelle: PR
Platz 14 - FielmannDeutschlands größte Optikerkette beschäftigte im vorletzten Jahr 10.000 Vollzeitmitarbeiter. Das waren 300 mehr als ein Jahr zuvor. Inklusive der Beschäftigten in Teilzeit stieg die Mitarbeiterzahl auf 11.000 (plus 3,7 Prozent). Quelle: ap
Platz 13 - Siemens Medical SolutionsIm Bereich Medizintechnik von Siemens waren 2010 insgesamt 10.000 Menschen in Vollzeit beschäftigt - 200 weniger als ein Jahr zuvor. Da Siemens Medical Solutions nur noch weltweite Zahlen veröffentlicht, liegen für das Unternehmen keine Gesamtmitarbeiterzahlen vor. Quelle: Siemens
Platz 12 - VivantesBeim Krankenhauskonzern Vivantes aus Berlin waren 10.078 Vollzeitmitarbeiter angestellt. Das waren im 2,1 Prozent mehr als 2009. Auch bei den Teilzeitmitarbeitern gab es einen Zuwachs. Die Zahl der Gesamtbeschäftigten stieg um 3,7 Prozent auf 13.541. Quelle: dpa
Platz 11 - B. Braun MelsungenDas Pharma- und Medizinbedarfsunternehmen aus Melsungen beschäftigte 10.100 Vollzeitmitarbeiter (plus 5,8 Prozent). Auch die Gesamtzahl der Beschäftigten ist ansteigend. Mit 11.251 Mitarbeitern waren 2010 5,4 Prozent mehr Menschen bei B. Braun beschäftigt. Quelle: dpa
Platz 10 - Boehringer IngelheimDie Zahl der Vollzeitbeschäftigten blieb bei Boehringer im Jahresvergleich stabil bei 10.800. Insgesamt waren mit 11.475 genau acht Mitarbeiter weniger beim Pharmaunternehmen aus Ingelheim tätig. Quelle: ap
Platz 9 - RocheDie deutsche Ländergesellschaft des Schweizer Pharmaunternehmens beschäftigte nach dem RWI-Ranking 11.820 Vollzeitmitarbeiter (Zahlen aus 2009). Inklusive der Beschäftigten in Teilzeit liegt die Zahl bei 13.472 Menschen. Quelle: dpa
Platz 8 - DAKIm Jahr 2010 waren bei der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (im Bild ein Warnstreik vor der Hamburger Zentrale am 11. April 2012) 12.400 Menschen in Vollzeit beschäftigt. Das waren 9,9 Prozent mehr als 2009. Inklusive Teilzeitbeschäftigter arbeiteten 15.009 Menschen für die DAK - ein dickes Plus von 17,5 Prozent. Quelle: dpa
Platz 7 - Charité-Universitätsmedizin BerlinAn der Berliner Charité arbeiteten 12.718 Vollzeitmitarbeiter. Das waren knapp 100 weniger als ein Jahr zuvor. Auch bei der Gesamtzahl der Mitarbeiter beschäftigte das Universitätsklinikum 2010 weniger Personal. 14.700 Mitarbeiter bedeuten ein Minus von einem Prozent. Quelle: dpa
Platz 6 - Bayer Health CareDas Pharmaunternehmen im Bayer-Konzern (ohne Tiergesundheit) schafft es auf Rang sechs der Rangliste der größten Gesundheitsarbeitgeber Deutschlands. 13.633 Menschen waren 2010 Vollzeit bei Bayer Health Care beschäftigt (plus 1,4 Prozent). Insgesamt arbeiteten 14.142 Menschen im Jahr 2010 für das Unternehmen (plus 0,7 Prozent). Quelle: dpa
Platz 5- Barmer ErsatzkasseDie größte gesetzliche Krankenkasse Deutschlands ist gleichzeitig der größte Arbeitgeber unter den Krankenkassen. Die Barmer fusionierte 2010 mit der Gmünder Ersatzkasse zur Barmer GEK. So ist das Plus bei den Beschäftigten zu erklären. In Vollzeit arbeiteten 15.203 Menschen bei der Barmer GEK (plus 13,1 Prozent), insgesamt waren es 19.101 (plus 14,8 Prozent). Quelle: dpa
Platz 4 - Sana KlinikenDie Krankenhausgruppe mit Sitz in München steigerte ihre Mitarbeiterzahl 2010 durch Übernahmen deutlich. In Vollzeit waren 16.128 Menschen beschäftigt (plus 14,6 Prozent). Die Zahl der Gesamtbeschäftigten (inklusive Teilzeit) stieg auf 22.483 an - ein Plus von 17,4 Prozent. Quelle: Pressefoto Sana
Platz 3 - Asklepios KlinikenDie Top drei der größten Arbeitgeber im deutschen Gesundheitswesen beginnt ebenfalls mit einem Klinikbetreiber. Die Asklepios Kliniken (im Bild eine Klinik in Hamburg) beschäftigten 2010 insgesamt 27.285 Vollzeitmitarbeiter (plus 4,4 Prozent). Insgesamt erhöhte sich die Mitarbeiterzahl noch stärker auf 35.000 (plus 5,6 Prozent). Quelle: Reuters
Platz 2 - Rhön-KlinikumDie Klinikbetreibergesellschaft ist der zweitgrößte deutsche Arbeitgeber im Gesundheitswesen. 30.650 Mitarbeiter waren 2010 in Vollzeit für die Rhön-Kliniken (Bild: das Universitätsklinikum Gießen) tätig (plus 3,2 Prozent). Die Gesamtbeschäftigtenzahl stieg auf 38.058 - ein Plus von 3,2 Prozent. Lediglich ein Pharmaunternehmen hat mehr Mitarbeiter. Quelle: dpa
Platz 1 - FreseniusFresenius ist der größte deutsche Arbeitgeber im Gesundheitsbereich. 32.690 Menschen arbeiteten 2010 für den Konzern in Vollzeit. Das waren im Vorjahresvergleich genau zehn weniger. Die Mitarbeiterzahl inklusive Teilzeitbeschäftigten des Gesundheitsunternehmens stieg dagegen an auf 40.823 (plus 1,0 Prozent) Quelle: ap

Anfang September hatte Fresenius den Kauf  angekündigt. Die Übernahme sei auf der Zielgeraden, hieß es bei der Vorlage der Neun-Monats-Zahlen von Rhön am Hauptsitz im fränkischen Bad Neustadt an der Saale.  „Wir sind zuversichtlich, dass bis Jahresende ein Paket an Krankenhäusern übertragen sein wird, dessen Unternehmenswert mindestens 70 Prozent des vereinbarten Transaktionsvolumens beträgt“, erklärte Finanzchef Jens-Peter Neumann.

Der Übernahme-Coup war offensichtlich ein Fest für Juristen und Berater.  Auch wegen der hohen Beratungskosten ging bei Rhön der Gewinn zurück, mussten Unternehmenschef Martin Siebert und Finanzvorstand Neumann einräumen. Allein drei Kanzleien beschäftigten die Rhön-Manager und Eigentümer Eugen Münch im Vorfeld des Deals: die internationale Kanzlei Latham & Watkins; Seufert Rechtsanwälte aus München sowie Bub Gauweiler & Partner, ebenfalls aus der bayerischen Landeshauptstadt. Hinter Bub Gauweiler steckt unter anderem der CSU-Politiker Peter Gauweiler, der dort als Partner amtiert.

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Mit einer Prognose für das laufende Geschäftsjahr traute  sich Konzernchef Siebert – wegen der laufenden Transaktion -  noch nicht aus der Deckung. Die Zahlen für die ersten neun Monate lieferten ein gemischtes Bild: Einerseits sorgten mehr Patienten  für ein Umsatzplus von 6,3 Prozent auf 2,26 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) verbesserte sich um 3,3 Prozent auf 223 Millionen Euro. Andererseits sank unter dem Strich der Gewinn:  Der Überschuss fiel um rund 3,0 Prozent auf 68 Millionen Euro. Umsatz und operatives Ergebnis legten zu. Mittelfristig rechnet Rhön-Chef Siebert  mit 3,5 bis 4,5 Prozent Umsatzwachstum.

In den nächsten Monaten muss das Management den Konzern mit den verbleibenden Krankenhäuser, darunter die Uni-Klinik Gießen und Marburg, neu ausrichten. Rhön wolle sich auf spitzenmedizinische Angebote auf dem Niveau der Uni- und Fachkliniken konzentrieren, schrieb Vorstandschef Siebert in seinem Brief an die Aktionäre. Mit dem Kaufpreis werde man Schulden abbauen und investieren. Der Umsatz schrumpft nach dem Verkauf an Fresenius künftig auf etwa 1 Milliarde Euro, ein Drittel der bisherigen Größe. Damit rutschen die Franken von Platz drei auf Platz vier unter den privaten Klinikbetreibern – hinter Fresenius, Asklepios und den Sana-Kliniken.

(Mit Material von dpa)

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