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Krankenhäuser Jede dritte Klinik macht Verluste

Exklusiv
Knapp ein Drittel der 2000 Krankenhäuser in Deutschland macht Verlust. Quelle: dpa

Eine neue Studie zeigt: Im laufenden Jahr erwarten die Krankenhausmanager in 32 Prozent der Kliniken Verluste. Schuld sei der Staat: Er zahle zu wenig Fördergelder.

Ein Drittel der knapp 2000 Krankenhäuser in Deutschland macht Verlust: Im laufenden Jahr erwarten Manager in 32 Prozent der Häuser ein Defizit, im vorigen Jahr haben 31 Prozent der Krankenhäuser ein Minus ausgewiesen. Das geht aus der noch unveröffentlichten Krankenhaus-Studie 2018 der Beratungsfirma Roland Berger hervor. Nur knapp 60 Prozent erwirtschaften Überschüsse.

Eine Mehrzahl der Klinikmanager macht der Branchenstudie zufolge den Staat verantwortlich, weil die Länder oft weniger Fördergeld zahlen als zum Erhalt der Häuser nötig. Länder und Krankenversicherungen teilen sich die Finanzierung der Kliniken. Die Bundesländer sollen die Infrastruktur finanzieren, die Kassen die Behandlungen und die dafür entstehenden Kosten bezahlen.

In Deutschland gibt es mehr Krankenhausbetten als in vergleichbaren Ländern – ohne bessere medizinische Erfolge. Es ist allerdings schwer, ein Krankenhaus zu schließen. Oft müsste Fördergeld zurückgezahlt werden. Zudem empfinden viele Bürger die Schließung eines Hauses als Verschlechterung fürs Leben in ihrer Region. Auch deshalb, so argumentieren Branchenkenner, wird eher die Förderung zurückgefahren, als zu entscheiden, welches Krankenhaus von seiner Lage her und nach der Qualität der Behandlungen weiter bestehen soll.

Auf die kommenden Jahre erwarten 60 Prozent der Krankenhaus-Chefinnen und –Chefs sich weiter verschlechternde Bedingungen. Alle Manager versuchen nach den Roland-Berger-Zahlen als Reaktion auf die schlechte wirtschaftliche Lage, ihre „stationären Erlöse“ zu erhöhen. Sie wollen also mehr Patienten behandeln  und mehr operieren. Auch wegen solcher wirtschaftlicher Überlegungen wird in Deutschland häufiger als in Nachbarländern etwa am Knie, der Hüfte oder dem Rücken operiert als in Nachbarländern.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kritisierte jüngst, dass Kliniken wegen fehlender Investitionen an anderer Stelle sparen - „etwa in der Pflege, oder sie operieren zu häufig“. Sein Vorgänger, Hermann Gröhe (CDU) hatte bereits eine Reformkommission gebildet, um die Krankenhaus-Versorgung in Deutschland umzubauen. Eine tatsächliche Reform scheiterte allerdings am Widerstand der Betroffenen. Die Kliniken machen den größten Teil, rund ein Drittel, an den Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen aus.

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