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Krankenhäuser Öffentliche Kliniken suchen nach der Profitpille

Die Fusion der Helios- mit den Rhön-Kliniken ist vorerst geplatzt. Doch allein der Gedanke an den privaten Klinikgiganten setzt die maroden öffentlichen Häuser unter Druck. Über Auswege aus einem kranken System.

 Ein Krankenschwester eilt auf dem Flur eines Krankenhauses an einem leeren Bett vorbei Quelle: dpa

Katja Bittner verbreitete soeben Aufbruchsstimmung. Die 45-Jährige leitet die Regiomed-Kliniken im bayrischen Coburg, einen Zusammenschluss sieben kommunaler Kliniken plus Wohn- und Pflegeheimen. Regiomed hat gerade das insolvent gemeldete Krankenhaus im benachbarten Neustadt übernommen, was rund 120 Angestellte auf einer Betriebsversammlung um ihre Jobs fürchten ließ. „Letztlich waren sie von den Vorteilen überzeugt“, ging Bittner zufrieden aus der Veranstaltung. „Die Alternativen wären die Schließung oder der Verkauf an eine private Klinikkette gewesen.“

Wie auch immer der vorerst gestoppte Versuch der Helios-Kliniken endet, den Wettbewerber Rhön-Klinikum zu übernehmen: Der seit April bekannte Plan der Helios-Mutter Fresenius, einen privaten Krankenhaus-Riesen in Deutschland zu schmieden, liefert den kommunalen Kliniken Munition für die Schaffung eigener Verbünde.

„Fresenius hat die ganze Szene aufgerüttelt, jetzt kommen neue Zusammenschlüsse ins Laufen“, sagt der Hamburger Unternehmensberater Heinz Lohmann. Bei ihm meldeten sich seitdem immer mehr Klinikmanager.

Einfluss opfern

In welche Richtung die aufgeschreckten kommunalen Spitäler gehen könnten, machen ihnen die Regiomed-Kliniken vor. Das Netzwerk umfasst Häuser in vier Landkreisen, die in zwei Bundesländern liegen, in Bayern und Thüringen. Damit vereint die Kette gleichzeitig sogar die Tradition in Westdeutschland mit verbliebenen Reminiszenzen an die DDR. „Komplizierter geht es kaum“, sagt Bittner. Aber es hilft gegen steigende Kosten und sinkende Investitionszuschüsse der Landesregierungen.

Zahl der Krankenhäuser nach Träger und Anteil am Gesamtumsatz 2010 Quelle: Deutsche Krankenhausgesellschaft, Interessenvertretung kommunaler Krankenhäuser

Zwar geht der Trend auch bei den öffentlichen Kliniken in Richtung Konzentration. 1992 gab es in Deutschland noch 1110 kommunale Kliniken, 2010 waren es nur noch 630. Die Verschwundenen wurden geschlossen oder geschluckt. Doch gleichzeitig wuchs die Konkurrenz durch private Anbieter. Und während diese profitabel arbeiten und eine Eigenkapitalrendite von durchschnittlich acht Prozent erwirtschaften, kränkeln die öffentlichen weiter vor sich hin. Jedes fünfte, schätzt das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung, sei insolvenzgefährdet.

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