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Kreuzfahrtbranche Der harte Kampf der schwimmenden Ferienparks

Kreuzfahrten sind so beliebt wie nie, umso höher ist der Wettbewerb der Anbieter. Jetzt will Tui Cruises mit einem neuen Schiff angreifen - inklusive Luxus- und Wohlfühlversprechen.

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Die größten Kreuzfahrtschiffe der Welt
Foto der Disney Dream Quelle: REUTERS
Foto der Carnival Dream Quelle: dpa
Platz 8: MSC Fantasia / Splendida / Divina / PreziosaGewicht: 137.936 BRZ Kabinen: 1637 Die vier Schiffe der Reederei MSC Kreuzfahrten sind vor allem auf dem Mittelmeer unterwegs. Als die MSC Fantasia 2008 in Dienst gestellt wurde, war sie  das größte Passagierschiff einer europäischen Reederei überhaupt. Mittlerweile haben andere aufgeholt. Quelle: PR
Foto der Voyager of the Seas" Quelle: dpa
Foto der Royal Princess Quelle: Creative Commons
Foto der "Norwegian Breakaway" Quelle: dpa
Foto der "Queen Mary 2" Quelle: AP

Klirrend schlägt die Champagnerflasche gegen den Schiffsbug. Das Glas zerspringt, Helene Fischer singt, im Anschluss gibt es Feuerwerk. Mit großem Tamtam hat Tui Cruises am Donnerstag sein neues Kreuzfahrtschiff getauft.

Hinter dem wenig innovativen Namen "Mein Schiff 3" verbirgt sich die wichtigste Kreuzfahrtpremiere in diesem Jahr: Mit ihrem ersten Eigenbau will die Reederei-Tochter von Europas größtem Reiseanbieter auf einem stark boomenden Markt mitmischen. Kein anderer Tourismuszweig wächst so rasant wie die Kreuzfahrt-Branche. In Deutschland betrug der Passagierzuwachs zuletzt 9,2 Prozent. 2,5 Milliarden Euro Umsatz machten die Kreuzfahrtreedereien 2013 hierzulande. Gemessen am Gesamtumsatz aller Reiseveranstalter in Deutschland kommen Kreuzfahrten mittlerweile auf einen Marktanteil von zwölf Prozent. Und die Branche will mehr.

Hohe Wachstumsziele

"Wir erwarten ein Wachstum von jährlich zehn Prozent", sagt Benjamin Krumpen, Kreuzfahrt-Experte beim Deutschen Reiseverband (DRV). Kein Wunder, dass Europas größter Reisekonzern Tui davon etwas abhaben will. Parallel zu einem harten Sparkurs in anderen Unternehmenszweigen hat Tui-Chef Friedrich Joussen der Kreuzfahrt-Tochter Wachstum verordnet. So lukrativ scheint ihm der Markt.

Die Mein Schiff 3: Das neueste Kreuzfahrtschiff der Hamburger Reederei Tui Cruises wird am Nachmittag getauft und bricht am 13. Juni 2014 zur Jungfernfahrt nach Mallorca auf. Quelle: dpa

Mit bislang drei Kreuzfahrtschiffen gehört Tui Cruises zu den Kleinen der Branche. In Deutschland dominiert Marktführer Aida das Club-Schiff-Segment, Hapag-Lloyd beherrscht den Markt für teure Luxus-Kreuzfahrten.
Neben den internationalen Größen wie Royal Caribbean und Carnival Cruise Lines mischen zudem Neueinsteiger den Markt auf. Der exzentrische Milliardär Richard Branson legt etwa für 1,7 Milliarden Dollar seine eigene Kreuzfahrtreederei Virgin auf.

Sind das zu viele Spieler auf einem überschaubaren Markt? "Ewig wird dieses Wachstum nicht anhalten", warnt zumindest Alexis Papathanassis, Professor für Kreuzfahrt- und Tourismusmanagement an der Hochschule Bremerhaven. "Der Wettbewerb in der Branche steigt", sagt Kreuzfahrt-Experte. "Auch über den Preis. Der geht kontinuierlich nach unten."

Die Kreuzfahrt-Branche

Fallende Preise
1500 Euro kostet eine knapp neuntägige Reise auf einem Kreuzfahrtschiff im Schnitt. Noch vor wenigen Jahren waren die Tickets einige hundert Euro teurer. Was ihnen beim Fahrtpreis verloren geht, gleichen die Kreuzfahrtanbieter aus, in dem sie den Umsatz an Bord steigern: Zusatzangebote und besondere Speisen kosten meist extra.


Trotzdem lässt sich an der Preisschraube nicht drehen, um die Nachfrage künstlich zu steigern, glaubt Experte Papathanassis: "Schon in einigen Jahren wird der Markt stagnieren." Darauf müssten sich die Reedereien schon jetzt einstellen, Nischen besetzen und mit Innovationen neue Marktsegmente besetzen.

Das wissen auch die Reedereien. Um neue Kunden zu locken, preist Tui Cruises das neue Aushängeschild Mein Schiff 3 laut als "Wohlfühlschiff" an und positioniert sich zwischen Aidas Club-Schiffen und den Premium-Anbietern.

Billig wird die Kreuzfahrt nie

Die Tui-Preise sind moderat und mit einem All-Inclusive-Angebot zum Festpreis lockt der Anbieter auch sparsamere Urlauber an - kassiert dann aber bei Ausflügen, SPA-Anwendungen und in Restaurants. "Ganz billig war eine Kreuzfahrt noch nie", sagt Reiseverbandsmann Krumpen, "und wird es auch nicht sein."

Für ihr Geld erwarten die Gäste aber auch einiges. "Luxus ist der große Trend", sagt Ralf Claussen über die Kreuzschifffahrt-Branche. Der Hamburger ist Geschäftsführer des Design-Büros cm-Design und verantwortlich für das "Look & Feel" der "Mein Schiff 3". Mehr als drei Jahre lang hat er sich mit Dutzend Designern auf ganzen Welt Gedanken über die Farben der Teppiche, das Muster der Tapeten und die Form der Stühle gemacht.

Luxus und schwimmende Ferienparks

Herausgekommen ist etwas, dass Claussen "modern urban Style" nennt und mit dem auch ein gehobenes Klientel zufrieden gestellt werden soll. "Die Designanleihen sind eher in einer hippen Bar in Tokio zu finden oder in einem New Yorker Szene-Lokal", sagt Claussen. Denn auch wenn der durchschnittliche Kreuzfahrt-Passagier 55 und älter ist, soll das Design auch jüngeren gefallen. Dort sehen Branchenkenner noch besonders große Wachstumschancen.

Das Luxus- und Wohlfühl-Versprechen der Reederei zieht sich über das gesamte Schiff. Die meisten der 1.253 Kabinen haben einen eigenen Balkon. Gegen Aufpreis gibt es in den 64 Junior Suiten und zwölf Suiten nochmal deutlich mehr Platz. "Wir versuchen in den Kabinen eine Atmosphäre zu schaffen, die den Gästen das Gefühl gibt, nach Hause zu kommen", sagt Claussen und spricht damit Gefühle an, die den deutschen Durchschnitts-Touri offenbar ausmachen.

Diese Orte müssen Sie 2014 sehen
Kapstadt, Südafrika Während Nelson Mandelas auf Robben Island inhaftiert war, fand er Inspiration in Kapstadt. "Der Tafelberg war ein Leuchtfeuer der Hoffnung.", sagte er in einer seiner Reden. Grade nach Mandelas Tod zieht diese Stadt die Besucher an. Denn das Land befindet sich im Wandel. Dieses Jahr ist Kapstadt Design-Welthauptstadt. Es gibt Modenschauen von Studenten und etablierten Designern, Architektur-Events in Künstlerateliers und visuelle Projekte. Als Teil des Projekts verjüngen die Einwohner zudem die verarmten Townships. Kapstadt erfindet sich neu und deshalb 2014 ein Besuch wert! Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Los Angeles, Amerika Los Angeles ist bekannt für seine Hollywood Hills, den Walk of Fame und ein paar Stars und Sternchen - alles mehr Schein als Sein. Downtown Los Angeles kann aber mehr: Die Innenstadt ist berühmt für eine lebhafte Restaurant-Kultur. Am Grand Central Market gibt es über 30 der besten Imbissstände der Stadt. Ursprünglich wurde der Markt 1917 erbaut, vergangenes Jahr wurde er dann erneuert. Seitdem zieht es viele Lieferanten und Restaurants in den Teil der Stadt. Und - wo es gutes Essen gibt, da muss es auch gute Einkaufsmöglichkeiten geben. Viele neue Läden eröffnen Downtown und bieten eine perfekte Mischung aus Einkaufsspaß und Erholung bei gutem Essen. Quelle: REUTERS
Perth, Australien Wer bei Australien nur an Sydney, die Ostküste und Backpacker denkt, der sollte eine Reise Richtung Westen unternehmen. Perth ist die Hauptstadt von Westaustralien. Hier gibt es lange, weiße Strände, gelassene Urlaubsatmosphäre und das "echte" Australien mit seinen Ureinwohnern. Die viertgrößte Stadt Australiens zeigt sich von seiner besten Seite mit ungewöhnlich und kreativen Ideen. Es gibt Restaurants in umfunktionierten Räumen wie Ställen (zum Beispiel die Stables Bar), Hütten (die Old Crow) oder in einer alten Druckmaschinen-Halle. Hier eröffnete vor kurzem der Fernsehkoch Jamie Oliver ein Restaurant. Auch in der Nachbarschaft von Perth gibt es von kleinen Cafés bis Vintage-Läden alles, was man nicht erwartet. Quelle: AP
Frankfurt am Main, Deutschland Wenn das Budget einen Übersee-Flug nicht hergibt, dann ist auch Frankfurt am Main ein Must-See für 2014. Noch immer ist die Stadt für viele die "Finanzmetropole mit dem großen Flughafen". Allerdings haben sich Nachtleben und Essens-Szene in den letzten Jahren stark gewandelt. Es sind moderne Bars und schicke Restaurants entstanden. In dem asiatischen Restaurant Moriki gibt es Sushi-Pizza und viele Mittagsrestaurants laden zur schnellen Stärkung für Zwischendurch ein. Bis Ende nächsten Jahres sollen weitere große Clubs eröffnen und auch die Kunst-Szene wächst. Das 32.000 Quadratmeter große Städel Museum wurde unterirdisch ausgebaut und dafür international ausgezeichnet. Quelle: dpa
SchottlandSchottland bietet Natur und Stille. Dort kann man mit dem Fahrrad die Küste entlang fahren oder Spaziergänge durch die Natur unternehmen. Diesen Sommer wird Glasgow die Bühne für die Commonwealth Games 2014, bei denen es Wettbewerbe im Olympia-Stil zwischen Großbritannien und den ehemaligen britischen Kolonien gibt. Im September wird in den Highlands zusätzlich der Ryder Cup Golf-Wettbewerb veranstaltet. Sport- und Naturfans sollten sich 2014 Schottland nicht entgehen lassen! Quelle: AP
Ishigaki, JapanDie Insel Ishigaki liegt 250 Meilen südlich der Insel Okinawa und weit weg von der Hektik Tokios. Die kleine Insel ist weitgehend unentdeckt, sie ist die Heimat von Stand- und Surfverrückten. Hier gibt es weiße Sandstrände, schöne Korollenriffe und kaum Touristen. Vergangenes Jahr eröffnete ein neuer Flughafen auf der Insel und so ist sie auch für Besucher einfach - und dank des schwachen Yen-Kurses sogar günstig - zu erreichen. Quelle: dpa
Der Vatikan Papst Franziskus hat fast 3,5 Millionen Follower auf Twitter. Er macht regelmäßig Schlagezeilen, weil er Atheisten in seine Kirche einläd und weil er vom Time Magazine zur Person des Jahres 2013 gewählt wurde. Der erste südamerikanische Papst ist so beliebt, dass der Vatikan für dieses Jahr mit einem hohen Pilgeraufkommen rechnet. Besucher können neben dem Petersdom auch den Petersplatz und andere antike Bauwerke ansehen. Viele davon wurde grade erst neu restauriert. Dank der neuen Papst-App werden Vatikan-Besucher immer über Neuigkeiten und Ereignisse auf dem Laufenden gehalten. Quelle: dpa

"Kreuzfahrten bedeuten Urlaub, wie ihn die Deutschen lieben", sagt Krumpen vom DRV. "Ich kann in sieben Tagen sieben Städte sehen, muss dafür aber nicht einmal englisch können. Und ich kann jeden Abend in mein bekanntes Zimmer zurück."

Die klassischen Hochsee-Kreuzfahrten sind nichts für Abenteurer. Nichts für diejenigen, die die Realität in einem Land erleben wollen. Kreuzfahrtschiffe sind schwimmende Urlaubsressort: Autarke Kapseln, in denen die Wirklichkeit den Urlaub nicht zu stören hat.

Kein Schiff ohne Pool

Ohne umfangreichen Wellness- und Spaß-Bereich kommt deswegen kein Kreuzfahrtschiff mehr aus. Ebenso wenig dürfen Sportanlagen und Poolanlage fehlen. Dass es Dutzende Bars und Restaurants mit verschiedenen Themen zur Auswahl gibt, wird erwartet.

Abseits der Standards versucht Tui Cruises mit Alleinstellungsmerkmalen zu punkten und spendiert der Mein Schiff 3 unter anderem den "ersten Schiffs-Konzertsaal mit natürlich anmutender Akustik auf dem Meer". Als gäbe es keine andere Möglichkeit, den Ozean auf einem Schiff zu erleben, ist in außerdem ein maritimes Museum verbaut - Blauwal-Modell inklusive.

Freizeitparks auf hoher See

Museum, Konzertsaal? Damit ist die Mein Schiff 3 noch zurückhaltend. Nahezu bieder. Besonders amerikanische Anbieter geben sich im Gegensatz dazu alle Mühe, den Unterhaltungs-Faktor immer weiter zu steigern.

Dass Mickey Maus und Donald Duck die Gäste auf den Schiffen des Disney-Konzerns nahezu permanent bespaßen, gehört noch zu den traditionellen Angeboten. Auf der "Quantum of the Seas", die noch in diesem Jahr in Dienst gestellt werden soll, hebt ein Kran die Passagiere in einer Glaskapsel weit auf das offene Meer hinaus.

Wer noch mehr Nervenkitzel braucht, findet die beim Autoscooter-Fahren an Deck oder dem Skydiving im Windkanal.Die Norwegian Gateway bietet den größten Hochseilgarten auf See und lockt mit einer Kletterwand und 40 Kletterelementen auf mehreren Ebenen.

Tui Cruises baut Flotte aus

Von solchen Kinkerlitzchen hält Schiffdesigner Claussen wenig: "Die längste Wasserrutsche der Welt gehört nicht auf ein Tui-Schiff." Das passe einfach nicht zu einem Schiff für deutsche Urlauber.

In Arbeit
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Stimmt, meint Branchen-Kenner Papathanassis: "Für die Amerikaner ist eine Kreuzfahrt wie ein Badeurlaub. Sie wollen einige Tage unterhalten, bespaßt und abgelenkt werden, um kurz darauf wieder im Büro zu sitzen", sagt er. "Die Deutschen sind da eher auf die Route fokussiert."

Das Konzept, vor allem die Städte und Inseln im Mittelmeerraum anzufahren, will Tui Cruises deshalb beibehalten und ausbauen. Und deshalb will das Unternehmen seine Flotet weiter ausbauen. Schon im Mai 2015 soll die Mein Schiff 4 eröffnet werden - vermutlich wieder mit großer Eröffnungssause.

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