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Kreuzfahrten Deutsche Anbieter profitieren von Costa-Unglücken

Während die italienische Reederei das zweite Unglück verkraften muss, melden die deutschen Kreuzfahrt-Anbieter steigende Buchungszahlen.

Lust auf Kreuzfahrten Quelle: AP

Die deutschen Kreuzfahrtanbieter profitieren offenbar von den Unglücken der italienischen Reederei Costa. „Wir sehen bei allen deutschen Schiffen gute Zahlen“, sagt Wolfgang Fäth, Gründer und Geschäftsführer des Reisebüros Nees, das das Internetportal kreuzfahrten.de betreibt. Die Seite gehört zu den fünf größten Vermittlern von Kreuzfahrten in Deutschland.

„Offenbar fühlt sich der deutsche Kunde auf den Schiffen, auf denen deutsch gesprochen wird, sicherer“, sagt Fäth. Zu den Profiteuren zähle etwa TUI Cruises und kleinere Anbieter wie Ambiente Kreuzfahrten und FTI. Selbst AIDA, der Anbieter von Clubschiffen, der wie Costa zum amerikanischen Carnival Konzern gehört, scheint den Imageeinbruch bei den Schiffsreisen auf hoher See gut wegzustecken.

Feuer an Bord 

Der italienische Anbieter Costa Crociere muss derzeit das zweite Unglück verkraften. Ein Feuer an Bord der „Allegra“ mit 1000 Menschen an Bord hat das Schiff vor den Seychellen manövrierunfähig gemacht. Ein französischer Fischtrawler schleppt das Schiff nun an eine nahe gelegene Insel. Im Januar kenterte die „Concordia“ mit mehr als 4200 Menschen an Bord vor der toskanischen Insel Giglio. 32 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben.

Die Buchungen brachen nach dem Concordia-Unglück dramatisch um rund ein Drittel ein. Auch der Vermittler kreuzfahrten.de, der Costa-Reisen überdurchschnittlich stark verkauft, spürte einen Rückgang von rund 25 Prozent. „Insgesamt hat der Markt dadurch gelitten“, sagt Fäth. Der Einbruch sei deutlich zweistellig gewesen.

Die größten Kreuzfahrt-Anbieter
Platz 1Die amerikanische Reederei Royal Caribbean ist der weltweit größte Anbieter von Kreuzfahrten. Die Schiffe der Royal-Caribbean-Flotte verfügen laut Cruisemarketwatch über eine Kapazität von 62.220 Betten. Mit der „Allure of the Seas“ (im Bild) und dem nur etwas kleineren Schwesterschiff „Oasis of the Seas“ hat die Reederei zudem die beiden größten Kreuzfahrtschiffe der Welt in seinen Reihen. Quelle: dapd
Platz 2Mit einer Kapazität von 62.000 Betten liegt die Carnival Cruise Lines nur knapp dahinter. Im Bild fährt die „Carnival Valor" publikumswirksam am berühmten Miami Beach vorbei. Quelle: ap
Platz 3Die „Golden Princess“ kann bis zu 2.600 Gäste gleichzeitig beherbergen. Die gesamte Flotte der Princess Cruises verfügt über eine Kapazität von 36.780 Gästebetten. Quelle: ap
Platz 4Die viertgrößte Reederei für Kreuzfahrten ist die italienische Costa Cruise Lines mit 36.480 Betten. Zu ihr gehört auch die Costa Concordia, die vor der toskanischen Küste gekentert ist. Im Bild ist die „Costa Favolosa" vor dem Hafen von Triest. Dort wurde das Schiff am 2. Juli 2011 im Rahmen der Feier zum 150. Geburtstag Italiens getauft. Quelle: dpa
Platz 5Die Reederei MSC Cruise kann weltweit bis zu 27.750 Gäste gleichzeitig auf einem ihrer Schiffe willkommen heißen. Die MSC Melody (im Bild) geriet 2009 in die Schlagzeilen, als das Schiff vor den Seychellen von Piraten angegriffen wurde. Die Attacke konnte aber von Mitarbeitern einer Sicherheitsfirma abgewehrt werden, die extra für die gefährliche Passage angeheuert wurden. Quelle: Pressefoto
Platz 6Auf noch 26.280 Betten kommt die Norwegian Cruise Line. Im Bild ist die „Norwegian Jewel“ zu sehen, wie sie von der Meyer-Werft in Papenburg in die Nordsee geschleppt wird. Für die Passage im August 2005 wurde extra die schmale Ems aufgestaut, damit das 294 Meter lange und 400 Millionen Euro teure Schiff überhaupt den Fluss durchfahren konnte. Quelle: dpa
Abgeschlagen ist der deutsche Vertreter Tui Cruises mit 3.780 Betten. Die erst im Jahr 2008 gegründete Reederei verfügt im Moment auch nur über zwei Schiffe, die sie der Reederei Celebrity Cruises abgekauft hat. Die beiden Schiffe tragen die Namen "Mein Schiff 1" und "Mein Schiff 2". Tui Cruises ist ein Joint Venture von Tui und der Royal Caribbean, die jeweils 50 Prozent der Anteile halten. Quelle: dapd

Das Concordia-Unglück traf die Branche zudem in der Hauptbuchungszeit. In den Monaten Januar und Februar verkaufen Reisebüros in der Regel ein Viertel aller Kreuzfahrten im Jahr. Vergangenes Jahr buchten mehr als 22.000 Kunden eine Hochseereise über kreuzfahrten.de.

Durch einen extrem starken Jahresbeginn vor dem Concordia-Unglück liegt der Umsatz bei kreuzfahrten.de allerdings bis heute bei „plus minus Null“. Zudem spüre er „seit einer Woche eine deutlich erhöhte Nachfrage“. Das aktuelle Unglück der Allegra werde zumindest für den Gesamtmarkt „keine nachhaltigen Auswirkungen haben“.

 

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