Kriselnder Immobilien-Investor KPMG verweigert Adler Group Prüfsiegel – Milliardenverlust

Das Unternehmen legte den Jahresabschluss 2021 am letzten Tag des April ohne KPMG-Testat vor – schon um die Bedingungen für seine Anleihen zu erfüllen. Quelle: imago images

Der mit schweren Vorwürfen konfrontierte Immobilienkonzern Adler Group hat Zahlen für das vergangene Jahr vorgelegt – trotz eines Versagungsvermerks des Abschlussprüfers. Das Ergebnis: ein Milliardenverlust.

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Kein Freispruch erster Klasse nach Vorwürfen eines britischen Leerverkäufers und nun kein Testat der KPMG-Wirtschaftsprüfer für den Jahresabschluss 2021: Der kriselnde Immobilien-Investor Adler Group hat einen weiteren Rückschlag im Ringen m die Glaubwürdigkeit seiner Bilanzen hinnehmen müssen. Die mit der Abschlussprüfung beauftragte KPMG Luxembourg habe dem Unternehmen mitgeteilt, dass sie „einen Disclaimer of Opinion (Versagungsvermerk) für den Konzernabschluss und Einzelabschluss 2021“ erteilen werde, räumte die Adler Group ein.

In dem am Samstag in letzter Minute vorgelegten Jahresabschluss 2021 erklären die Wirtschaftsprüfer zur Begründung, ihnen seien in Zusammenhang mit einigen Transaktionen wichtige Informationen nicht zugänglich gemacht worden. Alle Mitglieder des achtköpfigen Adler-Verwaltungsrats, die 2021 ein Mandat hatten, boten aufgrund des fehlenden Testats ihren Rücktritt an, in vier Fällen akzeptierte der neue Verwaltungsratschef Stefan Kristen diese. Die Adler Group selbst erklärte in dem ohne KPMG-Prüfsiegel vorgelegten Jahresabschluss, 2021 sei durch Wertminderungen ein Milliarden-Verlust angefallen.

Die Wirtschaftsprüfer der KPMG seien „nicht in der Lage, ein Prüfungsurteil abzugeben“, hatte die Adler Group weiter erklärt. Grund sei „die Verweigerung des Zugangs zu bestimmten Informationen über verbundene Unternehmen und Personen“ durch die Adler Group. Ein derartiger Versagungsvermerk wird fällig, wenn sogenannte Prüfungshemmnisse vorliegen, die die Bilanzexperten daran hindern, wesentliche Sachverhalte in der Bilanz zu überprüfen. Das Unternehmen legte den Jahresabschluss 2021 ohne KPMG-Testat am Samstag und damit am letzten Tag des April vor - schon um die Bedingungen für seine Anleihen zu erfüllen.

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Die Adler Group hatte die Veröffentlichung ihrer Bilanz wegen einer Untersuchung der KPMG-Wirtschaftsprüfer mehrfach verschoben. Anlass für die Prüfung waren Vorwürfe der Gesellschaft Viceroy des Leerverkäufers Fraser Perring mit Blick auf die Bilanzierungsmethoden bei Adler. Ein Netzwerk habe von Transaktionen zulasten von Aktionären und Anleihegläubigern profitiert, bei der Bewertung von Immobilien gebe es Mängel, diese seien teils künstlich überhöht worden.

Die Wirtschaftsprüfer der KPMG Forensic hatten dann keinen systematischen Betrug, wohl aber Defizite festgestellt - und ebenfalls das Fehlen wichtiger Informationen moniert. „Es ist kein Freispruch erster Klasse, natürlich wurden Mängel aufgedeckt“, hatte Adler-Verwaltungsratschef Kirsten bei der Vorstellung der Ergebnisse der Sonderprüfung gesagt „Es versteht sich von selbst, dass ein solcher ‚disclaimer of opinion‘ keine gute Nachricht ist“, fügte er nun mit Blick auf das verweigerte Testat der Luxemburger KPMG hinzu. Adler wolle die Gründe dafür beseitigen. Kirsten sucht zudem einen neuen Finanzchef - dieser solle von außerhalb der Adler Group kommen.

BaFin-Prüfung dauert an

Die Finanzaufsicht BaFin nimmt die Bücher des Unternehmens auch unter die Lupe. „Wir werden die Untersuchungsergebnisse von KPMG zur Adler Group auswerten und in unsere Prüfung einfließen lassen“, hatte eine BaFin-Sprecherin gesagt.

Das Management der Adler Group suchte die Wogen zu glätten. „Die operative Basis der Adler Group ist stabil und robust und wir machen Fortschritte bei der Verbesserung unserer Kapitalstruktur“, erklärte Co-CEO Maximilian Rienecker am Samstag. Adler habe mit einem operativen Ergebnis aus Vermietung (FFO 1) in Höhe von 137,1 Millionen Euro die Prognose für 2021 erreicht. 2022 werde diese Kennzahl nach dem Verkauf einer Reihe von Immobilen-Paketen in einer Spanne zwischen 73 und 76 Millionen Euro liegen. Vor Steuern schrieb die Adler Group 2021 einen Verlust von knapp über einer Milliarde Euro. Hintergrund waren Wertminderungen von Geschäfts- und Firmenwerten. Die Nettobeleihungsquote (LTV) des mit Schulden kämpfenden Unternehmens habe per Ende 2021 bei 50,9 Prozent gelegen.

Im Risikobericht heißt es, die Adler Group habe „einen hohen Schuldenstand und ist von der Refinanzierung hoher Beträge (...) abhängig“. Potentiell könnte der hohe Verschuldungsgrad angesichts „der durch Viceroy geäußerten Anschuldigungen dazu führen, dass Kreditinstitute die Gewährung neuer Darlehen verweigern (..) oder die Bereitstellung zusätzlicher Sicherheiten verlangen, bis die Vorwürfe entkräftet sind“.

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Adler war im vergangenen Jahr auch durch Investoren unter Druck geraten, die eine aus ihrer Sicht zu hohe Verschuldung der Adler Group kritisiert hatten. Adler hatte sich daraufhin von großen Immobilien-Paketen getrennt, die an die LEG Immobilien und den US-Finanzinvestor KKR gingen. Zugriff auf Adler-Aktien hat der deutsche Branchenprimus Vonovia. Der Wohnungskonzern hält rund 20,5 Prozent der Aktien des kriselnden Immobilien-Investors. „Ein weiterer Zukauf von Adler-Aktien scheidet derzeit aus“, hatte Vonovia-Chef Rolf Buch indes bei der Hauptversammlung am Freitag gesagt - vielmehr sei ein Verkauf der Anteile ausdrücklich eine Option.

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