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Krötwenwanderung

Knebelvertrag statt Liebe

Anke Henrich
Anke Henrich Freie Autorin, Mittelstands-Expertin

Die Hoffnung, den Partner fürs Leben zu finden, wird oft ausgenutzt. Die sechs Fallen bei professionellen Partnervermittlungen.

Frau mit Netbook Quelle: Peter Atkins - Fotolia.com

Weil die Liebe doch nicht vom Himmel fällt, setzte ein junger Rheinländer aufs Internet. Warum sollte er nicht dort erfolgreich sein, wo es doch schon so viele andere waren? Der junge Mann klickte sich durch ein regionales Dating-Portal und wurde fündig. Eine Dame rundherum nach seinen Vorstellungen. Erste E-Mails gingen hin und her, dann endlich willigte die neue Eroberung in ein Rendez-vous ein.

Doch statt der Traumfrau erwarteten ihn im Restaurant zwei Mitarbeiter der Partnervermittlung. Er möge doch bitte kurz noch einen Vertrag unterzeichnen, bevor er die Herzensdame treffen könne. Der Rheinländer griff beherzt zum Kuli und las sich erst daheim durch, was er da eigentlich unterschrieben hatte: Ab sofort sollte er ein Jahr lang monatlich 99 Euro an die Agentur überweisen. Seine neue Brieffreundin hatte er auch noch nicht zu Gesicht bekommen. Den Widerruf des Vertrags lehnte die Agentur erst ab, als ihn seine Rechtschutzversicherung raus paukte.

Okay, es ist schrecklich unromantisch, aber sie gehört trotzdem hier hin: die Verbraucherzentrale Hamburg. Denn die Verbraucherschützer haben die fiesesten Flirtfallen analysiert.

  • Falle Nr. 2: kostenlose Testphase

    Oft wird ein kostenloser oder sehr billiger Test für zum Beispiel 1,99 Euro angeboten. Doch dann folgt in der Regel eine automatische Vertragsverlängerung, die kostenpflichtig und teuer ist. Zwar kann nach der Testphase gekündigt werden. Doch manche Anbieter bestreiten schlicht, eine Kündigungserklärung erhalten zu haben. Manchmal wird im Kleingedruckten verlangt, dass nur eine schriftliche Kündigung akzeptiert wird. Das ist erlaubt!

Die größten Flirtbörsen
KissNoFrog Dass es nicht immer läuft wie im Märchen wissen die meisten Frauen, doch die Hoffnung, dass aus dem Frosch vor einem doch noch ein Prinz wird, hat sich bisher, soweit bekannt ist, in der Realität nie erfüllt. Miss Piggy wird das wohl nichts ausmachen. Viel Spaß mit Online-Live-Dating auf jeden Fall ohne echte Amphibien verspricht zumindest Holtzbrinck Ventures mit KissNoFrog. Die Seite richtet sich an 25- 40-Jährige, die bereit sind für drei Monate 69,00 Euro für ihren Spaß auszugeben. Eine Note von Stiftung Warentest gibt es bisher nicht. Quelle: AP
Gay Romeo In immer mehr Staaten wird die Homo-Ehe legalisiert , jetzt verlassen auch die Online-Portale für Schwule und Transsexuelle die Nische und können sich unter den großen Flirtportalen blicken lassen. Gay Romeo gehört zu Planet Romeo, das von Jens Schmidt geleitet wird. Für drei Monate bezahlen die Nutzer 16,90 Euro und können sich somit über die günstigste Bezahl-Seite im Ranking freuen. Eine Note von Stiftung Warentest gitb es jedoch noch nicht. Quelle: dpa
Flirtcafe An ein junges Publikum richtet sich diese Flirtseite. Für drei Monate würde sie nur 57,00 Euro kosten, jedoch ist sie nur für 6 Monate buchbar. Gehalten wird die Seite durch Internet Community Works, eine Gruppe von internationalen Finanzinvestoren. Bei Stiftung Warentest erhielt die Seite jedoch nur die Note 5,2. Warentest untersuchte dabei auf Nutzung, Vertragsabwicklung, Information, Hilfe und den Umgang mit Nutzerdaten. Quelle: Reuters
flirt-fever Ganz heiß her geht es zumindest dem Namen nach bei dieser Webseite. Dort können sich flirtwillige Erwachsene zwischen 20 und 30 kennen lernen. Die zu prebyte Media gehörende Webseite kostet für drei Monate 81,00 Euro. Von Stiftung Warentest erhielt das Portal die Note 3,6. Quelle: Reuters
50Plus-Treff Erstmal vorneweg: Nein, George Clooney ist laut den Medien aktuell nicht single. Und nein, selbst wenn hätte er die folgende Seite sicher nicht nötig. Aber theoretisch passt er in die Zielgruppe, denn: er ist 50. Das Flirtportal 50Plus-Treff richtet sich, wie der Name schon sagt an ältere Singles. Diese bezahlen bei dem von Sven und Marianna Exter geführten Flirtportal 59,50 für drei Monate Mitgliedschaft. Bei Stiftung Warentest wurde die Seite mit der Note 3,6 bewertet. Quelle: dapd
Friendscout24 Für eine dreimonatige Gold-Mitgliedschaft bezahlt man bei diesem Flirtportal 89,50 Euro. Das Durchschnittsalter der flirtwilligen Nutzer beträgt ca 30 Jahre. Im Test erhilt die Seite die Note 3,3. Ein Ableger dieser von der Deutschen Telekom geführten Seite ist übrigens das Seitensprungportal Secret. Quelle: dpa
neu.de Für 74,50 Euro können Nutzer bei dieser Seite drei Monate lang einen Flirt-Partner in einem breiten Publikum suchen. Durchschnittlich sind die Teilnehmer 30 Jahre alt. Das portal gehört zu Meetic, zu dem auch die Partnerbörse partner.de gehört. Bei Stiftung Warentest schnitt neu.de mit der Note 3,2 ab. Quelle: Reuters
  • Falle Nr. 3: Persönlichkeitsanalyse

    Bei einigen Partnervermittlern erhält man im Rahmen der kostenpflichtigen Mitgliedschaft zwangsweise eine ausführliche Persönlichkeitsanalyse. Der Haken: Wird der Vertrag widerrufen, soll der Verbraucher die Persönlichkeitsanalyse trotzdem bezahlen – für  99 Euro.

  • Falle Nr. 4: Kündigung nur per Brief

    Obwohl die Anmeldung online möglich ist, wird für die Kündigung ein echter Brief vorgeschrieben. Das Amtsgericht Hamburg (Az. 7c C 69/10) hält diese Klausel zwar für überraschend und somit unwirksam. Vorsichtshalber und aus Beweiszwecken trotzdem immer per Einschreiben kündigen.

In Arbeit
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  • Falle Nr. 5: Mahnungsdruck

    Ob wirksamer Vertrag oder nicht: Wer einmal Kontakt mit einer Flirt- oder Partner-Suchseite hatte, wird häufig mit Mahn- und Inkassobriefen überschüttet – unabhängig von der Rechtslage. Mancher hält dem Druck nicht stand und zahlt, obwohl man das gar nicht müsste.

  • Falle Nr. 6: Widerrufsrecht

    Widerruft der Kunde fristgerecht, erhält er oft die Mitteilung, er komme zu spät - das Widerrufsrecht sei vorzeitig erloschen, da er bereits Nachrichten versandt oder empfangen habe. Nach dem eindeutigen Gesetzeswortlaut erlischt das Widerrufsrecht bei Dienstleistungen nur dann vorzeitig, wenn der Vertrag von beiden Seiten auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden vor Ablauf der Widerrufsfrist vollständig erfüllt wurde.

 Mehr Beispiele und Urteile finden Sie auf der nützlichen Seite der Verbraucherzentrale.

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