Kundenmesse Sapphire: Was SAPs Kundenkonferenz so wichtig macht
SAP-Chef Christian Klein will auf der Kundenkonferenz Sapphire am Dienstag in Orlando im US-Bundesstaat Florida die Pläne des deutschen Softwarekonzerns rund um künstliche Intelligenz, widerstandsfähige Logistiknetze sowie zur Erfassung von Kohlendioxid-Emissionen vorlegen.
Foto: dpaUm neun Uhr morgens Ortszeit wird Christian Klein am Dienstag in Orlando im US-Bundesstaat Florida auf die Bühne treten und die Eröffnungsrede der SAP-Hausmesse Sapphire halten. Der 42-Jährige hat einen Strauß von Ankündigungen im Gepäck. Vor allem in drei zentralen Bereichen sollen die weltweit rund 335.000 SAP-Unternehmenskunden künftig von Neuerungen profitieren: künstliche Intelligenz (KI), Vernetzung und Nachhaltigkeit.
Die US-Veranstaltung hat für SAP eine noch größere Bedeutung als die in der vergangenen Woche in Mannheim veranstaltete Hauptversammlung, schließlich sind die Vereinigten Staaten immer noch der größte und wichtigste Softwaremarkt der Welt. Anders ausgedrückt: Ihre wirklich wichtigen Ankündigungen verlegen die Walldorfer gerne auf die jährliche Kundenkonferenz, zu der der Konzern traditionell in den Sunshine State im Südosten der USA einlädt.
Tatsächlich zündet der Konzern für seine Verhältnisse auf der Sapphire geradezu ein Feuerwerk von Innovationen: Mit seinen vielfältigen Ankündigungen für mehr KI in den eigenen Softwareprodukten etwa reiht sich SAP ein in ähnliche Verlautbarungen von Rivalen wie Microsoft oder Google aus den vergangenen Wochen ein. Dabei sei KI für die Walldorfer gar nichts sonderlich Neues, wiegelt Thomas Saueressig ab – ganz im Gegenteil: „Wir sind der unbekannte KI-Riese aus Deutschland“, kommentiert der SAP-Technikvorstand in einem Gespräch mit Vorabinformationen zur Kundenmesse für Journalisten.
Viele neue Funktionen mit generativer KI
Denn schon heute hätten die Walldorfer rund 130 KI-Szenarien in ihre Software eingebaut; mehr als 23.000 Kunden nutzten die SAP-KI bereits heute, berichtet Saueressig. Neu hinzu kommen diverse Funktionen mit generativer KI á la ChatGPT – aber mit einem wichtigen Unterschied zu dem Hype-Chatbot des amerikanischen Start-ups OpenAI: „Wir können die Qualität der Datentrainings gewährleisten, indem wir unseren eigenen immensen Datenschatz nutzen“, meint Saueressig. So sorge der Konzern für Vertrauen und Verlässlichkeit der KI-Software beim Kunden.
SAP will mehrere neue KI-Funktionen für diverse Geschäftsprozesse in seine Produkte einbauen, angefangen beim Forderungsmanagement per künstlicher Intelligenz für ein effektiveres Inkasso über die KI-gestützte Modellierung von Geschäftsprozessen mit der SAP-eigenen Mining-Lösung Signavio bis hin zu KI-Funktionen für widerstandsfähigere Logistik- und Lieferketten.
Lieferketten sind neben KI denn auch der zweite große Schwerpunkt der Ankündigungen. So will SAP nach dem Vorbild des Automobilnetzwerks Catena-X nun Lieferanten und Kunden in weiteren Branchen besser vernetzen. „Die Fertigungsindustrie etwa hat ebenfalls sehr komplexe Lieferketten“, berichtet Technikchef Saueressig. Über die bisherige Technologie von SAP wickelten in der Branche schon heute mehr als 130.000 Lieferanten weltweit pro Jahr ein Handelsvolumen von 92 Milliarden Dollar ab.
SAP will vier Branchen besser vernetzen
Dieser Austausch soll künftig durch industriespezifische Voreinstellungen und Best Practises weiter erleichtert werden. Wie zum Beispiel in der Pharmabranche: „Hier gibt es strenge Vorgaben gerade beim Transport“, erläutert Saueressig. „Denken Sie etwa an temperaturgesteuerte Lieferketten, um die Kühlkette bei Medikamenten einzuhalten.“
Aus der Pharmabranche arbeiten im SAP Business Network bereits die 80 größten Life-Science-Konzerne der Welt sowie mehr als 250.000 Handelspartner rund um den Globus zusammen und wickeln Geschäfte im Wert von 270 Milliarden Dollar im Jahr ab. Neben der Fertigungs- und Pharmaindustrie werden noch Konsumprodukte und High-Tech zu den ersten vier spezifischen Industrienetzwerken gehören; weitere Branchen sollen später folgen.
Die dritte große Ankündigung betrifft das Thema Nachhaltigkeit: So will SAP nun endlich die Kohlendioxid-(CO2)-Emissionen quer durch alle Geschäftsprozesse und entlang aller Wertschöpfungsketten nachvollziehbar machen. Nach dem Vorbild des General Ledger – also des Hauptbuchs in der Finanzbuchhaltung – soll die SAP-Software künftig auch ein sogenanntes Green Ledger erhalten. Damit sollen Unternehmen in jeder Transaktion die CO2-Verbräuche nachverfolgen und speichern können, und zwar auf Basis von Echtzeitdaten. „So sollen CO2-Werte über alle Stufen getrackt werden können, und zwar ähnlich genau und nachvollziehbar wie Finanzdaten“, sagt SAP-Technikchef Saueressig.
Mit dem neuen Fokus auf künstliche Intelligenz, Vernetzung und Nachhaltigkeit wollen die Walldorfer noch tiefer in die Geschäftsprozesse ihrer Kunden eindringen. „In einer Welt, die von Marktverwerfungen, sich verändernden gesetzlichen Rahmenbedingungen und kritischem Fachkräftemangel geprägt ist, wenden sich unsere Kunden immer wieder an die SAP, um Lösungen für ihre drängendsten Probleme zu erhalten“, kommentiert Vorstandschef Christian Klein. Die Sapphire-Innovationen würden die Kunden dabei unterstützen, auch in Zukunft erfolgreich zu sein.
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