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Letzte Runde für Restaurants und Kneipen? „Ein Lockdown light stürzt die deutsche Gastronomie in den Abgrund“

Filiale der Restaurantkette L'Osteria in Magdeburg. Chef Mirko Silz findet deutliche Worte: Ein „Lockdown light stürzt die deutsche Gastronomie in den Abgrund“. Quelle: imago images

Durch die neuen Corona-Einschränkungen müssen Gastronomiebetriebe im November erstmal dicht machen. Auf sie kommen schwere Zeiten zu – mit fatalen Folgen für die Branche.

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Für viele Gastronomen ist es ein Schlag ins Kontor: Bars, Clubs, Diskotheken, Kneipen und Cafés sollen ab dem 2. November bis zum Ende des Monats geschlossen werden – Restaurants wie im Frühjahr nur noch Speisen für die Lieferung und Abholung für den Verzehr zu Hause anbieten dürfen. Das beschlossen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder am heutigen Mittwoch auf einer Videokonferenz.

Die Maßnahmen dürften das Schicksal vieler Betriebe in der ohnehin angeschlagenen Branche besiegeln. Schon der Lockdown im Frühjahr ging an die Substanz und strapazierte die Finanzkraft zahlreicher Unternehmen. Einen weiteren Monat ohne den Großteil der Einnahmen werden sie kaum überstehen. „Einem Drittel der 245.000 Betriebe droht bei einer erneuten Schließung das Aus“, warnt bereits der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Guido Zöllick. Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges legte am Donnerstag angesichts der beschlossenen Schließungen nach: „Es ist mehr als konsequent, dass hier eine Entschädigung erfolgt, wenn unsere Branche geschlossen wird, damit die allgemeine Wirtschaft keinen Lockdown erfährt und Schulen geöffnet bleiben.“ Es sei nun wichtig, „dass diese Hilfen für alle Unternehmen in Gastronomie, Hotellerie und Cateringwirtschaft schnell und unbürokratisch zur Verfügung gestellt werden.“

Mirko Silz, Chef der Italo-Restaurantkette L'Osteria, findet deutlichere Worte: Ein „Lockdown light stürzt die deutsche Gastronomie in den Abgrund“. Gemeinsam mit zahlreichen weiteren Vertretern der Gastrobranche hat Silz einen „Brandbrief“ an Kanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder veröffentlicht, in dem drohende Einschränkungen bis hin zur vorläufigen Schließung als unverhältnismäßig und falsch dargestellt werden. Die Gastronomie stehe unter strengen Auflagen, betonten sie. „In der aktuellen zweiten Welle der Coronapandemie war die Gastronomie nie ein Infektionsherd“, heißt es in dem Brief, den neben Silz Vertreter der Café- und Restaurantketten Hans im Glück, Nordsee, Block House und Coffee Fellows unterzeichneten. Auch Starkoch Tim Mälzer ist dabei.


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Die Gastronomen warnen davor, dass die Schließungen Menschen aus Restaurants ins private Umfeld verdrängt würden – das aber sei der „Hotspot“ der Infektion. Zudem könnten Schließungen dazu führen, dass die Menschen frustriert werden und ihre Aufmerksamkeit bei Schutzmaßnahmen nachlasse. Die Branchenvertreter zeichneten ein düsteres Bild: „Einen zweiten Lockdown überleben viele Betriebe der Branche nicht.“ Schon im Frühjahr hatte die Coronapandemie wie ein Brandbeschleuniger für angeschlagene Gastronomiebetriebe wie Vapiano und Maredo gewirkt.

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