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Liberty Media schlägt zu Die wichtigsten Fakten zum Verkauf der Formel 1

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Finanzielle Probleme in der Formel 1

Lassen sich höhere Medieneinnahmen nur im Bezahlfernsehen erzielen?

Tatsächlich war es bereits unter CVC so, dass die Formel 1 in vielen Märkten stärker aufs Bezahlfernsehen setzte als auf das frei empfangbare. Das mag die Einnahmen für Ecclestone und seine Mannschaft gesteigert haben. Doch gleichzeitig führt das dazu, dass die Gesamtzuschauerzahl sinkt – und sich die Verantwortlichen die Frage stellen müssen, wie sie vor allem die wichtigen jungen Zuschauer an den Rennsport heranführen wollen, die sich meist keinen Bezahl-TV-Vertrag leisten können.

Gut möglich allerdings, dass sich ein globaler Medienkonzern wie Liberty da mehr einfallen lässt als die bisherigen Besitzer. Ohnehin halten Kritiker Ecclestone seit langem vor, mit dem Internet, den sozialen Medien und den Möglichkeiten der digitalen Welt nicht auf vertrautem Fuß zu stehen. Jetzt mal ehrlich: Der Engländer ist immerhin auch schon 85 und geht kaum noch als Digital Native durch.

Anzahl der WM-Titel nach Nationen

Die Formel 1 tut sich seit Langem schwer, Anhänger in den USA zu finden. Wird das anders, wenn der US-Konzern Liberty übernimmt?

Auch in den USA hat die Formel 1 einen schweren Stand. Die Zuschauerzahlen beim einzigen Rennen auf US-Boden – in Austin im Bundesstaat Texas – sinken. Die englische Tageszeitung „Daily Mail“ berichtet, dass 2012 immerhin 117.000 Fans an der Strecke waren. So gut scheint es nicht allen gefallen zu haben – 2015 lag die Zahl nur noch bei knapp über 100.000.

Dennoch ist es wahrscheinlich, dass ein US-Konzern auch versuchen wird, der Formel 1 zu mehr Umsatz im Heimatmarkt des Entertainments zu verschaffen. Allerdings müssten sich die Formel-1-Strategen dann wohl von der Strategie abwenden, Rennen schlicht dort zu veranstalten, wo Geldgeber mit großen Scheinen wedeln und zugunsten größerer Zuschauerzahlen sich auch mit geringeren Erlösen aus dem Ticketing zu begnügen. Allerdings bestünde wohl die Gefahr, dass der Rennkalender aus den Fugen gerät. Denn niemand sollte die Größe des US-Marktes unterschätzen – ein einziges Rennen im Formel-1-Kalender reicht sicher nicht aus, die Herzen der Amerikaner zu erobern.

Das schwant auch Ecclestone. Der sprach gerade davon, dass man in den USA schon bis zu zehn Rennen veranstalten müsste, um einen Eindruck zu hinterlassen. Dazu müsste man die Ticketpreise senken und „eine riesige Anzahl von Hamburger-Stände aufstellen“. Das hätte aber Folgen: „Das wäre dann aber nicht mehr die Formel 1“, sagte der kleine Mann, der die Rennserie groß gemacht hatte.


Könnten künftig mehr Autokonzerne in die Formel 1 drängen?

Zunächst steht fest, dass bis auf Mercedes, Red Bull, Ferrari und McLaren die meisten der in der Formel 1 vertretenen Teams Probleme haben, finanziell überhaupt über die Runden zu kommen. Dann ist es so, dass nach den aktuellen Regeln eigentlich erst einmal nichts geht. Denn bis 2020 gilt das sogenannte Concorde-Agreement, das alle elf aktuellen Teams unterzeichnet haben – eine Art Verfassung der Formel 1, die über dem technischen Reglement existiert. Bis dahin dürfte die Tür zu sein, es sei denn, zwischen den Beteiligten gibt es eine Einigkeit darüber, weitere Teams aufzunehmen.

Die „Bild“-Zeitung weist zudem zu Recht darauf hin, dass es nicht so einfach ist, überhaupt in die Formel 1 einzusteigen. Weniger die Investitionen seien die Hürde als vielmehr das Know-how und der hohe technische Standard. „Bestes Beispiel ist Honda. Bei den Japanern spielt Geld keine Rolle und trotzdem tun sie sich auch im zweiten Jahr mit McLaren schwer auf die Beine zu kommen.“

Alle beteiligten Autokonzerne und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch alle übrigen potenziell interessierten werden daher sehr genau darauf schauen, was Liberty als Käufer des Spektakels tatsächlich vorhat. Die Macht der Autobosse wird auch Malone nicht unterschätzen – ohne beispielsweise Ferrari und Mercedes als Publikumsmagneten kann er den Laden praktisch zu machen. Andererseits ergeben sich für die Hersteller durch die Verbindung mit einem Medienunternehmen womöglich jedoch auch völlig neue Werbemöglichkeiten, die es attraktiv machen, im Rennen zu bleiben.

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