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Lieferando schluckt Foodora, Lieferheld und pizza.de Das Ende des Wettbewerbs der Essenslieferdienste?

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Bei der Gewerkschaft „klingeln die Alarmglocken“

Die neue Situation auf dem Markt könnte auch die Verhandlungsposition von Restaurantbetreibern schwächen. Die Dienste dienen als Plattform für Tausende Restaurantbetreiber und Kunden, die Hunger auf Sushi, Nudeln oder Pizza haben. Für ihren Dienst als Mittler kassieren die Plattformbetreiber Provisionen. Wie hoch diese ist, ist Aushandlungssache zwischen Restaurants und Plattformbetreiber. Brancheninsider berichten von Werten um die 30 Prozent. Haben die Restaurants künftig in vielen Gegenden Deutschlands nur noch einen Ansprechpartner, nämlich Lieferando, könnte das die Konditionen für die Restaurants verschlechtern.

Neben der Wettbewerbsbehörde müssen auch die Takeaway-Aktionäre dem Deal noch zustimmen. Allerdings scheint das reine Formsache zu sein. An der Börse sorgte die Nachricht über die mögliche Übernahme für festtägliche Stimmung: In der Spitze stiegen die Delivery-Aktien um mehr als 25 Prozent.

Delivery-Hero-Chef Östberg kündigte an, seine Investitionen auf Wachstumsmärkte wie Asien und Nahost zu konzentrieren. 215 Millionen Euro aus dem Deal nimmt er dafür in die Hand. Die Takeaway-Aktien schossen zeitweise sogar knapp 38 Prozent in die Höhe. Der deutsche Markt, den Takeaway dank des Deals nun vorerst kontrollieren dürfte, verspricht hohes Umsatz- und Profitpotenzial.

Inwieweit das Einsparungspotenzial auch die Mitarbeiter des Deutschlandgeschäfts von Delivery Hero betrifft, ist noch unklar. Ein Großteil der 480 Mitarbeiter solle übernommen werden, so COO Gerbig.

„Die Fahrer haben Arbeitsverträge mit der Foodora GmbH, die sind vorerst anscheinend sicher“, sagt Christoph Schink von der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) gegenüber der „WirtschaftsWoche“. Die Gefahr von Einsparungen sieht er in anderen Bereichen: Marketingmanager, Standortleiter, Programmierer – sie alle dürften bei einem Zustandekommen des Zusammenschlusses doppelt vorhanden sein. „Takeaway hat eine Präsentation veröffentlicht über die erhofften Synergieeffekte“, sagt Schink. „Allein bei dem Wort klingeln bei mir als Gewerkschafter die Alarmglocken. Meist sind das keine guten Nachrichten für die Beschäftigten.“

Allerdings sieht Schink in der Übernahme auch Potential für eine Verbesserung der Situation für einen Teil der Mitarbeiter. „Die Bedingungen bei Lieferando sind nicht perfekt, aber deutlich besser als bei Foodora“, sagt Schink. Lieferando zahlt einen Euro pro Stunde mehr und stellt Elektrofahrräder für die Kuriere. Bei Foodora nutzen die Lieferanten bislang ihre eigenen Smartphones und Fahrräder, auch Winterjacken und -handschuhe bekommen sie nicht gestellt. „Delivery Hero SE hat uns schon ungewöhnlich viele Knüppel zwischen die Beine geworfen“, sagt Schink, der insbesondere das Verhalten der Untermarke Foodora als „gewerkschaftsfeindlich“ bezeichnet.

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