Logistikkonzern Deutsche Post hängt Wettbewerber ab

Die Deutsche Post trotzt der weltweiten Konjunkturabkühlung. Selbst das sinkende Briefvolumen in Deutschland federt das Unternehmen inzwischen problemlos ab. Das Heimatgeschäft könnte dem Logistikkonzern aus Bonn bald sogar wieder richtig Freude machen.

Die Deutsche Post AG trotzt der weltweiten Konjunkturabkühlung. Quelle: dpa

Die Deutsche Post hat die Wende geschafft. Zwar sank das Briefvolumen in diesem Jahr um fast drei Prozent. Dank des boomenden Paketgeschäfts blieb der Umsatz in der Briefsparte, in die beide Geschäfte einfließen, auf Vorjahresniveau. Insgesamt stieg die Zahl der zugestellten Pakete in den ersten neun Monaten dieses Jahres um fast elf Prozent. Pakete kompensieren damit inzwischen das Minus bei der Briefzustellung fast komplett. Im kommenden Jahr dürfte der Spartenumsatz daher wieder deutlich steigen.

Zwar wollte der Vorstand bei der Präsentation der Quartalszahlen in Frankfurt keine Prognose abgeben, doch eine positive Umsatzentwicklung ab 2013 liegt auf der Hand: Im Schnitt rechnet die Post beim Briefvolumina mit einem dauerhaften Minus von zwei bis drei Prozent pro Jahr. Der Online-Handel hingegen lässt das Paketaufkommen um mindestens fünf Prozent pro Jahr bis 2020 wachsen. Im kommenden Jahr wird der Spartenumsatz daher sicher steigen.

Stärken und Schwächen der Post
Stärke 1: Volle KassenDer Verkauf der Postbank machte es möglich: Weil der Deal den Bonnern vor drei Jahren 4,9 Milliarden Euro in die Kassen spülte, besitzt der Dax-Konzern heute unter dem Strich ein Geldpolster von 938 Millionen Euro. Die Mittel nutzt er vor allem für Investitionen in effizientere Briefzentren und für den Ausbau des asiatischen Express- und Frachtgeschäfts. Umfangreiche Zukäufe wie unter dem einstigen Vorstandschef Klaus Zumwinkel, die insbesondere in den USA mit Milliardenverlusten endeten, soll es dagegen nicht mehr geben. Außerdem flossen vergangenes Jahr 2,37 Milliarden Euro Cash in die Kasse - 23 Prozent mehr als im Vorjahr. Quelle: dpa
Schwäche 1: Teures EU-UrteilDamit hatte Post-Chef Frank Appel (Foto) nicht gerechnet: Ende Januar entschied EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia, dass die Bonner ungerechtfertigt erhaltene Staatsbeihilfen an den Bund zurückzahlen sollen - und zwar in einer Höhe von 500 Millionen bis einer Milliarde Euro. Der Dax-Konzern habe nicht nur staatliche Beihilfen erhalten, um die hohen Pensionslasten des einst von Beamten geführten Staatsunternehmens auszugleichen. Mit derselben Begründung habe ihr die Regulierungsbehörde auch ein höheres Briefporto gewährt, was einer doppelten Begünstigung gleichgekommen sei. Die Post wird in den nächsten Monaten zahlen müssen, klagt aber gegen Brüssel. Quelle: dpa
Stärke 2: Starker AnkeraktionärÜber die bundeseigene Bank KfW besitzt der Bund - als einziger meldepflichtiger Aktionär - immer noch 30,5 Prozent aller Aktien. Die Ratingagentur Standard & Poor's wertet das positiv. Weil im Ernstfall wohl der Staat eingreifen würde, sinkt laut S&P das Insolvenzrisiko. Quelle: obs
Stärke 2: Stabilisiertes BriefgeschäftLange Zeit sah es so aus, als ob das Internet dem traditionellen Briefgeschäft die Ertragsgrundlage rauben könnte. Beispiele aus den USA, den Niederlanden oder Italien zeigten, dass der konkurrierende E-Mail-Verkehr den Zustellern hohe Verluste bescherte. Auch für die Bonner Briefträger halbierte sich der Betriebsgewinn (Ebit) seit 2004. Doch nicht nur der Umsatzschwund wurde inzwischen erfolgreich gestoppt, auch die Betriebsergebnisse stabilisierten sich knapp oberhalb der Milliarden-Euro-Grenze. Quelle: AP
Ausgleich bringt der Internethandel, der in Deutschland jährlich im zweistelligen Prozentbereich wächst. Laut HGB-Bilanz verlor die Post 2011 beim Umsatz zwar 162 Millionen Euro im klassischen Briefgeschäft, das nur noch 5,36 Milliarden Euro erlöste. Das deutsche Paketgeschäft aber, das etwas irreführend unter der Marke „DHL“ von der Brief-Sparte geführt wird, wuchs um 243 Millionen auf 2,77 Milliarden Euro. Quelle: dpa
Schwäche 2: InnovationsflopUm der Abwanderung der Briefkunden ins Internet nicht tatenlos zuzusehen, startete die Deutsche Post im November 2010 den „E-Postbrief“ - eine rechtsverbindliche, vertrauliche und sichere Form der E-Mail, für die Nutzer 55 Cent pro Sendung zahlen sollen. Bislang aber zählen Marktforschungsinstitute gerade einmal 200.000 Nutzer pro Monat. Zudem stehen Konkurrenten mit Dumpingpreisen vor dem Start. Quelle: dapd
Schwäche 3: Hohe Konzernkosten389 Millionen Euro kostete den Konzern 2011 sein Headquarter, kaum weniger als im Jahr zuvor. Analysten halten die hohen Kosten für eine Erbschaft des ehemaligen Staatsunternehmens, das einst von Beamten geführt wurde. Zum Vergleich: Der Logistikkonzern Kühne + Nagel begnügte sich 2011 mit Verwaltungsaufwendungen von 109 Millionen Euro. Quelle: ZB

Die Deutsche Post würde damit aus der Sorgensparte einen Hoffnungsträger für die Zukunft machen. Auf kurz oder lang könnte der Geschäftsbereich zu einem Wachstumstreiber des Konzerns aufsteigen. Die Zusteller tragen in 80 Prozent der Regionen schon heute Pakete und Briefe gemeinsam aus. Auch aktuell sind die Zahlen gut. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern einen operativen Gewinn (Ebit) im Brief- und Paketgeschäft von mindestens einer Milliarde Euro. Zudem erwartet Post-Chef Frank Appel ein "sehr starkes Weihnachtsgeschäft in Deutschland".

Der Konzern bestätigt seine ehrgeizigen Ziele nicht nur in der Briefsparte. Auch in den anderen Sparten sieht sich das Unternehmen auf Kurs. Der operative Konzerngewinn werde sich zwischen 2,6 und 2,7 Milliarden Euro einpendeln. Die Gesamtziele für 2012 werden damit wohl erreicht.

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