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Logistikkonzern Zeitfracht beginnt mit Umbau – und erntet Kritik

Zeitfracht Quelle: Presse

Der Berliner Zeitfrachtkonzern beginnt kurz nach dem Kauf der ehemaligen Air-Berlin-Tochter LGW mit dem Umbau. Arbeitnehmervertretern schwant bereits Böses.

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Der Berliner Logistikkonzern Zeitfracht will seine gerade übernommene Fluglinie LGW neu organisieren. Als erstes sollen die heute in Berlin und Nürnberg stationierten Flugzeugbesatzungen sowie Verwaltungsmitarbeiter aus Dortmund nach Düsseldorf und Stuttgart umziehen. Insgesamt betrifft das 130 Mitarbeiter.

Zeitfracht bestätigte den Umzug und erklärte, man wolle „diese Fehlstationierungen nicht nur im Sinne der LGW, sondern auch im Sinne der Mitarbeiter korrigieren.“ Ein Sprecher sagte zudem, dass es noch keine Entscheidung gebe, sondern nur „Angebote zur Umstationierung auf freiwilliger Basis“. Diese seien „mit materiellen Anreizen verbunden“. Vor allem die Flugbegleiter sollen umziehen. Piloten hingegen können gegen Gehaltsabzüge von bis zu 1000 Euro im Monat pendeln. „Den Flugbegleitern hat das Unternehmen das wahrscheinlich wegen der ohnehin niedrigen Gehälter erst gar nicht angeboten“, vermutet ein Insider.

Zeitfracht, zu dem auch der rumänische Billigflieger Blue Air und die Kölner WDL gehören, hat die ehemalige Air-Berlin-Tochter LGW zum 1. April von der Lufthansa gekauft. Das Geschäft wurde dem Vernehmen nach in der vergangenen Woche abgeschlossen. Mit dem Deal übernahm das Unternehmen jedoch mehr Mitarbeiter, als es eigentlich braucht. Dazu zählt vor allem fliegendes Personal, das bislang für die Lufthansa-Billigtochter Eurowings auf Airbus-Flugzeugen unterwegs war.

Doch beim Verkauf hat Eurowings die Airbusmaschinen behalten und konnte nur wenige LGW-Mitarbeiter zum Wechsel nach Köln und Düsseldorf bewegen, wo der Flugdiscounter seine größten Standorte hat. Stattdessen blieben die Mitarbeiter nach dem Kauf bei der LGW in Berlin und Nürnberg. Doch weil die Fluglinie in den Städten keine Flüge hat, mussten die Crews „zu ihren Einsatzorten in Düsseldorf und Stuttgart immer aufwändig anreisen“, erklärte Zeitfracht. Das kostete das Unternehmen pro Schicht und Mitarbeiter pro Tag in der Regel jeweils mehr als 100 Euro für die Flüge, Übernachtungen und Tagegelder. Da die LGW vor allem Auftragsflüge für Eurowings durchführt und dafür nach Flugstunde bezahlt werden, lohne sich das nicht, erklärte ein Insider.

Arbeitnehmervertreter bezweifeln indes, dass die freiwilligen Wechselangebote der Zeitfracht in großem Umfang angenommen werden. Denn ähnliche Offerten habe es schon von der Lufthansa gegeben, die vor allem das Berliner LGW-Personal für ihre Airbus-Maschinen gewinnen wollten. Doch nur wenige LGWler wollten wechseln. „Wenn Crewmitglieder einen in der Branche als hochattraktiv angesehenen Wechsel in den Lufthansakonzern mit seinen Extras nicht annehmen, dann werden sie sich mit dem Zeitfrachtangebot erst recht schwertun“, so ein Arbeitnehmervertreter.

Gegen den Wechsel ins Rheinland oder nach Baden-Württemberg sprechen aus seiner Sicht weniger die Vorbehalte der Hauptstädter gegen einen Umzug. Vielmehr seien die im Vergleich zu Berlin deutlich höheren Lebenshaltungskosten, besonders die Mieten bei einem Umzug, die größere Hürde. „Damit würden die Kollegen am Ende schlechter dastehen als heute“, so der Arbeitnehmervertreter. So könnte Zeitfracht am Ende doch zu höherem Druck oder gar betriebsbedingten Kündigungen greifen, fürchtet der Arbeitnehmervertreter.

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