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Lotto, Poker, Toto Ole von Beusts Spiel mit dem Glück

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Nicht nur ein Fall der deutschen Glücksspielaufsichten

„Der Abgang von Herrn Beust kam etwas plötzlich“, sagt Torsten Meinberg, Chef von Lotto Hamburg. Im Januar 2017 habe von Beust dem Lotto- und Totoblock eröffnet, dass er sein Mandat abgebe und The Stars Group beraten wolle. Von einem Seitenwechsel will Meinberg aber nicht sprechen: „Im Zuge einer Neuausrichtung seiner Beratungsfirma hat ein Mitarbeiter von Beust diesen Kunden mitgebracht, der eine Beratung für uns natürlich ausschließt. Herr von Beust hat uns das rechtzeitig gesagt. Wir hätten zwar gerne mit ihm weitergearbeitet, doch er hat uns vor vollendete Tatsachen gestellt.“

Einen Schaden, der durch den Abgang entstanden sein könnte, will Meinberg nicht sehen. Zudem darf von Beust erst ab 2018 persönlich für den Kunden tätig werden. „Wir vereinbarten eine Art Karenzzeit von einem Jahr mit Herrn von Beust. So lange durfte er nicht für den neuen Kunden tätig werden, da sonst eine Vertragsstrafe fällig würde. Er stimmte dem zu.“ Meinberg fügt hinzu: „Das Problem der Glaubwürdigkeit ist seins.“

Auch wenn Meinberg im Gespräch den hanseatischen Diplomaten gibt, dürfte die Personalie Beust hinter den Kulissen für einigen Wirbel sorgen. Vergleichbares ist dem Lotto- und Totoblock bereits Ende 2014 passiert, als der langjährige Lotto-Chef von Niedersachsen, Rolf Stypmann, zum privaten Anbieter Lottoland wechselte.

„Lottoland ist einer der Treiber für die zeitgemäße Entwicklung des deutschen Lotteriemarkts. Ich möchte Lottoland dabei unterstützen, wieder mehr Menschen für Lotto zu begeistern und das Image von Lotto zu entstauben“, gab Rolf Stypmann in seiner Funktion als Pressesprecher von Lottoland damals kund. Lotto-Chef Meinberg will den damaligen Wechsel Stypmanns zu Lottoland auch aufgrund der aktuellen Ereignisse nicht kommentieren: Stypmann ist vor wenigen Tagen gestorben.

Pikanter als eine Tätigkeit für Lottoland dürfte ohnehin die Beratung Beusts für The Stars Group sein. Denn die Pokerseiten des kanadischen Unternehmens sind nicht nur ein Fall der deutschen Glücksspielaufsichten. Auch das FBI ist schon gegen Portale des Unternehmens vorgegangen. So gingen US-Ermittler 2011 rigoros gegen die Anbieter von Pokerstars vor, denen in den USA illegales Glücksspiel zur Last gelegt wurde.

Im Gegensatz zum relativ nachsichtigen Vollzug gegen illegales Glücksspiel in Deutschland fackelten die US-Ermittler nicht lange herum und froren Konten ein und eröffneten Verfahren gegen Manager von Pokerstars. Das Verfahren selbst wurde nach einer millionenschweren Zahlung von Pokerstars zwar eingestellt. Der Gründer des Portals, Isai Scheinberg, ist aber bis heute auf der Flucht vor den Ermittlern.

Ein Rezept, mit dessen Hilfe deutsche Lottoanbieter verhindern können, dass finanzstarke Privatanbieter ihnen die prominenten Köpfe abwerben, ist offenbar noch nicht gefunden: „Wir stehen hier vor einem neuen Phänomen. Wir müssen erst über Lösungen nachdenken“, sagt Meinberg.

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