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Luftfahrt-Branche „Jetzt ist die Party vorbei“

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Nullzinsen und Tugend

2. Ende der Nullzinsen

Auch wenn es die Inhaber von deutschen Staatsanleihen noch nicht so recht merken: Weltweit beginnen die Zinsen zu steigen. Das trifft die Fluglinien gleich doppelt. Zum einen müssen sie dann mehr für ihre Schulden bezahlen und auch ihre Leasingraten steigen. Schlimmer für die Linien ist eine indirekte Folge. Das schrittweise Ende des Nullzinses dämpft die wirtschaftliche Entwicklung, weil nun auch andere Unternehmen mehr in den Kapitaldienst stecken müssen – und weniger Geld zum Reisen haben.

Das wäre schon in normalen Jahren unangenehm. Die Erfahrung zeigt, dass sich die Flugnachfrage ungefähr doppelt so stark entwickelt wie die Wirtschaftsleistung. Ändert sich das Wachstum der Volkswirtschaft von plus ein Prozent auf minus ein Prozent, wird für die Airlines aus zwei Prozent Wachstum ein zweiprozentiger Rückgang.

Nun dürfte der Umschwung noch stärker sein. „Das Wachstum war in manchen Märkten in den vergangenen 18 Monaten das Fünffache der Wirtschaftsleistung und damit unnatürlich hoch“, so CAPA-Analyst Harbison. Die Kombination aus Preisen, die wegen der Spritkosten steigen, und gebremster Konjunktur dürfte noch unangenehmer werden als sonst. Bereits wenn die Nachfrage wieder vom Mehrfachen auf das normale Doppelte des Wirtschaftswachstums sinkt, könnte der Flugmarkt schrumpfen, obwohl ein Land ökonomisch wächst.

3. Die Last der Tugend

Für das Rekordwachstum der Luftfahrt-Branche in den vergangenen Monaten sorgten nicht zuletzt die vielen Effizienzmaßnahmen der Unternehmen. Um im Preiswettbewerb bestehen zu können, haben die Fluglinien nicht nur Kosten abgebaut. Sie haben auch durch Marketing und Kampfpreise ihre Flieger besser gefüllt als je zuvor.

Nun passen nicht nur fast keine zusätzlichen Passagiere mehr an Bord. Fliegen wurde gerade in Asien auch für ärmere Kunden erschwinglich. Doch die können nun oft keine höheren Preise mehr zahlen, weiß Kamudin Meranun, Chef des malaysischen Billigfliegers Air Asia X. „Vielen Kunden sind schon die drei Dollar für ein Essen an Bord zu viel“, so der Manager.

Die Tugend bringt die Airlines nun auf gleich zwei Weisen in die Bredouille. Das System ist so effizient, dass weitere Kostensteigerungen etwa durch das Benzin kaum noch aufzufangen sind. Gleichzeitig wird es schwer, ohne niedrigere Preise weitere Kunden zu gewinnen.

Das wiederum könnte eine Abwärtsspirale in Bewegung setzen. Viele Linien haben ihre Kosten nicht zuletzt dadurch gesenkt, dass sie ihr Angebot schneller hochgefahren haben als die Zahl ihrer Beschäftigten. Dazu haben sie neue Jobs vor allem an weniger gut bezahlte Neulinge gegeben. Damit sanken am Ende die Kosten pro Passagier, weil sich die fixen Ausgaben für Verwaltung und Marketing auf immer mehr Kunden verteilen ließen.

Das wird jedoch mit weniger großen Wachstumsraten deutlich schwerer und dürfte zu steigenden Durchschnittskosten führen.

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