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Luftfahrt-Gipfel Fluglinien fehlt das Starbucks-Prinzip

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Der unbequeme Weg bleibt


Welche Airlines vom Himmel verschwanden
OLT Express: 1958 - 2013Die finanziell angeschlagene Bremer Fluglinie OLT streicht alle Flüge. Es drohe die Zahlungsunfähigkeit, sagte Sprecher Matthias Burkard. „Der nächste Schritt ist die Insolvenzanmeldung, die zeitnah erfolgen wird.“ Ende 2012 waren OLT zwei Großaufträge weggebrochen. Daraufhin hatte die Geschäftsführung ein Sanierungskonzept erarbeitet, das der Eigentümer - eine niederländische Investmentfirma - nun aber abgelehnt hat. 38 Flüge fielen am Montag aus. Mit 15 Flugzeugen bediente OLT bisher die Flughäfen Bremen, Dresden, Saarbrücken, Münster/Osnabrück und Karlsruhe/Baden-Baden. Ob die Passagiere ihr Geld zurückbekommen, ist noch unklar. Burkard verwies auf den Insolvenzverwalter. Offen ist auch, wie es für die rund 500 Mitarbeiter weitergeht. Die meisten von ihnen sind an den Standorten Bremen, Stuttgart und Saarbrücken beschäftigt. „Zurzeit laufen Krisensitzungen“, sagte Burkard. Der Sanierungsplan hatte vorgesehen, dass die Beschäftigen Teilzeit arbeiten und auf Gehalt verzichten. Die Geschäftsleitung informierte sie am Sonntag über die finanziellen Probleme. Trotzdem seien alle am Montag zur Arbeit erschienen, sagte Burkard. Die Ostfriesische Lufttransport GmbH war 1958 in Emden gegründet worden, inzwischen befindet sich der Firmensitz aber in Bremen. Im vergangenen September hatte der niederländische Investor Panta Holdings das Unternehmen übernommen. Bis zum Jahreswechsel befand sich die Regionalfluggesellschaft noch auf Expansionskurs. Sie übernahm unter anderem die Stuttgarter Contact Air und weitete den Flugplan aus. Quelle: Screenshot
Spanair: 1986 - 2012Sie war die zweigrößte Fluglinie des Landes. Über viele Jahre bestimmte Haupteigentümer SAS über das Schicksal der Spanier. Spanair war sogar Mitglied von Star Alliance. Das letzte Jahrzehnt glich allerdings einer Katastrophe. Spaniens Wirtschaft geriet immer stärker in die Krise, SAS stolperte nur noch vor sich hin. 2008 legte Spanair ein hartes Sparprogramm auf, doch die Bemühungen reichten nicht aus. Qatar Airways zeigte 2011 Interesse, wollte 49 Prozent an der Fluggesellschaft übernehmen, überlegte es sich schließlich doch anders. Am 30. Januar 2012 beantragte Spanair Insolvenz. Quelle: REUTERS
bmi British Midland 1933 - 2012Wolfgang Prock-Schauer ist der neue Chef von Air Berlin, im Jahr 2011 war er allerdings noch für die Lufthansa-Tochter bmi verantwortlich. Die Airline ging im Herbst 2012 in der British Airways auf. Deren Muttergesellschaft British-Airways IAG entschied sich schließlich zum Kauf, um an die kostbaren Slots am Flughafen Heathrow zu kommen. Die regionale Fluggesellschaft bmi regional hat übrigens als eigenständiges Unternehmen überlebt. Quelle: dpa
Malev: 1954 - 2012Mitte der fünfziger Jahre erklärte die Sowjetunion offiziell den Austritt aus dem ursprünglich als ungarisch-sowjetischen Gemeinschaftsunternehmen. Malev weitete sein Streckennetz in den folgenden Jahren immer weiter aus. Nach der demokratischen Wende Anfang der 90er Jahre wurde die Malev zweimal privatisiert und wieder rückverstaatlicht. Immer wieder erhielt sie üppige Finanzspritzen aus staatlicher Hand, bis die EU weitere Beihilfen untersagte. Zuletzt hatte die Malev Schulden in Höhe von 74,6 Milliarden Forint angehäuft. Am 14. Februar wurde das endgültige Aus bekannt gegeben. Quelle: AP
Comair: 1977 - 2012Die US-amerikanische Regionalfluggesellschaft war eine Tochter von Delta Airlines. Comair war der größte Player am Drehkreuz Cincinnati - und als dieses immer mehr an Bedeutung verlor, ging auch Comair zu Grunde. Die steigenden Treibstoffpreise taten ihr übriges. Comair versuchte sich gesundzuschrumpfen, bis quasi nichts mehr von der Fluggesellschaft übrig blieb. Im September 2012 entschloss sich Delta schließlich Comair aufzulösen und den Betrieb einzustellen. Quelle: REUTERS
Continental Airlines: 1934 - 2012Im Fall von Continental Airline geht es natürlich nicht um das finanzielle Aus eines Unternehmens. Mit der Fusion der US-Fluggesellschaften United und Continental entstand die größte Fluglinie der USA - doch verschwand am 2. März der historische Schriftzug von Continental für immer. Nun prangen allein die Lettern "United" auf den Jumbos - das Logo allerdings stammt von Continental. Quelle: dapd
Im vergangenen Jahr musste noch einen ganze Reihe weiterer, zum Teil traditionsreicher Fluggesellschaften den Betrieb für immer einstellen. So etwa Air Australia (2008 - 2012), Air Zimbabwe (1980 - 2012), Mesaba Airlines (1944 -2012), Boliviens größte Airline Aero Sur - (1992 - 2012) und Uruguays Pluna (1936-2012). Quelle: AP

Sparen im klassischen Sinn, bei dem das Personal hier eine Stunde mehr arbeitet oder da fünf Minuten auf dem bisherigen Weg, ohne an die Qualität zu gehen und damit am Ende ihren letzten Vorteil gegenüber den Konkurrenten aufzugeben.
Somit haben sie am Ende nur zwei Möglichkeiten. Zum einen die naive Hoffnung, dass die Neulinge stolpern wie Air Berlin, die sich beim Angriff auf Lufthansa einfach übernommen hat, oder den Airlines das Staatsgeld ausgeht - wie Alitalia. Doch beides ist nicht zu erwarten. Denn im Gegensatz zu Europa gelten Airlines in der Türkei oder den Arabischen Emiraten ihren Regierungen nicht als Melkkühe, sondern als Unternehmen, die mit ihren Verbindungen in die Welt für Wohlstand sorgen.

Totale Veränderung
Also bleibt nur der unbequeme Weg: sich von Grund auf zu ändern. Das bedeutet zum einen mehr wie die Neulinge zu werden. Das beginnt bei einer neuen Sparkultur, bei der Kostenkappen zur Alltagsaufgab e wird, die keine großen oft pathetisch angekündigten Schlankheitsprogramme braucht, sondern Alltag ist.
Aber das ist erst der Anfang. Die großen Airlines müssen auch von anderen Branchen lernen. Das bedeutet zum einen zu weltweiten Marken zu werden. Indem sie außerhalb ihrer Heimat wie - etwa die Kaffeehauskette Starbucks - durch Zukäufe oder Franchisesysteme in anderen Ländern aktiv werden. Gleichzeitig gilt es, stärker am eigenen Profil zu arbeiten. Denn trotz aller Anstrengungen unterscheiden sich die Airlines heute fast nicht in ihrem Image.

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In der Regel werben sie mit wohlfühlen und ein wenig Fernweh. Doch eine klare Position oder gar bestimmtes Lebensgefühl für das die Autohersteller trotz ihrer am Ende sehr ähnlichen Produkten stehen, verkörpert heute keine - außer den Ultrageizhälsen von Ryanair oder der britischen Spaßlinie Virgin Atlantic.
Denn so schwer die Veränderungen auch scheinen. Am Ende haben die Fluglinien keine Alternative. Und vielleicht ist gerade das nahe Kap der guten Hoffnung angesichts der geringen Ablenkungen der richtige Punkte diese Veränderungen endlich einzuläuten.

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