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Luftfahrt-Trend Airlines setzen auf fliegende Luxuszimmer

Mit einer Luxus-First-Class beleben die Fluggesellschaften Etihad und Emirates den Wettbewerb um zahlungskräftige Kunden. Sie wollen die bislang führenden asiatischen Airlines übertreffen.

Die Luxus-Angebote der Fluglinien
Etihad (I)Ein wenig hat die Staatslinie aus Abu Dhabi immer unter ihrer Rolle als Nachzügler gegenüber ihren Lokalrivalen gelitten. Emirates aus Dubai war größer und Qatar Airways aus Katar hatte laut Marktforschern wie der britischen Skytrax den besseren Service. Nun ist Etihad endlich Nummer eins mit der luxuriösesten First Class.
Etihad (II)Denn das „The Residence“ genannte Angebot ist im Gegensatz zur Konkurrenz kein mehr oder weniger umbauter Sitz, sondern eine Art Dreiraum-Wohnung mit Aufenthaltsraum, eigenem Bad mit Dusche, einem Schlafzimmer und einem eigenen Butler.
Etihad (III)Exklusiv wird das Angebot gleich aus zwei Gründen: Es kostet pro einfachem Flug mindestens 14.000 Dollar. Und angeboten wird es erst ab dem kommenden Jahr und nur auf den insgesamt zehn Superjumbos A380 von Etihad.
Emirates (I)Seine Konkurrenten aus Europa erschreckte die Staatslinie aus Dubai lange Zeit vor allem durch Kampfpreise und starkes Wachstum. Doch Fünf-Sterne-Linie setzte auch einen neuen Maßstab beim Service. Quelle: PR
Emirates (II)Als erste baute sie in ihrer First Class um, spendierte den luxuriösen Schlafsessel eine Wand und machte daraus eine Suite mit einem eigenen Kühlschrank. Quelle: PR
Emirates (III)Das toppte die Fluggesellschaft Emirates noch, als sie in ihre Superjumbos A380 statt der üblichen Toiletten zwei komplette Badezimmer mit Dusche einbaute. Die waren so beliebt, dass die Linie die Zeit unter der Brause beschränken musste, damit jeder mal dran kam. Kein Wunder, dass die Linie nun die Führung halten will und wie Lokalrivale Etihad ein fliegendes Dreiraum-Appartement plant. Quelle: PR
Singapore Airlines (I)In Sachen Service hat keine Airline einen besseren Ruf als die Linie aus dem südostasiatischen Stadtstaat. Kein Wunder, bot sie doch als erste persönliche Bildschirme auch in der Economy Class und Video-on-Demand im Unterhaltungsprogramm. Zudem gibt es besonders großzügige, nicht zu sehr umbaute Schlafsessel und im A380 sogar eine umbaute Kabine, die sich zum Doppelbett erweitern lässt. Quelle: PR

Beim Gedanken an moderne Flugreisen schwärmen Snobs und Vielflieger gern von der glamourösen guten alten Zeit der Fünfziger- und Sechzigerjahre. Damals, so die Erinnerung, war das Ambiente im Gegensatz zu heute an Bord und am Flughafen glamourös und der Service an Bord perfekt.

Leider hat das Bild einen Fehler: Es stimmt nicht.

Sicher, damals ging es formell und höflich zu. Trotzdem würde ein Passagier von damals mit Sicherheit lieber heute in einen Flieger steigen, vorausgesetzt es ginge um eine Reise in der First Class.

Denn seinerzeit war das Fliegen zwar im Verhältnis nicht nur deutlich unsicherer und teurer, weil ein Langstreckenticket schon genau so viel wie ein Eigenheim kosten konnte. Es war auch deutlich unbequemer.

Der größtmögliche Luxus damals: Bessere Campingliegen, gerne als Doppelstockbetten, etwas kratzige Wolldecken und kalte Platten nebst mühsam aufgewärmten Mahlzeiten, die nicht nur in Katastrophenfilmen zu Lebensmittelvergiftungen führen konnten. Zur Unterhaltung gab es ein gutes Buch und eventuell Cocktails um einen runden Tisch.

Einzelzimmer mit Wohlfühlgarantie

Darüber können First-Class-Kunden künftig nur milde lächeln. Denn bald ist dort der Standard eine Art Einzelzimmer, vom Koch auf Wunsch zubereitete Mahlzeiten und beste Weine. Dazu gibt es ein Unterhaltungsprogramm mit mehreren tausend Stunden Musik und Video, die sich auf Wunsch starten oder unterbrechen lassen.

Das ist erst der Anfang. Als erste Fluglinie will Etihad aus Abu Dhabi ab dem nächsten Jahr in ihrem Superjumbo A380 ein knapp 15 Quadratmeter großes Appartement anbieten mit Wohnzimmer, Schlafgemach, persönlichem Badezimmer und einem eigenen Butler. Lokalrivale Emirates aus Dubai will bald nachziehen. Und wenn dann Qatar Airways aus dem Gas-Emirat Katar seinen Ruf als beste Linie der Region nicht schmachvoll verlieren will, muss sie nachziehen. Alles andere wäre ein in der Region schwer vorstellbarer Gesichtsverlust.

Damit vollzieht sich ein weiterer Wachwechsel in der Welt der Fliegerei – und erneut zu Lasten der Lufthansa und anderer Unternehmen aus Europa und den USA.

Bisher wollten Airlines wie Emirates vor allem die größten Unternehmen der Branche werden und dabei die Konkurrenz aus dem Rest der Welt abhängen. Mit ihren Neuerungen haben die drei Emirats-Linien künftig wenn nicht den weltbesten, dann doch zumindest den mit Abstand aufwändigsten Service am Himmel.

Damit überholen sie nicht nur die bislang führenden Anbieter aus Asien Singapore Airlines und Cathay Pacific aus Hongkong und natürlich die Anbieter der alten Welt, die ihre First Class weitgehend aufgegeben haben. In Europa haben nur noch British Airways, Lufthansa und Air France auf der Langstecke ein Top-Abteil, das sie in den vergangenen Jahren für mehrere hundert Millionen Euro aufgemöbelt haben. Doch gleichzeitig haben sie auf einem Großteil der Flotte ihre First Class abgeschafft. Und wo sie geblieben ist, gibt es meist weniger Sitze als bisher. Lufthansa hat nun höchstens acht statt früher bis zu 16 Sitze in einer ihrer Maschinen und Air France kommt auf lediglich vier Plätze pro Flieger.

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