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Luftfahrtindustrie Die Weltmacht Billig bröckelt

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Etablierte Airlines immer näher am Billigniveau

Der Abstand zu Lufthansa und Co ist heute für Billig-Gesellschaften nicht länger entscheidend. Weil die etablierten Linien ihren Service inzwischen auf Billigniveau oder darunter abgespeckt haben, kann der Discounter sogar ein wenig teurer sein, wenn er der Kundschaft das lästige Umsteigen in Großflughäfen erspart.

Den richtigen Preis und die mit steigender Auslastung beste Staffelung berechnen die Airlines anhand eines langen Kriterienkatalogs. Der reicht von der Nachfrage in der Jahren zuvor über die Preise der Konkurrenz bis zur Analyse der Passagiere: Familien gelten als knauserig, Singles als großzügiger - entsprechend werden die Preise angepasst.

Keine Konkurrenz, hohe Preise

Bei Zielen ohne große Konkurrenz liegen die Preise sogar beim Freischalten des Flugplans (teils 18 Monate vor Flug) bei 80 Euro und mehr pro Strecke. Das Kalkül dahinter: Die Fans der Destination sichern sich so früh wie möglich ihre Hotelzimmer oder Ferienhäuser, bevor die besten Angebote weg sind. Da buchen sie die Flüge gleich mit. Denn am Ende ist ihnen das Risiko, keinen Flug zu bekommen, zu stehen zu hoch. Zudem: Bei Tagespreisen von 150 Euro aufwärts für die Unterkunft machen 50 Euro mehr pro Person und Strecke dann auch keinen Unterschied mehr.

Erst wenn der erste Ansturm vorbei ist und noch Plätze frei bleiben, gibt es ein paar Sonderangebote. Und wenn nicht, dann nicht.

Die größten Fluggesellschaften der Welt

Diese Kunst der Prognose reifte mit den Jahren. Zu Beginn des Billigbooms passten die Discounter die Preise mehr nach Gefühl an und flogen allzu oft entweder mit vielen leeren oder zu billig verkauften Plätzen. Dabei verschenkten sie viel Geld.

Bessere Prognosen dank Hightech

Das ist jetzt anders. Dafür sorgen die Erfahrung und modernen Technologien. Teil-automatische Prognosesysteme kennen die Vergangenheit, beobachten die Konkurrenz und passen die Preise von selbst an: nach oben, wenn sich der Flug füllt und nach unten, wenn er zu leer ist. Nur wenn überraschend viele oder wenige Tickets verkauft werden, greifen die Airline-Planer in größerem Stil per Hand ein.

Läuft ein Flug trotzdem nicht, wird er gestrichen oder verlegt. Dann geht er statt zur Mittagszeit früh am Morgen oder spät abends und die eingeplante Maschine startet auf einer anderen Route, wo sie gewinnbringender eingesetzt werden kann. Der Umbau im Flugplan ist für die Airline kein Problem. Die Kunden müssen in der Regel solche Verschiebungen akzeptieren, wenn die Fluglinie die Änderung früh genug bekannt gibt.

An dem System wird sich vorläufig nichts ändern. Denn zwar planen die fünf großen Billigflieger Easyjet, Ryanair, Norwegian, Vueling und Wizzair weiteres Wachstum und haben dafür bis zu 400 neue Flugzeuge geordert. Aber sie nutzen diese Flieger vor allem, um auf bestehenden Strecken öfter zu starten. Neue Routen legen sie insbesondere dann auf, wenn sie dort keine Konkurrenz haben oder nur gegen die etablierten Linien mit ihren höheren Betriebskosten anfliegen müssen.

Investoren wecken Hoffnungen

Das verhindert teure Überkapazitäten, die den Airlines die Preise kaputt machen und den Kunden Schnäppchen bescheren würden. Sollte es dennoch irgendwo das Angebot zu groß werden, streichen die Billigflieger schnell ein paar Flüge.

In Arbeit
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Doch eine schwache Hoffnung bleibt den Schnäppchenjägern: Investoren von außerhalb. So steckt die Fluglinie Etihad aus Abu Dhabi derzeit viel Geld in europäische Airlines, damit die schnell wachsen, selbst wenn sie dabei Verluste schreiben. Nach Investitionen in die Linie Darwin aus der Schweiz und Air Berlin will die Scheich-Linie nun mehr als eine Milliarde Euro in Alitalia stecken. Die soll so ihr Netz aufrecht erhalten können, statt sich gesund schrumpfen zu müssen.

Doch allzu groß ist die Hoffnung auf Dauer nicht. „Nach diesem Prinzip arbeiten aber selbst in unserer oft etwas eigenartigen Branche nur sehr wenige Investoren“, sagt Willie Walsh, Chef der IAG genannten Mutter von British Airways und Vueling.

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